Blog 45: Unternehmertum im Blut? - Von Bernd Schmid 14.04.2010
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Ich bin seit annähernd 40 Jahren freiberuflich tätig. Die wenigen Male, in denen ich mich auch als Angestellter versucht habe, gingen gut, solange ich eigene Ideen recht freizügig verfolgen konnte, z.B. als Leiter von volkswirtschaftlichen Tutorenprogrammen an der Uni Mannheim, in der Gründungsphase der heutigen Fachhochschule der Bundesagentur für Arbeit oder schließlich als Studentenberater an der Universität Heidelberg.
Gänzlich zum Freiberufler wurde ich durch eine Sturzgeburt. Ich bat den Kanzler der Uni Heidelberg 1979 um zwei Wochen unbezahlten Urlaub. Ich wollte Milton Erickson noch erleben und hatte die Chance an einem Seminar in Phoenix/Arizona teilzunehmen[1]. Als mir dies zu meiner Verblüffung nicht gewährt wurde (man wollte unsere Psychoorientierung eindämmen), kündigte ich spontan.
In den Jahren danach habe ich KollegInnen und Freunde immer wieder ermutigt, ihren eigenen Ideen und Berufungen zu folgen, eher Freiheiten als Abhängigkeiten wahrzunehmen, eventuell sich selbstständig zu machen. Viele spielten auch gerne mit solchen Gedanken, beließen es aber doch bei Festanstellungen. Manche hatten sich bewusst für einen gebotenen Rahmen, für stabile Beziehungen, für gesicherte finanzielle Verhältnisse und manchen Komfort durch Zugehörigkeit, für Spezialistentum ohne Gesamtverantwortung etc. entschieden. Dies überraschte mich zwar öfter, überzeugte aber irgendwie seelisch. Andere kamen nicht mit sich und der Welt ins Reine bzw. mit ihrer Wahl, dem Risiko und dem Preis, die mit der jeweiligen Alternative verbunden waren.
Mit der Zeit lernte ich, dass Menschen eben auch die richtige „Blutgruppe“ für Selbstständigkeit und Unternehmertum brauchen und durchaus intuitiv richtig dagegen entschieden haben. Das Berufsleben als Freiberufler ist eben deutlich anders als das eines Angestellten und wem das seelisch nicht liegt, der tut gut daran, Risiken und Chancen zu wählen, die für ihn passen. Erstaunlicherweise gibt es im Feld für solche Klärungen kaum spezifische Angebote, die eine professionelle und seelische Beurteilung integrieren[2].
In den letzten Jahren habe ich oft Freiberufler beraten, die gerne mehr als Unternehmer tätig werden wollten. Anlass war meist das Bedürfnis nach Nutzung der eigenen Erfahrungen oder Marktpositionen für ein Unternehmereinkommen, das Entlastung und neue Freiheiten bieten sollte. Obwohl dies aus meiner Sicht oft durchaus Chancen gehabt hätte, haben letztlich wenige diese Entwicklung vollzogen. Warum? Manche wollten den Identitäts- und Tätigkeitswechsel, der für sie damit verbunden gewesen wäre, nicht vollziehen. Für eigene Unternehmensentwicklung nach innen und außen war dann doch zu wenig Engagement. Oder erforderliche Eignung, Einsatz, Zeit und Passion dafür wurden völlig unterschätzt.
In der Hoffnung, dass es dennoch irgendwie ginge, wurden oft problematische Kompromisse versucht, wurden Büros und Websites eingerichtet, wurden Menschen engagiert, die es richten sollten oder Partnerschaften eingegangen, in denen jeder auf jeweils den anderen hoffte. Oft wurde nicht genau hingesehen, ob wirklich Mehrwert zu erwarten ist, ja die nötigen Ausstattungen dann überhaupt an Bord wären. Das Misslingen solcher Kompromisse hat viele Menschen Geld, Kraft und Selbstwert gekostet. Freundschaften und berufliche Kooperationen sind daran zerbrochen. Letztlich haben Unternehmen ohne bejahtes und ausgefülltes Unternehmertum wenig Chancen und können Freiberufler nicht wirklich entlasten.
