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Blog 71: Planvolles Leben - Von Bernd Schmid 04.11.2011 Drucken E-Mail

Hier wieder ein Blog nach längerer Pause. Ich mach das gerne. Nur....
Warum hat eigentlich keiner gefragt, wo das Blog bleibt???
 
Liebe, bislang schweigsamen Leser: Schreibt mir doch bitte ein paar Worte, ob meine Bloggeschichten Euch interessieren, ob und wann Ihr zum Lesen kommt und auch sonst, wie ihr dazu steht. Als Autor streut man so oft Samen in den Wind und erfährt dann nur gelegentlich oder zufällig, was eigentlich daraus geworden ist. Dann schon Erfreuliches. Aber vielleicht bekommt man andere Ansichten auch nicht zu hören. Also: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

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Life is what happens to you while you're busy making other plans. (John Lennon)
 
Das Siw-Prinzip sollte eigentlich jedem bekannt sein. Denn tatsächlich gestaltet sich ein großer Teil der Lebensvollzüge danach. ...... Nicht bekannt?
 
OK! Das Siw-Prinzip: Als wir vor fast 30 Jahren unsere Gartenwege pflastern ließen, war einer davon doch ziemlich krumm geraten. Ich sprach den befreundeten Maurermeister drauf an. Dieser kratzte sich am Kopf. Dann meinte er, da wäre nach dem Siw-Prinzip gearbeitet worden. Daraufhin kratzte ich mich am Kopf und fragte: Und was ist das für ein Prinzip? Er meinte spitzbübisch auf kurpfälzisch: So isch’s worre! (So ist es geworden!)
 
Zumindest er konnte dem Faktischen lakonisch Referenz erweisen. Ich neigte eher dazu, in der Antwort eine Verantwortungsvermeidung zu sehen. Wir haben den Weg im Garten so gelassen und ich denke oft an das Siw-Prinzip, wenn ich darauf gehe. Vielleicht sollten wir überhaupt bei der Wertung mancher Ergebnisse so genügsam sein wie mein Maurer und es damit bewenden lassen. Doch will auch ich Entwicklungen so gerne gut begründet und in eine Erfolgs-Story eingebettet sehen. Weil: Wenn uns Menschen etwas vom Tier unterscheidet, dann das Bedürfnis, unserem Leben Sinn zu verleihen, das Faktische in eine persönliche Story, einen Lebensmythos einzubinden. An unserer Lebenserzählung stricken wir Menschen überall, ob dies nun offiziell angesagt ist oder nicht. Was wird dabei nicht alles als Folge klugen Handelns oder als Frucht von Tugenden dargestellt. Gut, warum nicht, wenn eine schöne Story herauskommt.
 
Aber ein Problem entsteht vielleicht dann doch, wenn wir dadurch falsche Vorstellungen pflegen, wie sehr Leben Planungen folgt, und Maßstäbe aufstellen, wie man zu gutem Leben kommen kann. Wer sich danach richtet und doch nicht so recht zum Gewinner wird, zahlt doppelt: Erst wurde er irregeleitet, und dann muss sich er nun auch noch der Fehlplanung oder anderer Versäumnisse bezichtigen. Viel mehr als es Erfolgreichen selbst bewusst ist, beruhen gute Entwicklungen auch auf Fügungen, die mit vorheriger Planung herzlich wenig zu tun hatten. Gerade die mit glücklichen Händchen müssten vielleicht öfter hinzufügen: Ich hatte einfach auch Glück! Aus dieser Bescheidenheit heraus sind wir dann vielleicht auch bessere Vorbilder und großzügiger gegenüber denen, denen nicht soviel geglückt ist.
 

Manche haben eben mehr Talente, mehr Ausstrahlung und Fortune, sind zur rechten Zeit am rechten Ort. Höre ich da Einwände? „Ja schon, aber: Glück hat am Ende nur der Tüchtige.“ Stimmt nur halb, denn auch weniger Tüchtige fahren gut, wenn die Umstände günstig sind und viele Tüchtige haben eben kein Glück. Mich erschüttern Biographien, bei denen kompetente, kluge und passionierte Menschen scheitern, weil sie nicht in ihre Zeit passen. Z.B. habe ich dieser Tage erfahren, dass ein griechischer Arzt schon hundert Jahre vor Entdeckung der Heliobacter-Bakterien als Ursache von Magengeschwüren, herausgefunden hatte, dass Antibiotika helfen. Nicht nur, dass er in der Fachwelt kein Gehör fand, ihm soll per Gerichtsbeschluss die Behandlung von Magengeschwüren untersagt worden sein. Hat der Mann was falsch gemacht? Oder haben die, die schließlich den Nobel-Preis dafür bekamen soviel mehr richtig?
 
