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Blog 137: Gelingende Kommunikation - Von Bernd Schmid 27.10.2016 Drucken E-Mail

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Meine 3 K-Regel:
Gelingende Kommunikation braucht neben und für Selbst-Klärung und Bezogenheit zu anderen Kontent, Kontext und Kompetenz.


Als wie wichtig das Gelingen von Kommunikation eingeschätzt wird, konnte man an der enormen Resonanz auf eine Tagung mit obigem Titel an der Uni Köln ablesen[1].
 
Warum gelingt Kommunikation manchmal in wundersamer Vielschichtigkeit und scheitert ein andermal kläglich? Nun, manchmal treffen wir einfach nicht die richtige Ebene, finden nicht den richtigen Ton. Dann sind persönliche Klärungen und Verbesserungen bei Sender und Empfänger angesagt. Hierfür gibt es äußerst hilfreiche Konzepte wie etwa bei Schulz von Thun oder aus der Transaktionsanalyse.

Dennoch übte Graham Barnes[2] auf der europäischen TA-Konferenz schon 1986 radikal Kritik an den Konzepten der TA. Sinngemäß: Eine Kommunikationslehre, die Kontext und Inhalt und damit Bedeutungen über die kommunizierenden Menschen hinaus vernachlässigt, ist ein Torso ohne Zukunft. Hoppla!

Also nochmal zurück zu den Basics:
Kommunizieren heißt „teilhaben lassen“ dient also der Herstellung und Pflege von Gemeinschaft, von geteilter Wirklichkeit (shared reality). Und jeder weiß, dass das durch korrektes Absetzen und Empfangen von Botschaften allein nicht unbedingt gut gelingt, auch dann nicht, wenn dabei der Mensch authentisch rüberkommt. Plötzlich offenbart sich, dass man nicht in einer gemeinsamen Wirklichkeit unterwegs ist und daher so auch wenig gemeinsam gestalten kann.

Hierzu ein Beispiel von der Tagung: Kollegen meinten, dass Ratschläge in der Beratung problematisch seien, weil sie Ansichten überstülpten und die Gefahr bestünde, dass der Beratene in seiner Irritation und Verletzbarkeit zu solchen Fremdwirklichkeiten greifen könne und dies dem eigentlichen Ziel persönlicher Autonomie abträglich sei. Da waren wir nun gar nicht beieinander, denn ich hatte mich ausdrücklich für das Einbeziehen von Ratgeben stark gemacht. Aber eine Kommunikationsstörung auf der psychologisch deutbaren Ebene hatten wir nicht, da persönlich bestes Einvernehmen bestand.

Was klärte?

Auf der Kontent-Ebene: Wir hatten offenbar verschiedene Bilder zum Verhalten und zu Haltungen beim Rat geben. Ich meinte nicht plumpe Empfehlung, sondern Anliegen-orientiertes Anbieten von Lösungsideen und Vorgehensweisen, mit der sich der Beratene prüfend auseinandersetzen kann. Dann können komplexe Figuren abgeglichen werden, kann übernommen, abgeändert oder verworfen werden, ohne dass der Beratene selbst eine komplette Lösung konstruieren können muss. Was aus der Erfahrung anderer zu berücksichtigen sein könnte, zeigt sich in ihren Impulsen zu Ratschlägen. Dies kann im zweiten Schritt herausgearbeitet werden.

Auf der Kontext-Ebene: Ich sprach nicht aus der Wirklichkeit von Psychotherapie, in der vielen Selbstspüren und Selbstfindung oberstes Gebot ist, in der vielleicht labile Persönlichkeiten geneigt sind, Berater-Wirklichkeiten als Krücke zu verwenden. Ich sprach von kollegialer Beratung in professionellen Fortbildungen, in denen von hinreichender Lernfähigkeit und Autonomie ausgegangen werden kann. Ratschläge können hier Perspektiven öffnen, die der Beratene für das Feld noch gar nicht in Betracht gezogen und daher durch Selbst- oder Beziehungsklärung auch nicht finden kann.

Auf der Kompetenz-Ebene: Selbstklärung und angemessene Beziehungsgestaltung sind eine Frage der Kompetenz jedes Einzelnen und der kommunizierenden Gemeinschaft. Hierzu gehören gut geordnete Wissensbestände und verständliche Versprachlichung von Wissen, Rollen- und Aufgabenklarheit , komplementäre Prozessgestaltung und kompetente Selbststeuerung darin. Dies geht über die psychologisch günstige Bezogenheit der Beteiligten untereinander weit hinaus und bietet mehr Chancen, zum Gelingen von Kommunikation für Aufgabenbewältigung und Kulturentwicklung in der Komplexität von Organisationen und in der Gesellschaft beizutragen.