Doch einige waren als Unternehmer erfolgreich. Dies kann lange Jahre erfüllend, wenn auch Kräftezehrend sein. Und was kommt dann? Wer schon lange „den Karren gezogen hat“ sucht dann vielleicht nach Entlastung bzw. neuem Engagement. Kompetenz, Lebensvollzug und Identität, die angestrebt werden, könnte man unter dem Begriff Investor zusammenfassen. Ein Investor braucht auch Kompetenzen und Ressourcen aller Art, aber noch mehr Urteilsvermögen, wie Ressourcen und Talente zusammenzuziehen sind, wer mit wem mit welchen Perspektiven zu vernetzen ist. Richtig positioniert, will und muss er selbst den Karren kaum ziehen. Wie ein Magnet initiiert und stabilisiert er ein Kraftfeld, in dem sich Engagement anderer entwickeln kann, bietet Ideen, Autorität und Vertrauen, damit sich Dinge und Menschen miteinander verbinden.
Gleichzeitig soll das Geschaffene erhalten, ja weiterentwickelt werden. Aus durch Unternehmerpersönlichkeit gesteuerter Organisation müsste ein Organismus mit eigener Lebensfähigkeit werden. Oft genug misslingen hier Experimente. Man realisiert zwar mittlerweile, wieviel Vorbereitung, Engagement und Sorgfalt größere Umstellungen z.B. im IT-Bereich bedeuten, lernt aber nur schwer, dass die Anforderungen im Bereich Unternehmensentwicklung und Unternehmenskulturentwicklungen eher noch höher zu veranschlagen sind[3]. Meist wird unterschätzt, welches Wissen, wieviel Zeit und Engagement auch für solche persönlichen und unternehmerischen Übergänge nötig sind. Wenn Entwicklungen spät oder unbedacht eingeleitet werden, sind leicht Spielräume verbraucht, bevor der Übergang auf gute Weise geschafft ist. Fast jeder kennt Beispiele aus dem eigenen Umfeld. Es schmerzt zu erleben, wieviel in dieser Phase wieder verspielt wird.
Professionelle sollten also frühzeitig mit sich zu Rate gehen und ihre Neigungen, Kompetenzen und Gestaltungskräfte kalkulieren. Es braucht auch für diese Berufslebensphase Lernbereitschaft. Und es braucht die Passion, nicht in erster Linie Geld zu verdienen, sondern etwas Schöpferisches und der Gesellschaft Nützliches entstehen zu lassen. Etwas, das es so vorher nicht gab und das hoffentlich weiterleben wird.
Soweit Stichworte, die zum Reflektieren über sich selbst anregen sollen. Solchen Perspektiven konzeptionell und didaktisch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wäre wohl für viele engagierte Professionelle ein echter Gewinn. Es ist noch viel zu tun. Gerne lerne ich von weiteren Erfahrungen und Beispielen.
[1]Ein Transskript dieses Seminars ist als Taschenbuch veröffentlicht: "Meine Stimme begleitet Sie überall hin." Ein Lehrseminar mit Milton H. Erickson (Konzepte der Humanwissenschaften, ISBN 978-3-608-95015-1) von Jeffrey K. Zeig (Herausgeber) (Ich bin darin der Siegfried.)
[2]Am ISB z.B. das Einzelseminar Karrierecoaching. Näheres unter diesem Link.
[3]mehr dazu in B. Schmid und Susanne Meyer: "Plädoyer für eine durch Kultur gesteuerte Organisation", zum Download unter diesem Link.
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Kommentare zum Blog:
Frau Nicole Weis
Hi Bernd,
das sind wirklich interessante Unterscheidungen, besonders die zwischen Unternehmer und Investor erlebe ich als bewusstseinsbildend und bereichernd!