Wie viel Planung ist also gut und notwendig und wie viel trifft die Lebensbedürfnisse dann doch nicht? Auf der Suche nach einer Balance habe ich mir angewöhnt, so zeitnah wie möglich und nur so definitiv wie unbedingt notwendig zu planen. Das ist bei meinen doch überschaubaren Verhältnissen auch möglich. Heiner Geißler hat als eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des Schlichtungsprozesses zu Stuttgart 21 dringend angemahnt, dass öffentliche Planverfahren flexibilisiert werden müssen, um zwischenzeitliche Entwicklungen berücksichtigen zu können. Am anderen Ende der Skala möchte ich allerdings auch nicht der sich heute oft gegenseitig aufschaukelnden Unverbindlichkeit das Wort reden, die uns überdimensionalen Abstimmungsaufwand aufbürdet, obwohl jeder Einzelne sich dadurch Freiheitsgrade bewahren möchte. Es gilt ein Gleichgewicht zu finden, zwischen der Neigung, alles zu improvisieren und der gegenteiligen Neigung, Dinge viel zu weiträumig und grundsätzlich zu planen. Beides kostet Qualität oder zusätzliche Ressourcen, im einen Fall, weil man aus den Feuerwehraktionen nicht herauskommt und im anderen, weil man sich Bedingungen zementiert, obwohl bei mehr Lebensnähe, die Dinge dann doch anders und oft leichter zu beurteilen und zu gestalten sind.
 
Da fällt mir eine Erzählung meines Kollegen Rolf Balling ein. Wir gingen durch einen Park und er erläuterte mir, wie der Verlauf der Parkwege bestimmt worden sei. Die Landschaftsgärtner hätten ohne Wege überall Rasen angelegt und dann beobachtet, welche Wege sich die Menschen suchen. Dort hätten sie dann die Wege gebaut. Und wer kennt nicht die Gegenvariante? Verbotsschilder und Extrazäune sollen die Menschen von Ihren Wegen abhalten, nur weil an ihren Bedürfnissen vorbei geplant wurde.
 
Vielleicht nur eine Legende, doch könnten auch wir uns am Kopf kratzen und gelegentlich über unsere Art zu planen nachdenken.

 

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Kommentare zum Blog:

Frau Anita Waltera

Meine Tochter (18) arbeitet an den letzten Feinheiten ihrer Seminararbeit und lässt jetzt zum Ende hin das Siw Prinzip gelten. Wie beneide ich sie darum.
Ich muss sehr an mich halten, nicht dazwischenzufunken.
Mal sehen, wie es die Lehrerin sieht.

Eine begeisterte Leserin

Herr Uli Schmid

Auch Dein Blog "planvolles Leben" hat mir wieder sehr gut gefallen; vielen Dank dafür.
 
Die Rasen-Geschichte hat sich auf Anordnung des württembergischen Königs auf dem Stuttgarter Schlossplatz wie von Dir beschrieben tatsächlich so zugetragen. (Quelle: Stuttgart-Exkursion der Sektion Heilbronn des Schwäbischen Heimatbundes.)
 
Liebe Grüße

Herr Thomas Bebiolka

Dieser Satz in Ihrem Blog-Newsletter hat meine Mail an Sie ausgelöst:

"Mich erschüttern Biographien, bei denen kompetente, kluge und passionierte Menschen scheitern, weil sie nicht in ihre Zeit passen"

Hahnemann ging es so und mir geht es mit vielen meiner Projekt-Ideen auch so...ich bin - für deutsche Verhältnisse - der Zeit die kommen wird und muss, 20 Jahre voraus. An manchen Tagen fühlt es sich auf dem Zeitstrahl auch mehr an.
Geben Sie nicht auf. Ein Mann mit Ihrer Erfahrung...

mit herzlichen Grüßen

Thomas Bebiolka M.A.
Geschäftsführer Zukunftspioniere

Frau Claudia Haas

Und Sie haben, was Sie nicht ahnen konnten, mit diesem Beitrag in mein persönliches "Schwarze" getroffen stehe ich doch gerade vor einer solchen Entscheidung Planung oder Freiheit. Ich zähle mich zu den glücklichen Menschen und vertraue auf das Richtige im richtigen Moment. Aber alternativ könnte ich es doch mal mit dem SIW-Prinzip versuchen...

