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Blog 94: Zeitqualitäten - Von Bernd Schmid 22.02.2013 Drucken E-Mail
   
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Zeit hat nicht nur ein Maß, sondern auch eine Qualität.

Jeder kann mit „blaue Stunde“ etwas verbinden. Irgendwie geht es um Entspannung, Auflockerung und Muße[1]. Wir können also fragen, welche Qualitäten die Zeiten jeweils haben, die sich zu unserem Leben addieren. Wie wir unsere Zeit verbringen, sollte mit unseren Bedürfnissen nach bestimmten Qualitäten und unseren Neigungen und Talenten, sie zu leben, verbunden sein. Ein guter Mix von Zeitqualitäten hält lebendig. Ein Mangel an notwendigen oder gewünschten Zeitqualitäten kann Entwicklung behindern und das Leben verflachen lassen.
 
Jeder kann für sich identifizieren, welche Qualitäten er lebt, bzw. welche Mischungen ihm Lebendigkeit, Selbstgefühl und Selbstwirksamkeit ermöglichen. Davon ist viel auch im Berufsleben und jeden Tag möglich. Z.B. ist ein wichtiger Faktor von Lebendigkeit im Beruf (und damit ein Mittel gegen Burnout und Boreout), dass die Rollen und Tätigkeiten stimmige Zeitqualitäten erlauben. Jeder Einzelne sollte die Kunst erlernen, die möglichen Zeitqualitäten bei den beruflichen Tätigkeiten zu leben.
 
Bei Überlegungen, welches hier die wichtigsten Qualitäten sind, fallen mir drei ein. Ich möchte sie umschreiben als Routine, Innovation und Caring:
 
ROUTINE
Die Dinge wiederholen sich. Man fühlt sich vertraut, kennt die Art von Situationen und Abläufen, weiß im Prinzip, was zu tun ist und woran man sich dabei orientieren kann. Man hat mit Inhalten und Menschen zu tun, die man vom Typ her kennt. Man kann quasi auf Autopilot schalten. Das kann von einfachen Verwaltungsvorgängen bis zu durchaus komplexen Tätigkeiten reichen. Sie sind aber mit gewohnheitsmäßig verfügbaren Kompetenzen zu gestalten, einschließlich gewohnheitsmäßiger Intuition und Kreativität. Es geht darum, eingeführte Wirklichkeiten in bleibender Qualität wiederholt zu inszenieren.


INNOVATION
Ungewohntes steht an. Routine reicht nicht aus. Neues muss entwickelt werden, sei es, dass Vertrautes in so bisher nicht dagewesener Weise kombiniert werden muss oder gar „auf der grünen Wiese“ etwas ganz Neues entstehen soll. Was und wie ist mehr oder weniger unbestimmt. Dem hohen Orientierungsbedarf stehen wenige oder unsichere Orientierungsmöglichkeiten gegenüber. Bei aller Unsicherheit muss Drive entwickelt werden, was zu probieren, Piloten zu inszenieren, Neuentwicklungen voranzubringen, sich selbst und andere zu beseelen und in Schwung zu halten. Letztlich sollte eine gelungene Erstaufführung neuer Inszenierungen herauskommen.


CARING
Die Voraussetzungen für Gestaltung sind zu pflegen. Dazu muss man sich „aus dem laufenden Betrieb lösen“. Abstand zu Bewältigung und Ergebnisdruck entstehen lassen. Sich neu organisieren, zu neuen Ansätzen, Inspiration und Empfänglichkeit finden. Dabei können körperliche und seelische Erholung jeder Art Ordnung neu herstellen oder Erneuerung durch bereichernde Erfahrung und schöpferisches Lernen im Vordergrund stehen. Es geht um Systempflege. Oft heißt das zunächst schlicht Abschalten oder Aufräumen. Aber auch Auflockerung und Hinwendung zu vernachlässigten Bedürfnissen sind für Selbstfürsorge wichtig, z.B. sich für neue Erfahrungen und einem neuen Selbstverständnis öffnen. Dabei darf man experimentieren, zwischen freien Ideen und Realisierungsmöglichkeiten, zwischen Bauchgefühl und Herausarbeiten. Man darf zwischen offener Suche und eingrenzender Verdichtung mäandern, für sich und mit anderen dialogisch lernen.
 
