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Nun, jedem sind schon Sinnsprüche begegnet, die darauf hinweisen, dass das Weiche, Bewegliche gegenüber dem Harten, Starren auf Dauer Oberhand gewinnt. Das scheinbar Kontur- und Formlose Wasser ist ein Lebensentscheidendes Element, gerade wegen seiner Fähigkeit, sich überall einzupassen, alles zu durchdringen und sich zu wandeln. Soweit hoffnungsvoll, wenn man sich selbst am Starren aufreibt. Kann auch ärgerlich sein wenn man, wie wir zur Zeit mal wieder einen Leitungswasserschaden im Hause hat.
Der Grashalm ist stark gerade dadurch, dass es sich im Wind biegt. So ermutigen wir uns, wenn wir nicht standhalten können oder wollen. Solche philosophischen Gedanken trösten oder helfen zu verstehen, wie Leben zu Zivilisation steht. Erbaulich und den meisten eben auch schon vertraut! Und doch will ich da noch eigenes Erleben beitragen, eine Verwunderung, die mich schon mehrfach ergriffen hat. Vielleicht hat irgendeine Wissenschaft da auch Antworten und ich kenne sie bloß nicht.
Da treibt aus einer Betonplatte eines wenig genutzten Weinbergweges eine Pflanze oder wie jetzt wieder im Schlosshof eine kleine Nachtkerze aus dem Asphalt. Die Asphaltdecke ist mehrere Zentimeter dick. Ich sehe aber keine Lücke, durch die dieser Spross geschlüpft sein kann, sondern er scheint sich selbst den Weg gebahnt zu haben. Rund um die Austrittstelle ist der Asphalt ein wenig aufgewölbt wie man das von kriminaltechnischen Bildern von Durchschüssen kennt.
Wie kann das sein? Ich berühre vorsichtig mit dem Finger das grüne Blatt, den weichen Stängel und frage mich, wie das so Zarte das Harte durchdrungen haben soll.
Ich weiß nicht, ob es da einen sinnvollen Bezug gibt, aber da fällt mir eine andere Erfahrung ein.
Ich bin in einer Bildungsinstitution als Beirat tätig. Hier hemmen viele institutionelle Verkrustungen, Gewohnheiten und liebgewordene Privilegien den dringend notwendigen Durchbruch zu zeitgemäßer, lebendiger Bildung und erneuernden Prozessen. Irgendwie finden viele, dass sich ganz Neues Raum schaffen sollte und in Einzelgesprächen kann man neben dem so genannten Realismus auch Ideale und Träume der Menschen erfahren. Wenn man sich in Gremiensitzungen auf alle „Sachzwänge“ einlässt, drohen diese zarten Pflänzchen schnell zu ersticken. Bestenfalls suchen sie sich irgendwelche Nischen jenseits der Hauptwege.
Nu bin ich ja auch Unternehmer und nicht gerade Weltfremd unterwegs, aber ich finde mich in solchen Kontexten unversehens in der Träumerecke wieder. Ich habe mir erlaubt, meine Visionen wie Bildung in dieser und durch diese Institution geschehen könnte, aufzuschreiben und mitzuteilen, ohne den ganzen Ballst der Wenns und Abers. Nicht in der Erwartung einer schnellen Realisierung, aber in der Hoffnung, dass der Stern, dem Reformversuche folgen sollten, neu und heller leuchten könnte. Um dies zu markieren, habe ich Martin Luther Kings „ I have a dream!“ zitiert.
Es gab immerhin eine positive Reaktion von jemand, der auch eher aus einer Außenposition mitwirkt. Dann gab eine Kritik eines Hauptverantwortlichen der Institution, der darin offenbar nur Realitätsferne und implizite Kritik an Erreichtem sehen konnte. Sonst aber, und das verwundert mich am meisten: Schweigen! Kein Bezug darauf bei neuerlichen Treffen, nicht einmal in einem Nebensatz sozusagen als Empfangsbestätigung, wohl aber freundlicher Umgang als wäre nichts gewesen! Hätte ich mir eine peinliche Entgleisung geleistet, und wolle man mich freundlich vor einer Bloßstellung bewahren, wäre es vermutlich nicht anders.