Da brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit, um herauszufinden mit welchen Identitäten ich gerade meine Spielfelder gestalte bzw. noch gestalten möchte: Wahrscheinlich bin mit einer Multi(plen:-))-Identität, also einer, auf die Lebensphase bezogenen, Gleichzeitigkeit bzw. Zusammenschau unterschiedlicher Identitäten unterwegs und nenne die Rolle dafür 'Beraterin'. Einerseits schafft diese Multi-Identität erweiterte und neue Spielräume andererseits auch neue Ambivalenzen, z.B. zwischen Zeitinvest und -kapazität oder zwischen Werte-Prioritäten. Also auch hier gilt mal wieder: kein Nutzen ohne Kosten. Auch in anderen Lebensbereichen und -rollen erlebe ich solche Ambivalenzen und Widersprüche. Ein lösungsdienlicher Umgang damit ist m.E. sie soweit zu integrieren, dass ich nicht zu ihrem Spielball werde und mich darin verstricke bzw. in/zwischen ihnen stecken bleibe - ein Ausblenden der Ambivalenzen funktioniert auch nur zeitweise und mit zunehmend hohem Spieleinsatz. - Kennst Du solche Erfahrungen? Wie gehst Du damit um?
dazu Bernd Schmid
Liebe Nicole!
Ich habe da wenig Zerrissenheit erlebt. Ich habe alles zu seiner Zeit und dann mit ganzer Intensität gemacht. Wenn ich weiter wollte, habe ich das so frühzeitig in die Wege geleitet, dass für die Übergänge Zeit war. Derzeit bin ich im Wandel zum Investor. Als älterer Mensch würde man doch am liebsten mit Lebenserfahrung und Aura beitragen, ohne dauernd zu schieben.
Herr Ludwig Kannicht
Einen Unternehmer klar von einem Freiberufler zu trennen, fand ich interessant. Für mich waren die Begriffe bislang eng verwandt. Ein Freiberufler ist immer Unternehmer in eigener Sache. Manchmal beschäftigt er weitere, dann ist er Unternehmer. Neu also: Mach einem Freiberufler mag das unternehmerische nicht liegen und dennoch gehört er nicht unbedingt in eine Organisation. Habe ich Dich da richtig verstanden?
Ich selbst sehe mich nicht als jemand der in einer Organisation verhaftet und mit dem Sprung in die Selbstständigkeit (oder ins Unternehmertum?) hadert. Eher umgekehrt, ich entdecke immer wieder mein Interesse an der Selbstständigkeit und bin mir ungewiss ob ich dem einfach nachgehen soll oder ob nicht am Anfang des Berufsleben eine Organisaton meinen Horizont viel besser erweitert.
dazu Bernd Schmid
Lieber Lu!
Heute haben Professionen und Tätigkeiten zunehmend unternehmerische Dimensionen, doch ein Freiberufler macht i.d.R. selbst die Arbeit, vervielfältigt und verlängert sich durch Kooperation mit anderen, ohne eine Unternehmensstruktur auszubauen und sein Persönlichkeitsprofil und Selbstverständnis im Wesentlichen zu ändern. Da steht dann der Sprung zum Unternehmer an, der dann auch bessere Chancen auf Unternehmereinkommen unter Entlastung der eigenen Lieferungen an Kunden.
Was Deine persönliche Frage betrifft, habe ich keine bestimmte Meinung. Ich habe schon alle Varianten erlebt.
Du kannst pragmatisch experimentieren und jeweils das Passendere tun.
Herr Fritz Horsthemke
Lieber Herr Schmid,
Sie haben mir aus der Seele geschrieben. Ich habe in meiner Lebensgeschichte ähnlich entdeckt, zum grossen Teil am eigenen Leib. Einige meiner Träume haben sich in Luft aufgelöst oder haben sehr viel gekostet. Und gerade die These, dass man dann oft nach anderen sucht, die es richten sollen, kann ich nur bestätigen und schliesse mich ein. Ich bewegte mich an der Schwelle zwischen Freiberufler und Unternehmer. Den Sprung in das Unternehmertum habe ich noch nicht geschafft. Den Wunsch habe ich noch nicht aufgegeben. Mittlerweile denke ich, es müssen viele Komponenten zusammengefügt werden. Die Idee und das Wissen ist eines, die Energie und Verantwortung ein anderes.
