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Blog 57: Ausgebrannt? - Von Bernd Schmid 06.12.2010 |
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Da war ich wieder bei einer unserer Weiterbildungsgruppen eingeladen. Burnout sollte das Thema sein. Immer mehr fühlen sich erschöpft.
Von Burnout war dieses Jahr überhaupt oft die Rede, in den Professionellen-Gruppen, in Studien von Krankenkassen, auf Tagungen und in Internetforen. Sogar von Erschöpfung der westlichen Zivilisation war dieser Tage im Radio zu hören.
Arbeitsverdichtung, Beschleunigung, Multitasking und Dauerverfügbarkeit machen offenbar krank. Nicht alle! Und wer sich dabei voll im Saft fühlt, darf gerne ohne schlechtes Gewissen wirbeln. Doch ist Wachsamkeit angesagt. Man entwickelt vielleicht schleichend einen Lebensstil, der situativ beflügelt, aber längerfristig auslaugt. Besser bei Zeiten Umsicht walten lassen!
Vielleicht ist es wie beim Surfen. Endlich ist man über die Anfänge hinaus, schafft es auf die Welle und sich dort zuhalten. Warum sollte man jetzt verzichten? Da nimmt man noch dieses und jenes mit. Es macht ja auch wirklich Spaß. Man wagt sich weit hinaus. Dass sich dahinter Erschöpfung aufbaut, merkt man lange nicht. Auch nicht, wenn die Spielräume und die Kraft, die Balance zu halten weniger werden. Bei Übergängen ins Privatleben wird die Stimmungsbalance[2] schwieriger. Es knirscht in Beziehungen.
Würden Übermaß und aushöhlende Einseitigkeit sofort wehtun, würde man nicht so leicht Raubbau treiben. Doch sind Ursache und Wirkung so weit auseinander, dass die Zusammenhänge schwer zu erkennen sind. Wie soll man Begeisterung und Passion von Selbstausbeutung und Balanceverlust unterscheiden? Was müssen andere Beziehungen und Daseinsweisen bieten, um mitzuhalten? Und ehrlich gesagt, nerven die Verhältnisse und die eigene Unbeholfenheit dort. Mehr-von-demselben in Erfolgssphären ist einfacher. Das hat man drauf. Das Blöde daran: Ohne aktive Pflege, ohne frühzeitiges Aushalten ihrer banalen und reizarmen Seiten verkümmern vernachlässigte Lebensbereiche und verlieren erst recht ihren Reiz. Es ist verrückt, aber arbeiten geht meist dann noch, wenn die Seele für Leben schon zu müde ist. Es sei denn der Organismus zieht eben die Notbremse.
Man fühlt sich lieber von Notwendigkeit getrieben als zu Begehrlichkeiten zu stehen: „Das will ich mir auch noch reinziehen!“ SAD – selbstgenerierter Aktionsdruck! Parallelen zu Süchten sind nicht zu übersehen. Wenn am Suchtmittel nichts attraktiv wäre, würde man ja nicht rein rutschen. Nur: Der Ausweg, je später er gesucht wird, ist halt auch nicht ohne Verzicht zu machen. Und das ist nicht nur eine Frage von Einsicht und Motivation. Gewohnheit kann viel mächtiger sein[3]. Daher ist Entwöhnung angesagt. Nicht sehr prickelnd! Wer sich an mit Glutamat gepuschte Speisen gewöhnt hat, findet gesündere Kost auch erst mal fad. Entzug kann man allerdings auch verträglich gestalten, soll ja kein Bußgang werden. Dauert aber meist länger als man denkt. In der Burnout-Diskussion ist mir als Faustregel begegnet: der Weg heraus ist so lange wie der Weg rein.
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Blog 56: Geburtsanzeige - Von Bernd Schmid 01.12.2010 |
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Ich gebe die Geburt einer weiteren Identität bekannt. La Gomera den 15.11.2010 etwa 8Uhr. Es geschah unter der morgendlichen Dusche. Bei mir passiert so was gerne unter der Dusche oder sonst bei fließendem Wasser. „Ich bin ein Essayist“.
Schreibt man das überhaupt so? Ich muss noch nachsehen. Das Wort ist mir vor wenigen Wochen in einer Radiosendung begegnet. Ein Essay sei „ein Versuch über ...“, ein Text, der sich aus einer Anfangsidee entfaltet, ohne vorherigen Plan, ganz auf die Fügung des Augenblicks angewiesen. „Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema[1]“.
Bei der Frage, was ich bin, kam ich schon so oft ins Stottern. Was soll ich bloß in den Meldezettel des Hotels schreiben? Klar, früher Psychotherapeut, Supervisor, Lehrtherapeut. Welche Genugtuung hatte ich empfunden, als ich mich schließlich ohne Zögern so nennen konnte. Dann Organisationsberater/Coach und nachdem ich mal recht bedacht hatte, was ich wirklich meistens tat, Erwachsenenbildner. Schließlich traf dann Institutsleiter/Unternehmer besser, insbesondere nachdem ich selbst kaum noch lehrte oder beriet. Aber das musste man wieder jedem erklären. Ich bin ja nicht Leiter eines Massageinstituts oder Wurstfabrikant.
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