Herr Kay Patzwald

Zum Thema „Planvolles Leben“ habe ich vielleicht einen Ansatz beizutragen: Ich glaube man ist im Leben von einem ständigen Strom von Gelegenheiten umgeben. Wenn man planvoll vorgeht, schärft man die Sinne für bestimmte Gelegenheiten. Dadurch werden sie erst sichtbar. Sonst überläßt man es dem Zufall, ob man über eine „passende“ Gelegenheit stolpert.

Da ich eher zum planerischen Typ neige, nehme ich entsprechend den ersten Weg. Bisher bin ich gut damit gefahren. Ich fühle mich allerdings auch unwohl, wenn ich mein Leben (gefühlt) dem Schicksal überlasse. Mit dem „Zufallsprinzip“ habe ich entsprechend wenig Erfahrung.

Viele Grüße

Frau Daniela Mann

Ich überlege inwiefern meine eigene Planung sinnvoll ist?
Wo sollte ich es mehr laufen lassen?
Wo hilft mir nur ein Plan mein Ziel zu erreichen?
Diese Unterscheidung werde ich in den nächsten Wochen überdenken.

Und das Zitat hat mich wirklich angesprochen – ich kannte es, aber es war gut es wieder präsent zu haben.
Ich schreibe es jetzt auf ein großes Flipchart. Mhmmmm …

Mir war es wichtig, kurz zu antworten.
Bitte weiterwachen mit den Texten ja?

Herzliche Grüße aus Mainz sendet
Danny

Herr Marc Klawitter

Gerade in den letzten Monaten, während einer Motorradtour von Heidelberg nach Kapstadt habe ich die Erfahrung gemacht, wie ich trotz (oder gerade mit) meiner Planung bereits in Ägypten gescheitert bin und ich konnte beobachten wie sich mein Verhältnis dazu (von Land zu Land) im Verlauf der drei Reisemonate verändert hat.

Während meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger hatte ich unter anderem einen Einsatz in der ambulanten Pflege. Ich erinnere mich an eine Frau die alleine ein großes Haus bewohnte und mir bei jedem Hausbesuch erzählte, wie sie ihr Leben lang hart gearbeitet, ebenso lange auf Urlaub verzichtet hat und ihr Mann, kurz bevor die beiden das Haus beziehen wollten plötzlich verstarb.

In der Neurologie, auf der Schlaganfall- und Neurologischen Wachstation lag vor ca. einem halben Jahr ein Mann, der kurz vor Beginn des Rentenalters durch einen Schlaganfall zum Pflegefall wurde. Seinen Jahresurlaub hatte er sich aufgehoben um früher in Rente gehen zu können.

Ich erinnere mich wie mein Vater als ich Kind war immer gesagt hat, „wenn ich mal im Ruhestand bin, dann mach ich…“. 2003 war es dann soweit, der lang ersehnte Ruhestand kam, er selbst war nicht mehr der fitteste, dann wurde meine Mutter krank und verstarb 2009. Mein Vater hat Parkinson und Demenz, er kann seine damaligen Vorstellungen nicht mehr umsetzten.

Ich habe das Gefühl dass es viele Menschen für selbstverständlich halten (im Alter) gesund zu sein und ihre Lebensplanung oft weit darüber hinaus geht.

Herr Sebastian Droesler

Ich fuer meinen Teil geniesse gerade Deinen neuesten Beitrag mit pancakes und vietnamesischem Kaffee in meiner Wohnung in Hong Kong. Musste sehr schmunzeln ueber die Idee eine Wiese anzubieten und dann zu schauen, welche Laufwege die Menschen einschlagen, um dort die befestigten Wege anzulegen.
Hier in dieser Megacity, wo alles und alle nur Teil eines grossen Verkehrsgewusels sind (ihr wuerdet wohl Geruschtel sagen) frage ich mich oft, ob die Menschen eigentlich ein Ziel haben, wenn sie loslaufen. Manchmal erscheint es mir, als entscheideten viele erst unterwegs und als sei das Wichtigste "unterwegs zu sein" um bloss nicht in den trostlosen, fensterlosen, Wohnbunker zurueck zu muessen. Kein Ruhen, kein Angekommen sein. Abspulen um irgendwo weiter hinten die Zukunft zu erreichen.