Ein Spruch meiner Oma aus Österreich hierzu begleitet mich schon mein Leben lang. "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott." Ich bin nicht gläubig, aber ich habe für mich festgestellt, nur wenn ich auf mich vertraue und es anpacke, dann fangen andere wirklich an mich zu unterstützen. Wollte ich meinen Traum auf den Kräften anderer aufbauen, weil ich es mir nicht zutraue, ist es nie etwas geworden. Als Unternehmer muss ich selbst vorangehen, bis eine tragfähige Kultur entstanden ist.
Herr Norbert Hildebrandt
Lieber Bernd,
Dein Blog heute hat mich sehr berührt - vor allem, da ich gerade eine Phase der Reduzierung von Bühnen vorgenommen habe und vornehme, über die wir bei unserem letzten Treffen in Wiesloch auch gesprochen haben. Leider war ich dann doch zu langsam und habe mir einen beidseitigen Tinnitus eingefangen. Mittlerweile habe ich die Anzahl meiner Bühnen noch mehr reduziert und das Sirren im Ohr ist leiser geworden. Familie und Beziehung sind in dieser Phase eine stützende Freude für mich!
Zudem haben wir ja damals bei Dir noch Entspannungsübungen gelernt, die mir super helfen, wenn ich mich auf etwas konzentrieren muss und Kraft brauche, oder wenn ich einschlafen will. So gesehen, arbeite ich "normal" auf den wenigen Bühnen, die ich mir gelassen habe, und die absolut notwendig sind, um unsere Unternehmen am Laufen zu halten.
Aus diesem Grunde möchte ich Dir ganz herzlich für Deinen ganzheitlich-systemischen Ansatz danken, mit dem Du uns ausgebildet hast! Die Entspannungsübungen und Traumfeldbegehungen hatte ich damals eher aus Interesse, als aus Überzeugung mitgemacht - und mich schon damals gewundert, wie gut das alles tut! Heute ist das für mich ein absolut notwendiges Werkzeug, um mit den täglichen Anforderungen fertig zu werden - und ich will noch besser werden, noch mehr bei mir sein auch in meiner Unternehmerrolle.
Toll wäre gewesen, wenn ich mir früher klargemacht hätte, dass ich nicht jeden Tag ohne Rücksicht Energie aus meinem Körper holen kann und der sich nachts (unter Umständen auch nur in 3 oder 4 Stunden) schon von selbst regeneriert! Vielleicht ist ein Training sinnvoll mit, natürlich unter Anderem, der Bewusstmachung des eigenen Kräftehaushalts und der Puffer und Reserven, die man immer haben und für sich schützen sollte. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie man mir mit 35 oder 40 Jahren diese Idee hätte näherbringen können - vielleicht als Management-Tool: "Ich selbst sitze bewusst am Drehregler meiner Kraft". Ich habe in meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten viel mit Studenten und Unternehmensgründern zu tun und sehe da eher Verschlimmerungen im Vergleich zu meiner Zeit damals.
In Teilen unserer Firmen bin ich jetzt auf dem Investorenplatz, so wie Du ihn beschreibst. Das ist übrigens nicht weniger spannend oder erfüllend - hatte ich nur nicht so gesehen! Allerdings braucht man auch besondere Nerven dafür, denn man lässt ja Andere zumindest zum Teil mit den eigenen Ressourcen hantieren. Deshalb stimme ich Dir voll zu, wenn Du auf die noch höhere Wichtigkeit von Unternehmenskultur hinweist, der ich mich als Erster unterzuordnen habe - als Vorbild für die Anderen, die auch folgen sollen.
Was Du so gar nicht beschreibst, ist das Thema Neid. Ich halte Neid grundsätzlich für einen sehr positiven menschlichen Antriebsfaktor. Da ich schon mit 35 Jahren sehr erfolgreich war, kenne ich das Gefühl, beneidet zu werden. Zunächst schmeichelte mir das Gefühl, beneidet zu werden. Mein Vater hatte mir während meines Studiums immer wieder gesagt, dass man sich den Neid Anderer hart erarbeiten muss. Neid äußert sich auf so vielen unterschiedlichen Ebenen - auch und gerade von schlauen Menschen, die für Unternehmertum aber schlicht zu faul, zu lasch oder zu ängstlich sind - oder dies gar nicht anstreben. Ganz toll finde ich heute versteckten Neid, der sich in leicht bis mittelprächtig überzogener fachlicher oder persönlicher Kritik äußert. Im europäischen Raum erlebe ich Neid eher als Endpunkt einer Verhaltenskette, ganz anders als zum Beispiel in Amerika. Dort neidet man auch, will es dem Beneideten dann aber mindestens gleichtun.