Bei gewünschter Optimierung entsteht eine Spannung. Dem Ideal der (einseitigen) Vollkommenheit als erstrebenswerte Lebensmaxime steht die Vervollständigung (die ganze Vielfalt) gegenüber. Der ganze Mensch ist nicht der vollkommene, sondern der vollständige Mensch. Er erschließt sich das Menschsein dadurch, dass er sich auf ein weites Spektrum menschlicher Wirklichkeiten zu beziehen lernt.
 
Jetzt fällt mir auch ein, dass meine verehrte Lehrerin Fanita English[2] immer wieder ganz ähnlich mit drei Trieben und deren dynamischem Gleichgewicht experimentiert hat[3].
 
Farben
Als Metapher für Zeitqualitäten kann man Farben heranziehen, also z.B. eine akut empfundene Zeitqualität als Farbqualität eines Bildes beschreiben.
 
Die Lebens-Kollage solcher Bilder sollte wesentliche Farben und in guter Mischung enthalten. Hierbei stehen zwei Maxime in Spannung: die Brillanz und Dominanz bestimmter Farben einerseits und Schattierungen aus dem gesamten Farbspektrum andererseits.
Qualitäten lassen sich gut durch Farben ausdrücken[4]:
Welche Farben könnten für diese Perspektiven stehen? Wie wäre es damit?
 
Braun für Routine
Braun ist die Erde, fruchtbar, manchmal mühsam, öde oder auch schmutzig. Man möchte sich davon reinigen, von der Schwere loskommen. Doch sie trägt einen auch, liefert, was man materiell zum Leben braucht.
Braun ist eine Sekundärfarbe mit mehr Abstufungen und Varianten als alle anderen Farben und steht für Bodenständigkeit und Geborgenheit und Herkunftsbezug.
 
Gelb für Innovation
Gelb erscheint uns die Sonne, Quelle aller Evolution. Aber auch das Kerzenlicht, das im Dunkeln Räume eröffnet, ist gelb. Gelb als Inbegriff von Energie und Fortschritt im menschlichen Spektrum. Gelb ist neben Blau und Rot eine der Primärfarben. Oft verehrt als lebensspendend steht es für Entfaltung und Unternehmungslust. Schmutziges Gelb auch für Überheblichkeit und Habgier.
 
Blau für Caring
Blau ist das Meer, aus dem alles Leben kommt. Der blaue Planet gilt als sensibler einzigartiger Lebensraum. Die Ozeane, in ihrer Unendlichkeit kaum erforscht. Heute als überstrapazierte Brutstätte der Evolution selbst pflegebedürftig.
Ein blauer Himmel steht in unseren Breiten für schönes Wetter, Unbeschwertheit und Erholung. Blau steht für Muße, Vertrauen, Verlässlichkeit, Verbundenheit, Intuition und Kommunikation.
 
Natürlich sind diese Einteilungen nicht zwingend und jeder kann seine persönliche Version entwickeln. Dabei kann dieselbe Situation für den einen Routine und für den anderen Innovation sein. Aber man könnte sie verwenden, um über die Zeitqualitäten von Tätigkeiten und Rollen zu sinnieren. Dabei können den konkreten Wirklichkeiten alle drei Qualitäten zu Teilen zugeordnet werden. Oder man kann in Farbmischungen, Kombinationen und ähnliches denken. Muss eine bestimmte Tätigkeit diese Färbung, diese Kombination oder Mischung aufweisen oder könnte man die Zeitqualitäten dabei verändern? Stimmt das gelebte Portfolio so? Trägt es zur Gesundheit, zur Leistungsfähigkeit, zur Selbstfindung und Selbsterneuerung bei? Trägt meine Zeit die richtigen Farben? Kann ich, können andere was tun?


[1] Muße – Wikipedia
[2] http://www.fanita-english.com/fanita  
[3] Fanita English z.B. postuliert drei grundlegende Triebe – Überlebenstrieb, Schöpfungstrieb und Ruhetrieb http://de.wikipedia.org/wiki/Fanita_English
[4]http://www.mara-thoene.de/html/farbensymbolik.html, http://www.life-institut.ch/Farben.htm  

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