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Blog 104: Dialog mit Großen - Von Bernd Schmid 20.11.2013 Drucken E-Mail


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Warum soll ich nicht innerlich mit den Großen Dialog halten? Ich will deren Ideen und Lebensweisen studieren, auch um in Bezug auf mich Maß zu nehmen. Dass ich deshalb nicht in ihrer Liga spiele, weiß ich selber. Aber die Fragen sind oft durchaus die gleichen, wenn auch vielleicht Antworten für mich auf einem anderen Niveau oder für andere Lebensfelder zu suchen sind. Wenn ich das recht verstanden habe, sollen Christen doch die Nachfolge Jesu antreten und jeder Buddhist sollte danach streben selbst ein Buddha zu werden. Studieren wie das für mich gehen kann, im Vergleich, heißt doch nicht, sich hochstaplerisch mit diesen Vorbildern gleichzusetzen. 

Zur Zeit höre[1] ich Goethe – Kunstwerk des Lebens[2]. Rüdiger Safranski bringt einmal mehr in bewundernswerter Weise das Portrait eines Lebens und eines daraus entstandenen Werks lebendig nahe. Dies ging mir schon bei Ähnlichem über Nietzsche und Schiller[3] so. So kann auch ich, eigentlich nie klassisch gebildet oder auch nur wirklich bildungsbeflissen, echt profitieren.

Goethe, für mich früher eher ein Denkmal als ein Mensch aus Fleisch und Blut. Mir fallen salbungsvolle Sonntagsreden ein und ich verband Goethe vage mit einigen Werken, die mir in der Schule nicht wirklich nahe gekommen sind. Und jetzt erfahre ich so Vieles, was mir vorstellbar macht, woraus er geschöpft, womit er gerungen hat. Ich kann innerlich Dialog halten, erkenne so viele Fragen, die auch mich bewegen.

Ein bisschen was von Faust kannte ich, und habe mich z.B. schon mal mit seinem Vorspiel auf dem Theater beschäftigt[4], weil mir die Parallelen zu unserer Arbeit aufgefallen sind. Kein Wunder, war doch Goethe auch Unternehmer, z.B. Theaterdirektor in Weimar oder Mitherausgeber von Zeitschriften mit Umsatzproblemen.

Spannend überhaupt die biographische Einbettung seines Werkes.

So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das Volksbuch vom Dr. Faust kennen. In seiner Heimatstadt Frankfurt erlebte er die Enthauptung einer jungen Frau mit. Sie hatte ihren Säugling getötet. Gretchen lässt grüßen. Ein ganzes langes Leben arbeitete er am Faust, ließ ihn immer wieder viele Jahre lang liegen, bastelte mal an diesem mal an einem anderen Fragment. Ich erhalte durch diese Biographie eine Werkseinführung, die mir mehr Zugang interessant und leicht macht. Soviel wird nebenbei zitiert, dass ich auch ohne weitergehendes Studium profitiere.

Irgendwie ist spannend zu erfahren, dass Goethe Jurist war und mit seinem Vater, ebenfalls Jurist, eine Zeitlang eine gemeinsame Kanzlei betrieben hat. Oder Goethe soll in den adeligen Kreisen immer etwas steif gewirkt haben. Bewunderte die eleganten Umgangsweisen im Adel und blieb vom Milieu her doch Bürger. Oder musste er genau an dieser Spannungslinie bleiben, um trotz wirtschaftlicher Unabhängigkeit ein so gewaltiges Werk hervorzubringen?

Und die berühmten Reisen nach Italien, für ihn Flucht aus Erstarrung und unliebsamer Bindung, Gelegenheit zu sexueller Befreiung und Selbstfindung als Künstler. Dabei ist er den Spuren seines Vaters gefolgt. Sein einziges überlebendes Kind, sein Sohn, starb Jahrzehnte später beim Versuch, durch eine Italienreise der Depression und dem Alkohol zu entfliehen. Lösungsmuster über drei Generationen. Und doch wie verschieden.

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