Du hast von Gestaltungskräften geschrieben. Je mehr wirtschaftliches Potenzial man hat, je intellektueller man in dieser Welt unterwegs ist, desto mehr Perspektiven, Ebenen und somit Möglichkeiten hat man in dieser Hinsicht. Meine Frau und ich haben immer unsere wirtschaftliche Situation dazu genutzt, zumindest um uns herum die Welt fairer, wärmer und optimistischer zu machen. Letztlich, langfristig nach über 20 Jahren Selbständigkeit mit immer mehr Mitarbeitern betrachtet, bekommen wir da viel mehr wieder, als wir geben. Meiner Tochter habe ich zum 18. Geburtstag ein Gedicht geschrieben. Eine Zeile davon lautet: "Alles, was Du gibst, kommt mehrfach zurück".
Was mir auch wichtig wäre, in diesem Kontext anzusprechen, ist das Thema Beherrschung von Komplexität. Nur ein Beispiel: Alle 10 Tage wird in Deutschland ein neues Gesetz erlassen. Die Woche eines Unternehmers begleiten etwa 1500 §§, zu deren Beachtung er verpflichtet ist. Tendenz steigend. Die Rechtsprechung ist gegenüber Unternehmern unerbittlich, dito die Steuerbehörden. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass hier schleichend Grenzen überschritten werden, die sich ein Unternehmensgründer für seine eigene Kraftaufwendung zu diesem Thema bei der Gründung gesetzt hatte. Was nun, wenn er nicht mehr kann? De facto hören in Deutschland jedes Jahr 40.000 Unternehmer auf, nur 20.000 gründen neu. Gerade Junggründer stellen die meisten neuen Mitarbeiter ein! Ich bin voller Achtung vor den jetzigen Neugründern, die Mitarbeiter einstellen!!! Volle wirtschaftliche Verantwortung für sich UND Andere zu übernehmen halte ich für eines unserer höchsten Kulturgüter!
Auch noch zu besprechen wäre perspektivunabhängig der Umgang mit dem eigenen Versagen. Meiner Meinung nach zeigt sich hier die wahre Seele der Mitmenschen in unserer Gesellschaft! Nichts ist doch interessanter als der Untergang eines Stars! Von den Firmen, die ich mit meiner Frau gegründet habe, sind mittlerweile nicht mehr alle da. Selbst wenn da kein Geld verloren und Niemand geschädigt wurde, kann sich niemand vorstellen, wie schmerzhaft so etwas ist, wie hart man zu sich selbst sein muss, wie sehr dann Selbstzweifel an einem nagen - eine Idee hat sich wirtschaftlich eben nicht getragen!
Bei all dem überwiegt für mich bei Weitem die Freude über die gedankliche Freiheit, meinen Intellekt fliegen lassen zu können. Aus Intuition Gefühle werden zu lassen, aus Gefühlen Gedanken, aus Gedanken Projekte und Konzepte, die dann in der Wirklichkeit umgesetzt werden. Es gibt für mich nichts Erfüllenderes.
Vielen Dank, Bernd,
Herr Josef Kurzweil
Kann die beschriebene Erkenntnis aus der Sichtweise eines Angestellten, der mit dem Umstieg ins Freiberufliche spekuliert hat – ihn dann aber nicht vollzogen hat – voll bestätigen. Bei mir war es eher eine Frage der Lebensqualität. Sozusagen nebenberuflich „Freiberufler“ zu sein. Da musste ich rasch einsehen, dass die Entscheidung nicht „sowohl als auch“, sondern „entweder oder“ lautet!
Aber ich konnte das Faszinierende und Verstörende am Unternehmertum zumindest ansatzweise schmecken ;-)