Besten Dank fuer die Impulse

Frau Christiane Gerard

Zum Thema Plan und Planung schicke ich dir meine neuste Beobachtung: ich bin ja gerade in Berlin als Oma für meine 1 1/2 jährige Enkelin unterwegs. Ich bin total überrascht, dass offensichtlich so kleine Kinder schon absolut klare und genaue Pläne haben können. Neuropsychologisch erwartet man die sog. exekutiven Funktionen erst später (ca.Vorschulalter). Mieka hat genaue Vorstellungen, wie ihr Weg nach der Kita zu gehen hat. Und es ist nicht so, dass es immer der gleiche Weg ist, den sie “eingeplant” hat. Klar ist, dass sie auf den Spielplatz will. Aber offensichtlich bevorzugt sie mal den einen, mal den andern und wehe, man biegt in die falsche Richtung ab. Ich würde zu gerne wissen, wie in einem solchen doch noch sehr sprachlosen Gehirn kommuniziert wird.......Was ich damit auch sagen wollte,ist, dass das Planen in uns offensichtlich angelegt ist- unabhängig davon, wie erfolgreich wir mit dieser Fähigkeit umgehen.


Frau Antje Wilhein

Ganz oft schreibst Du über Themen und Anliegen, die auch mir gerade durch Kopf, Herz und Bauch gehen, so wie heute Abend. Gerade habe ich mit einer Freundin bei einem Glas Wein in der Kneipe über das Siw Prinzip gesprochen, ohne dass es mir bis jetzt überhaupt als solches bekannt gewesen wäre. Und damit meine Freundin auch weiß, über was wir uns heute eigentlich den ganzen Abend unterhalten haben, habe ich Deine Geschichte (wie schon des öfteren) auch gleich weitergeschickt.

Herr Patrick Schmid

Auch hier bei Deinem letzten Thema „Planvolles Leben“ spüre ich das Dilemma in unserem Job: Wir vermitteln ja im Projektmanagement sehr stark, wie wichtig es ist zu planen und was wo wie genau geplant werden sollte, damit es möglichst gut klappt. Andererseits wissen wir auch ganz genau, dass dies nur ein Teil des Erfolgs ist. Glück, Pech und Zufall spielen natürlich mit rein. Dagegen gibt es jedoch bei uns glücklicherweise das Risiko-Management, um ungewollte Effekte zu begrenzen und das Pech in den Griff zu bekommen. Mit dem Chancen-Management kann man sogar das Glück steigern!
Und trotzdem bleibt es mechanisch. Jeder der versucht ein Projekt bei dem Menschen beteiligt sind (und wo sind sie es nicht?) nur mit Methoden zu bearbeiten wird damit scheitern. Frei nach Brecht „Entwickle einen Plan … und mach dann noch ´nen zweiten Plan. Gehn tun sie beide nicht“. Neben dem Zufall liegt nach meiner Erfahrung auch viel an der Art und Weise, wie ich den Menschen begegne, wie ich mit ihnen umgehe, wie ich sie und ihre Anliegen ernst nehme und mit einbeziehe. Das heißt nicht zwangsläufig jeden Wunsch zu erfüllen. Aber sich mit den beteiligten oder betroffenen Menschen und ihren Interessen und Anliegen ernsthaft auseinander zu setzen. Das bedeutet manchmal einen Umweg, manchmal eine Verzögerung - aber es macht paradoxerweise insgesamt viele Dinge schneller und gleichzeitig verträglicher oder besser.
Was ich dabei neben dem Plan viel wichtiger finde ist das Ziel … und das Ziel hinter dem Ziel. Dies bleibt viel länger stabil als jeder Plan. Und es erlaubt bei allem planvollen Vorgehen eine gewisse Flexibilität. Für mich ist ein guter Plan, ein Plan der mitleben kann, sich entwickeln und sich anpassen kann ohne dass gleich alles über den Haufen geworfen wird, wenn eine Störung kommt. So ein Plan ist zwangsläufig unscharf und großzügiger – und auch menschlicher. Ich verwende hier im Seminar immer wieder einen Spruch von Dir „klar im Kopf – flexibel im Handeln“.