Wird Kommunikation als Pflege von Gemeinschafts-Wirklichkeit auf privat-persönliche Bezogenheit reduziert, bleibt fraglich, was man gemeinsam darüber hinaus bewirken kann. Und wie oft führen Kompetenz-Mängel von Einzelnen und Gemeinschaften bei Kontent- und Kontext-Berücksichtigung zu problematischem Erleben, Verhalten und Beziehungen, was dann „psychologische Reparatur“ braucht? Privat-persönliche Kommunikationskonzepte müssen daher dringend um die Dimensionen Kontent, Kontext und Kompetenz ergänzt werden, wenn Kommunikation gesellschaftlich relevant und nachhaltig gelingen soll.

 
 
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Kommentare zu diesem Blog

Herr Mathis Martin


Lieber Bernd,

die von Dir beschriebene Erweiterung des Themas gefällt mir gut. Die Haltung, die Du von den Kollegen bei der Tagung beschreibst (á la moralinsaurem und plakativem „Ratschläge sind auch Schläge“) ist mir ebenfalls schon vielfach begegnet, - und ich finde das Einbeziehen von Ratgeben für gelingende Beratung auf Augenhöhe wirklich wichtig.
Mich überrascht zuweilen, wie leicht und selbstverständlich in der beschriebenen Haltung auf unreflektierte und unmerkliche Weise Klienten klein und schwach gemacht werden, indem ihnen implizit die Fähigkeit und Kraft abgesprochen werden, sich gegen ungeeignete Ratschläge zu wehren. Insofern finde ich ein plakatives „Ratschläge vorenthalten ist wie unterlassene Hilfeleistung“ eine durchaus attraktives und erfrischendes Gegengewicht zu obiger Verkürzung. – Und beide plakativen Polarisierungen beinhalten jeweils sowohl ein Körnchen „Wahres“ als auch „Falsches“.

Erst im geeigneten Kontext gut dosiert eingesetzt entsteht oder vergeht deren Sinnhaftigkeit. Erst mit Blick auf den Kontent, den Inhalt, das Anliegen, lässt sich erkunden und verstehen, wie viel oder wenig Ratgeben gerade hilfreich sein könnte. Und erst mit der Kompetenz, einen Rat klar und kraftvoll anzubieten, und im nächsten Augenblick frei und ungekränkt davon abzulassen, wenn er nicht auf fruchtbaren Boden fällt, kann es gelingen, irgendwo zwischen dem gegebenen Rat und der beim Ratsuchenden ankommenden Botschaft gemeinsam etwas Hilfreiches zu finden.

Frau Birgit Minor


Guten Morgen, lieber Bernd,
 
du sprichst mir gerade aus der Seele mit deinen Zeilen. Es geht doch immer wieder um Differenzierung. Da springt einer auf der Oberfläche auf eine Formulierung (ein Satz, ein Wort, ein Blick) und meint, alles verstanden zu haben. Und blendet Zusammenhang, Intension und Haltung aus…
Ich habe gerade eine Teamentwicklung mit Menschen, die einen eher niedrigen Reifegrad bezogen auf Kommunikation / Selbstkenntnis / Reflexionsfähigkeit haben. Was die untereinander anrichten ist schon nahezu grotesk. Und jeder fühlt sich im Recht und schlägt um sich. Echt anstrengend!
 
Herzliche Grüße


Frau Irma Hollinga

Lieber Bernd,

Tolle, weise Ergänzung wie man Kommunikation  reflektieren kann. Wirklich eine Erweiterung bestehender Modelle. Hat mich sehr inspiriert.

Diese 3 Ks hat man oft zu wenig im Blick
Ich habe es mir jetzt eingeprägt.
Kontent: überprüfen der Bilder im Kopf - was heißt für dich....
Kontext: mit welcher Perspektive, in welchem Umfeld siehst du das.....
Kompetenz: wie erfahren ist man im Thema, welche Erfahrungen hast du mit....

Vor allem in der Auftragsklärungsphase und zB bei Integration von Firmen wäre das ein gutes Modell. Obwohl es auf den 3 Ebenen (persönlich, Gruppen und Organisationen) gut passt ! Könnte mir ein Schaubild vorstellen das sehr gut dem ISB Methodenkoffer ergänzt. In meinem Koffer habe ich es jetzt schon reingenommen.

Liebe Grüße


Herr Nikolai Warth

Lieber Bernd,

Danke für den Newsletter. Erneut eine Offenbarung und ein schönes Puzzlestück für meine Perspektive auf Kommunikation.

Ich geniesse diese Form des “Abriebs“ von dir. Danke für dein teilen, weitergeben und investieren.

Liebe Grüsse


Herr Wolfram Jokisch


Lieber Bend,

hab herzlichen Dank für diese Differenzierungen bezogen auf gelingende Kommunikation am Beispiel "Rat geben". (...)
Alles Liebe
 
 
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