Lange war die Website des ISB auch die von Bernd Schmid . Nach Jahren eines gelungenen Übergangs wird das ISB heute von vielen Menschen getragen und repräsentiert. Bernd Schmid ist in leitender Funktion weiterhin dabei. Doch gleichzeitig entstand die Notwendigkeit und die Freiheit, sich neben dem ISB als Weiterbildungseinrichtung eigenständig zu definieren.
In Bernd Schmid spezial, dem persönlichen Bereich von Bernd Schmidfinden Sie Professionelles, soweit es nicht schon auf der ISB-Website dargestellt ist. Sie finden aber auch Lebensgeschichtliches, Literarisches und Privates. Wer Bernd Schmid auf diesen Ebenen begegnen möchte, ist auch in diesen Bereichen willkommen.
Blog 82: Reformierbar? - Von Bernd Schmid 16.05.2012
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„Kein Geld in Systeme, die sich nicht erneuern!“ Kretschmann, Ministerpräsident BW
Oder allgemeiner: kein Kraft- oder Ressourceneinsatz, der nur dazu dient, ein nicht lebenstüchtiges System in Betrieb zu halten. Und „griechische Verhältnisse“ gibt es vielerorts.
Ein Beispiel: Von engagierten Mitarbeitern einer Bildungseinrichtung wurden wir angefragt, ob wir nicht eine entstehende Initiative unterstützen könnten. Immer mehr Mitarbeiter (Lehrende wie Administratoren) würden wegen nicht mehr erträglichen Belastungen und deren Auswirkungen auf Leistung und Lebensqualität persönliche Unterstützung bei ihnen anfragen. Bislang gäbe es für so etwas keinen Auftrag, kein Betreuungskonzept, keine Kapazitäten und auch keine Mittel. Wir hätten doch Zugang zu vielen Beratern, die für eine gute Sache auch mal ehrenamtlich tätig würden, zumindest bis sich die Initiative bewährt hätte, bis Notwendigkeit und Nutzen auch von der Einrichtungsleitung erkannt und Mittel verfügbar gemacht würden.
Ja, im Prinzip gerne. Für eine gute Sache sind wir immer zu haben. Doch ist die Sache gut? Welche Funktion hätte das Ganze?
Es stellte sich heraus, dass sich diese Bildungseinrichtung, genährt durch einen anfänglich satten Strom an öffentlichen Mitteln und Sponsorengeldern, enorm aufgebläht hatte. Apparate, Liebhabereien, Luxusausstattungen und öffentlichkeitswirksame Auftritte waren ausgebaut worden. Die geleistete Bildung wuchs quantitativ wie qualitativ nicht mit. Das sollte alles noch kommen und dem sollte ein gepflegtes Niveau der Einrichtung dienen. Doch wir kriegten irgendwie Bilder von luxuriösem Wohlleben und Hofhaltung nicht aus unseren Köpfen. Zumindest blieb fraglich, wie gewissenhaft die propagierten Leistungen und gesellschaftlichen Beiträge mit vertretbarem Ressourcenaufwand und in annehmbarer Qualität entwickelt wurden. Erwartungen weiteren Wachstums nährten Hoffnungen, man könne Fehlentwicklungen später korrigieren. Zu viele spielten mit, solange solche Illusionen hielten.
Nun war die Blase geplatzt. Eine neue Leitung sollte den Kurs der Einrichtung Richtung solides Wirtschaften und Nachhaltigkeit korrigieren. Doch waren nicht Strukturen, Anrechte und Gewohnheiten entstanden, mit denen eine Rückkehr zur Vernunft absehbar schwer möglich war? Blieben nicht fraglich, ob hinreichend Einsicht, Entschlossenheit und Kompetenzen verfügbar waren? Die Reformen reichten vermutlich bei weitem nicht aus. Dann waren weitere chronische Überlastungen der Verantwortungsbewussten in diesen Strukturen unausweichlich. Sollten wir hier einspringen? Hatten wir es mit einem Subventionsjunkie zu tun? Würden wir dann weiteren Stoff liefern? Würde das notwendige weitere Therapie auf Systemebene hinauszögern? Wäre das –gut gemeint- ein Bärendienst?
Wahrscheinlich könnten nur viel härtere Einschnitte die Voraussetzung schaffen, dass Nachhaltigkeit in dieser Einrichtung erreicht werden könnte. Auf dieser Basis könnte Unterstützung Einzelner Organisationsentwicklung fördern und nicht nur chronische Mängel kompensieren helfen. Eine neue Anschubinvestition könnte dann gerechtfertigt sein, selbst wenn dabei auch Lücken gefüllt werden, eine Art Methadon-Programm, sorgfältig kontrolliert und im Dienste neuer Lebenstüchtigkeit. Dann gerne auch Coaching. Allerdings blieben neben Personalentwicklungsmaßnahmen Organisationsentwicklung und Organisationskulturentwicklung entscheidend.
Doch Reformen sind schwierig, selbst wenn ihre Notwendigkeit klar ist. Wie kann man nach falschen Prinzipien entstandene Strukturen und eingeschliffene Kulturgewohnheiten umgestalten? Ist es nicht einfacher, solche Systeme abzuwickeln und neu zu bauen? Natürlich ist gut, dabei so viel wie möglich für weitere Verwendung zu erhalten oder zu recyceln. Und wäre es nicht besser, wenn andere woanders neu anfangen, um der Magie der Süchte und Gewohnheiten zu entrinnen? Klingt irgendwie hart. Und das von einem, der sich Entwicklung verschrieben hat. Aber kann man sich eben nicht auch übernehmen und deshalb -gut gemeint- Schlechtes tun? Müsste zum Repertoire nicht auch gehören, wenn für ein System die Zeit um ist? Erst Dekonstruktion, dann Neukonstruktion. „Manchen Systemen kann man nur dadurch helfen, dass man ihnen nicht hilft!“ (unbekannte Quelle)
Wenn eine Organisation, wenn eine veraltete Lösung der Evolution sterben muss, muss das kein Weltuntergang sein. Nur wenn man sich übermäßig damit identifiziert und sich vor anstehenden Umwälzungen fürchtet. Menschen untergehen zu lassen, wäre inhuman. Anhaftungen und Ansprüchlichkeiten untergehen lassen, weniger. Ist das nicht manchmal unumgänglich, wenn nicht noch größerer Schaden entstehen soll? Ist „Schrecken ohne Ende“ die humanere Lösung?
Alles keine neuen Überlegungen! Das gebe ich ja zu. Vielleicht geht es auch mehr um emotionale Verarbeitung, zumal die, denen man Hilfeleistung verweigert, nicht die sind, die für die Misere verantwortlich sind. Oft sind sie mehr Opfer und nur in geringem Maß Mittäter, haben sie nicht genügend Einblick in die Zusammenhänge und Einfluss auf die Stellgrößen. Daher macht es betroffen, wenn man zu dem Schluss kommt, dass ihr System so nicht entwicklungsfähig ist und man ihnen deshalb Ressourcen verweigert. Sie selbst sind verständlicherweise mehr identifiziert und spüren dies bei aller Vernunft als persönliche Botschaft. Ihnen ihr Ungemach zumuten, ist nicht einfach.
Tröstlich wäre, wenn man wüsste, dass nach dem Tod des bisherigen Systems etwas Neues, etwas Besseres aus den Trümmern erwachsen wird. Doch man muss sich eben auch dem Ende stellen, wenn es nichts als ein Ende ist. Keine leichte Lektion.
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