In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute, uns noch viele Blogs und sende Dir herzliche Grüße


Herr Hansi Rau

parallel dazu gibt es noch weitere Prinzipien:
'So isch's schun immer gwest'
oder aus SWR3: 'Frau Werwolf sagt, des ghert so'

Einerseits ist es natürlich so, dass man immer, wenn man etwas vorhat, einen Plan machen will oder muß, um das Ziel effektiv zu erreichen, aber andererseits ist es so, dass es immer Grenzen gibt, die einem eigentlich erst den Spielraum geben, in dem man agieren kann: Die Angst des Dichters vor dem weißen Blatt! oder des Malers. Das Blatt hat außer dem Rand erstmal keine Grenze, und um etwas zu erreichen muss man sich zuerst die Grenze setzen.

Bei viele Projekten werden so schon (von außen) Grenzen gesetzt.
Man kann sie negieren, in Frage stellen, oder innerhalb derer die Welt auf den Kopf stellen: Was daraus wird ist auf jeden Fall davon bestimmt, wie man mit der Grenze umgeht.

Aber Dir geht es ja um die Planung oder Planbarkeit.
Auch da gibt es Grenzen.

Wenn ich bedenke, wie stark mein Leben beeinflusst ist, von der Entscheidung, mit wem ich zusammenlebe (ich meine damit, sich in jemanden zu verlieben ist nicht planbar, auch die vorherigen Liebschaften waren echt und ehrlich und sind trotzdem zuende gegangen ..) denke ich, dass jeder sinnvolle Plan (außer seinen immanenten
Konsistenzen) immer noch so sein muss, dass er Grenzen setzt, die ich negieren oder in Frage stellen kann, oder innerhalb derer ich die Welt auf den Kopf stelle.

Ein sinnvoller Plan setzt mir Grenzen innerhalb der Belanglosigkeit und eröffnet Möglichkeiten, in den Grenzen zu agieren.
Über die Qualität des Plans ist damit noch nichts gesagt, aber ein Plan, der sich nicht ändern lässt, taugt nicht.

Liebe Grüße

Frau Michaela Gilhuber

Heut habe ich meine Gedanken zum Thema "Pläne" schweifen lassen. Mein erster Gedanke war: Ich mag Pläne. Es vergeht kein Tag, an dem ich mir nicht einen Plan mache, was wann wie zu tun ist. Vorne ein Kästchen zum Abhaken, hinten das to do. Und wie schön es ist, die Haken nach getaner Arbeit zu setzen! Dabei lerne ich aber auch jeden Tag aufs Neue: Mach deinen Plan nicht zu voll, sonst setzt sich eher der Frust über Nichtgeschafftes als die Freude über Geschafftes fest.
Kurzum, Pläne geben meinem Alltag Struktur und ein Feedback.
 
Eine andere Art von Plan ist der Lebensplan. Hier wird ein anderer Aspekt, eine andere Dimension angesprochen. Lebenspläne hängen mit Träumen zusammen und Lebensträume sind ein heikles Thema. Träume umfassen Fantasien, Ideale, Idealisiertes. Sachen und Umstände, die man sich wünscht, weil man denkt, sie machen einen glücklich. Und manchmal sind Träume Schäume, wie es so schön heißt. Seifenblasen, die - hoppladihopp - einfach zerplatzen.
Funktionierende Lebenspläne wünscht man sich und seinem Umfeld, auch wenn vermutlich nie wirklich genau das Anvisierte erreicht wird. In der Regel wird es Abstriche oder Abweichungen geben, zum Positiven wie zum Negativen, aber man ist auf dem Weg zu seinem Ziel mehr oder weniger geradlinig durchgekommen
Funktioniert der Lebensplan aber nicht, dann ist das eine ehrlich bittere Angelegenheit, die an die Substanz gehen kann und vieles, was dem Menschen wichtig erschien, infrage stellt. Woran lag es? War der Plan zu wenig durchdacht? War zu wenig Herzblut darin? Lag es an mir oder am System? Warum klappt es bei meinem Gegenüber, warum bei mir nicht, obwohl ich mehr dafür tue? War es das falsche Ziel für mich? Letzte Frage führt mich zu einer spannenden Beobachtung bei meinen (gescheiterten und funktionierenden) Lebensplänen: Das, was ich mir über alles gewünscht habe, wofür ich sehr viel getan habe, das hat nicht funktioniert. Anderes, was ich nicht wollte, was ich mir nicht gewünscht habe (obwohl es der eingeschlagene Weg vermutlich nahegelegt hat), kam wie von selbst, ohne großes Zutun, ohne Plan - und dann auch noch richtig gut und erfolgreich - nur eben auf Kosten des Traumes, der am Anfang stand. Die Frage nach dem Glücklichsein in dieser Situation ist wieder eine andere. Die Herausforderung liegt deshalb vielleicht nicht immer im Plan, sondern vielmehr darin das anzunehmen, was einem das Leben schenkt (oder auch nimmt).
 
