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Blog 115: Konfrontation - Von Bernd Schmid 25.09.2014 Drucken E-Mail

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Kleine Variante der Weltverbesserung: Menschen/Situationen etwas besser behandeln als es sich anbietet!

Da ballert jemand mit verletzenden Kommentaren um sich. Da nervt jemand durch Ignoranz, maßlose Selbstdarstellung oder Ansprüchlichkeit. Da steckt jemand ein, was geht, kümmert sich aber einen Dreck darum, ob auch andere zu ihrem Recht kommen. Da gibt jemand auf „seiner Ebene“ den Gutmenschen, behandelt aber, vermeintlich unbeobachtet, andere wie Lakaien. Da putzt sich jemand heraus, hinterlässt aber Hinterbühnen seiner Auftritte desolat. Da legt es jemand auf Blendung und Betrug geradezu an. Knoblauch-Typen. Die anderen haben das Problem. Bernhard Trenkle unterscheidet sie von Zwiebel-Typen, die selbst Bauchrumoren haben.

Kraftvolle Einladungen in eine negative Beziehungsdynamik. Ungezogenheiten, die einen wenig geneigt machen, konstruktiv zu reagieren. Naheliegend stattdessen: Ausgrenzen! Oder: auf den groben Klotz einen groben Keil! Oder Leerlaufen lassen. Warum soll man sich Mühe machen? Oder: "Solange einer dafür bezahlt, hat er das Recht ein Ar..... zu sein", propagiert eine Verkaufstrainerin. Hat er das? Nein! hat er nicht, zumindest dort nicht, wo ich betroffen bin oder gar für Beziehungskultur mit Verantwortung trage. Sollte man dieses „Recht“ kaufen können? Zumindest will ich mich an Prostitution solcher Art nicht beteiligen und dies auch niemandem zumuten.

Aber mit welchem Recht messe ich andere an meinen Vorstellungen von Anstand? Ist das nicht anmaßend? Wo bleibt da die Toleranz? Aber zur Wahrung meiner Integrität darf ich mich doch wohl verteidigen, Verhältnisse korrigieren, Fehlverhalten zumindest klar markieren, oder? Wenn der andere dabei eine schlechte Figur macht, hat der sich das selbst zuzuschreiben. Soll ich bei mieser Anmache stillhalten und mich oder die meinen anpinkeln lassen, ohne etwas dagegen zu tun?

Doch wie reagieren, ohne ins Fahrwasser zu geraten, aus dem ich raus will? Wie schnell spielt man, zwar irgendwie berechtigt aber doch unglücklich mit in einem Spiel, das man so eigentlich nicht gespielt haben will? Aber wie sich wehren, ohne hineinzugeraten? Vieles, was zunächst wie ein Befreiungsversuch aussieht, zieht mich durch sich eskalierende Reaktion und Gegenreaktion doch am Ende genau dort rein. Was nützt es dann, dass ich es anders gewollt habe?

Ist ignorieren eine Lösung? Leerlaufen lassen, weil jede Reaktion dem unguten Spiel Aufmerksamkeit zuführt, die es nicht verdient? Sich wegducken, dem Schicksal seinen Lauf lassen? Just give him enough rope to hang himself! riet mir ein Supervisor vor Jahrzehnten. Das war erstmal eine Entlastung von der Vorstellung, mich heldenhaft aller Schlechtigkeit therapeutisch entgegenstellen zu müssen. Wer sich  in der Gruppe danebenbenimmt, kriegt irgendwann Klassenkeile.
Doch wenn nicht, weil er zu gewieft, zu skrupellos, zu mächtig ist? Wen trifft es dann statt meiner? Kann der sich besser wehren? Wo fangen Unterlassungssünden an? Muss ich mich nicht doch als der Kräftigere hier stellen? Vielleicht sucht der andere in der Begegnung etwas Wichtiges, wenn auch auf verquere Weise und wahrscheinlich bei den Falschen. Vielleicht weiß er sein Anliegen nicht besser vorzutragen. Muss er ohne Resonanz nicht resignieren oder eine Schippe drauflegen? Nicht reagieren kann also unterlassene Hilfeleistung sein. Aber kann ich überhaupt konstruktiv konfrontieren, solange ich „angekratzt“ bin, im Modus der Empörung oder Selbstverteidigung? Wahrscheinlich nicht. Also erst mal Arbeit an mir selbst.

