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Blog 42: Fortschritt? - Von Bernd Schmid 23.02.10 |
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Das Älterwerden bringt wohl so mit sich, dass man immer öfter glaubt, sich schon auszukennen. Das hat ja auch etwas Beruhigendes. Man kann sich manchen Holzweg sparen, muss nicht mehr überall dabei sein. Und auf „des Kaisers neue Kleider“ hat man schon lange keine Lust mehr.
Aber öde wird es schon, wenn man sich auch nicht mehr so leicht berühren und begeistern lassen kann, z.B., wenn jüngere Menschen voller Stolz und Fortschrittsbeseeltheit etwas präsentieren. Mit fortschreitendem Alter wird wohl nicht nur der Körper etwas müde, sondern auch die Seele. Das ist frustrierend, für einen selbst und für die Jüngeren, die keinen abgestumpften sondern lebendigen Älteren begegnen wollen. Da muss man wohl was für tun. Denn mich strapaziert ja auch, wenn ältere Menschen (in diesem Falle 75+) glauben, alles schon zu kennen. Frustrierend, wenn sie meine Beiträge mehr als Stichwort für eine Konservenlieferung aus ihrem reichen Vorrat nutzen, anstatt mal nachzufragen, was mich dabei bewegt. Will ich so werden?
Und irgendwie ist das Gefühl nicht völlig unberechtigt, dass sich die Welt weiterdreht und unsere Zeit neue Fragen hat. Vielleicht nicht grundsätzlich, aber auch bekannte Fragen müssen neu beantwortet werden. Auf jeden Fall würde ich gerne auf Aufgeschlossenheit und lebendiges Interesse für Fortschrittliches stoßen.
Doch fällt es mir selbst schwer, konservative Sprüche und Kopfschütteln zu unterdrücken, wenn ich z.B. Radfahrer sehe, mit Rucksack, weil man ja keine Gepäckträger mehr hat, selbst nass bei Regen und wilde Fontänen sprühend, weil man ja keine Schutzbleche mehr hat oder einen durch Warnrufe aus nächster Nähe erschrecken, weil Fahrradklingeln offenbar out sind. Wo ist da der Fortschritt?
Zu Fortschritt fällt mir eine Begebenheit ein.
Es war in den 1960er Jahren. Eine 15 jährige fand ihre Zimmereinrichtung viel zu bürgerlich-konservativ. Etwas Fortschrittliches musste her. Weg mit dem Mief des Althergebrachten! Also erstmal das Sofa raus. Schließlich konnte man auf dem Boden viel besser sitzen. Nach einiger Zeit war das selbst für einen so jungen Körper ein bisschen zu hart. Also Matratzen! Zunächst auf den Boden, dann, weil man nicht nur frei sitzen wollte und die Wand doch auch hart und etwas kalt war, dann auch im Rücken. Das war es doch! Für eine ganze Zeit! Schließlich fand ich sie sinnend vor den Matratzen stehen: Wenn das Ganze jetzt einen halben Meter höher wäre, dann wäre es so richtig bequem.
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