Unabhängig davon wäre es schön, wenn hin und wieder ein Traumplan aufgeht, nicht um des Planes willen, sondern für die eigene Seele :-)
 
Und nochmal unabhängig davon bin ich dennoch ganz froh, dass die Lebensplanerei so seine Tücken hat. Jeder gescheiterte Plan hat mich, so glaube ich, einen Schritt weiter ins Leben geschickt, als es ein gelungener je vermocht hätte. So wird es zwar nicht einfacher, aber es bleibt spannender.
 
Das war mein kleiner Gedankenspaziergang zu Ihrem Blog - ich freue mich auf den nächsten!

Herr Rudolf Munde

Das Siw Prinzip hilft mir meinen Lebensweg und den meiner Kunden und Klienten besser zu verstehen und zu akzeptieren. Und auch ein krumm geratener Weg kann in der freundlichen Rückschau schön und voller Sinn sein.

Frau Gertrud Frauenberger

Was meine eigene Bilanz anlangt - ich feiere morgen meinen 64. Geburtstag, da wird frau etwas nachdenklich und melancholisch- tröstet mich heute das Siw-Prinzip!

P.S.: Die Geschichte von den kreativen Landschaftsgärtnern werde ich an unsere Stadtplanung weiterleiten.

Frau Bettina Trittmann

Zum Thema Planungsbalance fallen mir drei Dinge ein:

1.) Die Kölner Variante von "Siw":
- Ekek - Et kütt wie et kütt.
- Ehnijj - Et hat noch immer jut jegange!
Das sind dann die entspannten Ansätze VOR der Tat, während Siw ja eher den ex post-Ansatz betrifft.

2.) Den roten Faden in unserem Leben sehen wir meist erst in der Rückschau. Gibt es also einen Plan oder Sinn, den wir noch nicht überblicken, während wir unsere verschlungenen Wege gehen, sondern der sich erst im Nachhinein offenbart? Oder es gibt keinen Plan, aber wir können in (fast) allem einen Sinn sehen? Insofern stimme ich zu: Das Bedürfnis, unserem Leben Sinn zu verleihen, ist eine ganz treibende Kraft (nur?) bei uns Menschen! Aber unterscheidet uns das von anderen Lebewesen? Betrachte ich einen Bienenstock, bin ich nicht sicher ... ach, wenn sie doch reden könnten (denken die Bienen vielleicht auch ;-).

3.) Die gegenwärtigen Lebens- und Arbeitsumstände erfordern immer öfter frühe, strikte Planungen, um ungeplante Freiräume zu schaffen und zu schützen; so jedenfalls mein Gefühl. Ein "go with the flow" reißt uns immer öfter im Strom der Angebote, Aufforderungen und Ansprüche Anderer mit - da gilt es, ein ruhiges Ufer zu finden und absichtsvoll auszusteigen.

Danke für die Anregungen; ich freue mich auf weitere interessante Gedanken von Dir!

Herr Josef Kurzweil


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Die Geschichte/Legende mit den Parkwegen finde ich durchaus überlegenswert in Anbetracht der vielen – z.T. völlig abgehobenen – Change-Management –Tipps.

Herr Steffen Liebener

Planvoll leben und dennoch genug Freiraum für Planabweichung zu haben ist ein wunderbare Idee, in der Praxis und in mein Leben immer auch eine Gratwanderung. Es wird ja überall suggeriert “DU muss Dir Ziele setzen und einen Plan haben”. Ja sicher, nur darf ich mit Änderungen auch sorgsam, achtsam und wertschätzend umgehen und das finde ich eine spannende Sache. Wie Ihr Gärtner “So ist es geworden” und sich nicht darüber zu ärgern, dass es nicht so geworden ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Wie gesagt ein schönes Spannungsfeld und da ich als Coach, Berater und Trainer arbeite, habe ich es auch permanent mit diesen Erwartungen zu tun.
 