Ich bin gespannt wie das weitergeht. Man lernt nie aus.
Vielleicht hat das wirklich keinen Bezug zu dieser Nachtkerze. Beide Erfahrungen sind mir halt zusammen in den Sinn gekommen.
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Reaktion von Frau Ingrid Singer-Rothöft:
Sehr geehrter Herr Schmid,
heute morgen habe ich angeregt durch das systemagazin von Tom
Levold und seinen Hinweis auf Ihren Artikel zur Intuition Ihre
Webseite gefunden. Offensichtlich intuitiv bin ich beim Blog "Das
Harte und das Weiche" gelandet.
Ihre Worte haben mich sehr angerührt, bestätigen sie doch meine
sehr persönlichen Erfahrungen in den Systemen Schule und Jugendhilfe.
Im System Schule habe war ich 15 Jahre als Schulsozialpädagogin mit
systemischen Ansatz tätig und konnte zusammen mit engagierten
Lehrerinnenkollegen dabei helfen, das ein oder andere alternative
Bildungs-Pflänzchen durch den harten Beton wachsen zu lassen.
Möglicherweise haben zu viele Verantwortliche dieses "Unkraut" zu
bedrohlich empfunden. Es ist Ihnen jedenfalls gelungen die
Pflänzchen gründlich wieder zu zertreten.
Konstruktive Gesprächsversuche dazu stießen und stoßen in und
außerhalb der Schule, beruflich und privat auf Schweigen und/oder
Ablehnung.
In meiner Abschlussarbeit zur Ausbildung als Familientherapeutin
habe ich versucht die Pflänzchen konzeptionell zu beschreiben und
war gespannt auf die Reaktionen der Schulleitung und der
Bezirksregierung . - Nun, es gab nur den Versuch des Schulleiters,
mich unter Druck zu setzen, diese Arbeit auf keinen Fall zu
veröffentlichen.
Jetzt bin ich seit einiger Zeit freiberuflich als Systemische
Therapeutin und Supervisorin, auch Lehrsupervisorin tätig. Hier
gelingt oft eine lebendige integrative "Bildungsarbeit", doch
sobald Schule und Jugendhilfe als System eine Rolle spielen, erlebe
ich die ganze Redundanz meiner Erfahrungen von Neuem.
Günter Engel, Gesamtschulleiter im Saarland hat soeben für seine
Abschlussarbeit zum Thema "Ansätze einer systemischen
Führungskultur in der Schulpraxis....." den Weinheimer Preis bekommen.
Ich stimme ihm voll zu, wenn er die Ursache für dieses Phänomen mit
Angst und Widerstand begründet.
Mein konstruktiv-lösungsorientierter Umgang mit dem "Was ist":
Menschen suchen und finden, die das Interesse haben, Ideen,
Energien und Kontakte kooperativ in alternative, integrative
Bildungsprojekte zu investieren.
Zur Zeit gibt es eine für mich hoffnungsvolle Zusammenarbeit mit
einem Jugendhilfeträger aus Düsseldorf, einem landwirtschaftlichen
Betrieb und Schulbauernhof in Westfalen und mir als Koordinatorin
eines Netzwerks systemischer Therapeutinnen und Supervisoren im
Raum Düsseldorf/Köln - www.syspernet.de, und ich versuche, meinen
weichen Kopf beharrlich durch alle harten Widerstände oben zu
behalten und empor zu strecken.
Es war mir intuitiv ein Bedürfnis, Ihnen einige Zeilen zu Ihrem
Blog zu schreiben und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Arbeit!
Mit herzlichen Grüßen
Inge Singer-Rothöft
Systemisch-integrative Therapeutin SG
Systemische Supervisorin SG
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