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Blog 52: Narzissmus und beseelende Kommunikation - Von Bernd Schmid 11.10.2010

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So ein Narzisst! Mit diesem Schmähwort bedenken wir leicht einen Menschen, der mit auffälliger Selbstverliebtheit die Welt mit sich beglückt oder sich an ihr bedient. Oder er ist im Übermaß mit sich selbst beschäftigt und läuft Gefahr, sich selbst zum Schosshündchen zu werden, wie Viktor Frankl das mal ausgedrückt hat.

Es soll ja eben zwei Arten von Narzissten geben: Der eine Narzisst will die Welt mit sich füllen. Der andere Narzisst will sich mit der Welt füllen.

Psychotherapeuten sagen, beide vermeiden das Wagnis aufrichtiger Begegnung, mit sich selbst und mit anderen. Und ohne Welt und Menschen als eigenständige Gegenüber sei Klärung, wer man für sich und andere sein kann, schwer möglich. Hier Motive, insbesondere Egoismus hervorzukehren, scheint mir dabei etwas kurz gegriffen und zielt eher auf Beschämung. Dass man selbst das Zentrum seines Universums ist, ist normal und genau genommen als Ausgangspunkt unvermeidlich, weil Wirklichkeit eben immer die des Subjekts ist. „Selbstlose“ Menschen, deren eigene Positionen und Eigeninteressen nicht zu erkennen sind, wecken eher mein Misstrauen. Und wer will schon unverbunden im Kosmos vor sich hinschweben ohne sich in bedeutsamen Welten und Beziehungen zu beheimaten, wenn er Alternativen verfügbar hat? Dafür braucht man Welten und Menschen darin, die man in ihrem Eigenwert gelten lassen kann, an denen man Maß nehmen mag, die einem was bedeuten und denen man was bedeutet.

Seelische Strebungen, uns die Welt einzuverleiben bzw. uns in ihr breit zu machen, sind sogar lebensnotwendig. Ohne sie fehlten entscheidende Impulse und  Dynamik in der Auseinandersetzung. Dennoch scheint es tauglichere und weniger taugliche Versuche zu geben. Von Abwehrmechanismen wird gesprochen, wenn solche Strebungen dazu dienen, schwer erträgliche Erfahrungen abzuwehren: Introjektion und Projektion. Allgemeiner konzipiert verlagert man bei der Introjektion nach innen, was draußen ist, und bei der Projektion nach draußen, was drinnen ist. Bei der Introjektion nimmt man andere Wirklichkeiten in sich auf und hält sie für eigen, vielleicht ohne kritischen Dialog, ohne zu prüfen, was passt und wer man dabei selbst sein kann. Bei der Projektion  platziert man alles draußen, auch die Bilder, die aus dem eigenen Projektor stammen, verklärt oder bekämpft sie dort. Persönlichkeitsentwicklung braucht aber den kritischen Dialog an der Grenze. Weg von Projektion und Introjektion meint sich der Welt gegenüber stellen, um zu begreifen, was draußen und was drinnen ist. Nur dann kann man sich förderlich darauf beziehen. Der Lohn ist Selbstfindung und Beziehungsfähigkeit.

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Blog 51: Laster und Talente - Von Bernd Schmid 08.09.2010

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„Wir sind immer die Ruine von gestern und die Baustelle für morgen; nie das fertige Haus!“[1]

Gift ist eine Frage der Dosis, sagt man. Jedes Talent wird zum Laster, wenn es nicht entwickelt ist oder zu dominant wird. Ob man die Laster, zu denen man neigt, ausmerzen soll, ist fraglich. Eher veredeln und richtig platzieren, denn es steckt vermutlich ein Talent darin. Aus Neurosen Charakter machen ist schon immer mein Wahlspruch gewesen.

Ich kam aus einer wenig sensiblen Familie, in der sich nie jemand für mein Innenleben oder gar Psychologie überhaupt interessiert hätte. Ich war also auch nicht erzogen, mit anderen mitzufühlen, nach dem Erleben und der Weltsicht anderer zu fragen, ja mich auch nur dafür zu interessieren. Nomen est omen: Schmid - der homo faber, der Werkzeugmacher. Ich wollte Probleme lösen, hatte auch schnell Lösungsideen und entwickelte gerne mentale Werkzeuge, Konzepte und Methoden aller Art. Dass diese nicht immer auf Gegenliebe stießen und ich nicht die erwartete Anerkennung erhielt, war eine frustrierende Tatsache, die zu verstehen mich mehr interessiert hätte, wenn ich nicht die damit bei mir aktivierten Minderwertigkeitsgefühle durch allerlei Rationalisierungen oder schlichtes Verdrängen hätte in Schach halten müssen.

In den frühen 1970er-Jahren  kam ich mit Gruppendynamik und Psychotherapie in Kontakt. Vielleicht als Kontrast zu meiner Herkunft und auf der Suche nach Ergänzung für meine holprigen Eigenarten war ich fasziniert und machte alle Moden psychologischer Ansätze, die in der Heidelberger Szene besonders bunt waren, mit. Mit diesen Psycho-Moden kamen eben auch manche alternativ-dogmatische Vorstellungen vom Menschen auf, die jedem übergestülpt werden sollten. Um mich von herrschenden Meinungen nicht vereinnahmen zu lassen,  konnte ich die Dickfelligkeit, die ich auf meinen Weg mitbekommen hatte, gut gebrauchen. Dennoch belastete mich mancher zuerst freundliche, dann massiver werdende Versuch, mich  mit intensiven Gefühlen und frühen Entbehrungen zwecks Störungsbeseitigung in Kontakt zu bringen.

Erlösung brachten mir dann eher positive Würdigungen, wie ich sie bei TA-Lehrern erfahren durfte. Bob Goulding, Fanita English, Jacqui Schiff, Mike Brown und Ruth McClendon fallen mir als Beispiele ein. Statt Erst wenn ... : First you are OK! Then you can develop!

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