Danke für Ihre Denkanstösse
und beste Grüße aus Berlin

Herr Huber Kant

Deinen letzten Text über das „Siw-Prinzip“ habe ich an meine Frau weitergeleitet, was voraussichtlich nicht nur Schmunzeln auslösen wird. Sie wirft mir manchmal vor, dass ich mit meinem „Sig- Prinzip“ (so isch´s gworre, halt auf badisch),  mir nur bequeme Ausreden suchen würde. Dies wird sicherlich den Anlass hergeben, die zehn Minuten täglicher  Gesprächszeit, die ältere Ehepaare angeblich miteinander Reden, spannend zu füllen.

Herzliche Grüße


Frau Jutta Knecht

Hallo,

vielen Dank für den schönen Block, der passt so schön auf meine Situation. Mit dem "  Beides kostet Qualität oder zusätzliche Ressourcen, im einen Fall, weil man aus den Feuerwehraktionen nicht herauskommt" fiel mir mein eigenes Bild ein, daß ich immer beschreibe: Ich habe tausend Dippchen am Kochen und renne immer vom einen zum anderen um zu rühren und hin und wieder passiert es einfach, daß eines anbrennt, weil es einfach zu viele sind. Trotzdem ist es mir nicht gelungen, in der letzten Zeit, das eine oder andere Dippchen loszuwerden, es wollte eben nicht sein. Im Moment sieht es danach aus, als ändere sich etwas- mal sehen!
So ischs worre tut mir gut- in meinem gnadenlosen Perfektionismus.
Bei uns heest des aach: Es iss wie´s iss unn so isses.

Schöne Grüsse

Frau Marga Biebeler

Das Thema Ihres Blogs heute ist unendlich aufregend. Ich bin immer in diesem Zwiespalt. Planen oder nicht? Was ist meine Leistung an die Welt? Was werde ich denken, in 20 oder 30 Jahren? Habe ich mein Talent genutzt, vergeudet? Wer hat da was davon? Ist Leistung wichtig? Ist Sinn etwas, das ich in eine Werte-Skala einordnen kann? Überschätze ich mich? Kann ich überhaupt etwas, außer Philosophieren? Und das kann man kaum Bewerten.

Frau Martina Onorato

Auf meiner Website, die ich gerade gestalte, habe ich ein Motto von mir zitiert: „Plane gerade so viel, dass Du entspannt genug bist, mit dem Unvorhersehbaren kreativ umzugehen“
Nach Jahren der Erfahrung in der Finanzdienstleistungsbranche, im Projektmanagement und nun mit meinem Projekt Selbstständigkeit, aber auch Krankheit, Tod und Verlust in den letzten Jahren, meine ich von mir sagen zu können, dass ich demütig geworden bin in der Einschätzung dessen, was wir wirklich beeinflussen und damit planen können.
Oder andersrum: planen können wir  vieles, wenn wir nicht erwarten, dass es dann bitte genau so eintreten solle. Das „Siw“-Prinzip finde ich daher ein sehr lebensnahes, denn oft, wenn meine Planung nicht „funktionierte“, zeigte sich, dass das was stattdessen entstanden war, besser war – das Leben ist einfach oft schlauer – s. Weggestaltung im Park

Und seit ich kürzlich erfahren habe, dass lt. Karl Weick „Sinngebung in sozialen Systemen immer nachträglich“ erfolgt, fühle ich mich darin nur bestätigt..

Danke für Deine Gedanken und auf hoffentlich viele weitere Impulse von Dir

Herzliche Grüße aus Frankfurt!