Reaction without reacting heißt der erste Schritt der Übung. Pause statt Aktion. Nach außen „spontan“ reagieren, bedeutet meist, sich im ausgelegten Netz verfangen. Stattdessen wahrnehmen, wie man reagieren würde und überlegen wie die Szene, in die man damit geriete, angelegt und motiviert sein könnte. Soziale Diagnose nennt man das in der Transaktionsanalyse.[1] Dann überlegen, wie eine alternative Inszenierung aussehen könnte, die sowohl eigene Bedürfnisse gut versorgt als auch den anderen einlädt, auf Pfade der Tugend zurückzukehren. Dann etwas ruhen lassen, weil erfahrungsgemäß erst in mehreren „Überarbeitungswellen“ eine echte Positivversion entwickelt werden kann.

Eine Konfrontation versucht, eine konstruktive Einladung formuliert zu haben, gibt einem selbst die Würde zurück und dem anderen eine Chance. Das bepinkelte Bein wird wieder sauber. Manchmal reicht dafür schon die Arbeit an sich selbst. Persönliche Konfrontation zu wagen kann aufregend sein und Mut erfordern. Zumal man nicht in der Hand hat, ob man den anderen erreicht. Dennoch Maß und Geduld wahren. Manchmal wirkt Konfrontation erst mit Verzögerung. Und wenn nichts hilft, bleibt immer noch die Rückzugsposition eines buddhistisch orientierten Freundes: Sein Karma!

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Transaktionsanalyse  


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Kommentare zu diesem Blog

Herr Bernhard Trenkle

Lieber Bernd

zum Thema Knoblauch und Zwiebel-Typen hast Du mich zitiert.

Die Idee stammt ursprünglich vom amerikanischen Arzt und Psychotherapeut Nicholas Cummings. Er hat dieses verblüffende
"Diagnosesystem" erfunden und ich hab in meinem Buch nur darauf hingewiesen.

Er unterscheidet zwischen Knoblauchpatienten und Zwiebelpatienten. Wenn man Zwiebeln schneidet, dann tränen einem die Augen. Wenn man Zwiebeln isst, dann stößt es einem vielleicht noch Stunden später auf. Also – wenn man mit Zwiebeln zu tun hat, dann leidet man selbst.
Wen man Knoblauch isst, dann merkt man selbst gar nichts. Da leiden die Anderen. Die Zwiebelpatienten leiden an ihrem Leid und die Knoblauchpatient lassen die Anderen an ihrem Leid leiden. Cummings hat dann einen
einfachen Grundsatz: Behandle in einer Therapie oder Beratung die Knoblauchaspekte vor den Zwiebelaspekten.

Cummings, unterdessen rund 90 Jahre alt, ist ein visionären Denker. Er hat in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts prognostiziert, dass die nächste Industrialisierungswelle die Industrialisierung der Dienstleistungen seien.
Er hat damals gewarnt, dass das Feld der Medizin und Psychotherapie dazu gehören wird und die Ärzte und Psychologen aufpassen müssen, dass die BWLer ihnen nicht das Geschäft aus der Hand nehmen. Die Warnung hat wohl nichts gefruchtet. Wenn man heute in viele Kliniken kommt,
dann steht auf den Tafeln oft ganz oben "Verwaltungsdirektor Herr xy... und dann weiter unten dürfen auch noch die Chefärzte aufgeführt werden.

Obwohl ich selbst Diplomwirtschaftsingenieur und Diplompsychologe bin habe ich nicht den Eindruck, dass das eine gesunde Entwicklung einer Gesellschaft ist.

 
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