Herr Carl-heinz Wopperer

Für die sogenannten "siw"  Methode, finde ich als Architekt soweit es das Bauen betrifft, Toleranz nicht angebracht.
Mein Eindruck ist, was das Beispiel mit dem "befreundeten" Gärtner betrifft, dass  dieser listige Kerl Ihre Reaktion gut eingeschätzt hat,sich nicht sehr bemüht hat und sie vor vollendete Tatsachen gestellt hat.
Deshalb laufen Sie jetzt seit 30 Jahren über diesen krummen Weg.Bei größeren Dimensionen spricht man dann gerne von der normativen Kraft des Faktischen. Ich kann Ihnen versichern mit einer solchen Haltung kann nichts von Qualität entstehen. Das sollte auch von Anfang an klar sein, denn das schöne, aber auch fatale beim Bauen ist ja, dass es wunderbar konkret wird.
Planen ist immer ein permanenter Prozess und eine gute Planungskultur vermeidet eine Fixierung auf starre Ziele, aber Modifizierungen sollten dann gemeinsam reflektiert werden und für alle Beteiligten transparent sein.
Dies als meine persönliche Anmerkung zur siw Haltung. Ich freue mich auf Ihren nächste Blog.

Herr Alfred Jahnen

Das angerissene Thema „natürliche Wegebildung“ ist mir auch aus ganz anderer Betrachtung bekannt. Ein ehemaliger Professor von mir an der Uni Stuttgart – ich bin von Haus aus Architekt und Städteplaner – führte „Sonderforschungen“. Die Erkenntnisse und Ergebnisse sind in folgendem, online verfügbaren Büchlein nachzusehen und lesen:

Laufspuren
von Klaus Humpert
http://www.edition-et.de/images/laufspuren.pdf

Darin finden sich so interessante Abschnitte wie:
Navigation als innerer Dialog „Wie suchen wir unseren Weg“

Viel Freude beim Schmökern und Erkennen. Ich freue mich schon auf ihren blog … 72

Herzlichen Gruß

Frau Katrin Elk

Ich finde wie planvoll ein Leben angegangen wird, ist auch stark gebunden an Lebensphasen. Während Schule und Studium, Berufsstart, Familiengründung, „Nestbau“ habe ich mich stark planend erlebt. Spätestens mit der Geburt der Kinder wurde (zuviel) Planung eher hinderlich. Die Kinder wollten sich einfach nicht an Planung halten ;-). Und ab der Lebensmitte wächst die Demut (Einsicht in die Notwendigkeit) und die Erkenntnis, dass einem manchmal Dinge zuwachsen ...

Herzliche Grüsse

Herr Michael Gerard

Ein Stichwort aus Deinem Lebensplanungs-Blog hallt besonders nach: Balance. Ich habe lange gebraucht, bis ich diesen sympathischen Begriff auch in die Basis meines Denkens und Handelns integrieren und ihm dadurch Wirksamkeit (nach innen und außen) geben konnte. Oder habe gar nicht ich da etwas bewusst integriert, sondern wurde ich allmählich zur Balance befähigt? Was Planung angeht, so bin ich heute in der glücklichen Lage, den Sinn meines Lebens nicht mehr im großen Entwurf 'planen' zu müssen und doch die Verantwortung als Herausforderung zu spüren, mich nicht im Unwesentlichen zu verlieren. Dieser 'balancierte' Zustand weitet oft den Blick und lässt Raum für Hinwendung zu bisher vernachlässigten Elementen in meinem Leben. Eine Erfahrung, die ich zunehmend als beglückend empfinde.

Frau Johanna Furgol

Life is what happens when you`re planning other things....so perfectly true.
 
Wie wundervoll dass das Leben voller Überraschungen steckt. Der Mensch würde sonst noch mehr Überheblich werden. Obwohl wir als kleine göttliche Wesen doch mit gestalten und steuern können ist das Netz voller Gestaltungsenergie auch mit  ein paar Milliarden Mitstreiter gefüllt, so dass Überkreuzungen von Wünschen doch in Fugungen kristallisieren die uns als erst Überraschend aber dann doch  später als magisch erscheinen. Es geht vielleicht dann doch wie die Asiaten schon lange lehren ...den Weg ist das Ziel.
 
Ein Wanderweg , liebevoll gestaltet ,nach den natürliche Gehwegen des Menschen, ist doch viel schöner und reizender als ein vorgegebene Weg unter Zwang und Verbot. Soll jeder Mensch  für sein Leben schöne Umwegen finden, um letztendlich zufrieden und gereift die gesammelte Erfahrungen in ein  duftende Garten zu genießen.
 
Bitte schreiben Sie weiter...es ist ein absolute Bereicherung für mich, sowie bestimmt für viele andere.

 
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ISB Schwäne