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Blog 12: Geniale Interventionen - Von Bernd Schmid 18.09.2008 |
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Es gibt den lockeren Spruch: Nur Mittelmäßige braucht Ordnung. Das Genie beherrscht das Chaos.
Beim morgendlichen Tennis ist mir dazu was deutlich geworden:
Ja, es gibt sie, die genialen Schläge, oft gerade aus der Bedrängnis heraus, wenn man sich aus Turbulenzen zu retten versucht. Wenn die Reflexe funktionieren und wenn man dann noch den Überraschungseffekt auf seiner Seite hat, kann man so immer wieder punkten. Doch macht so ein „Chaosmanagement“ den guten Spieler aus? Macht es Sinn, auf solche Genialitäten zu bauen, sich in ihnen zu üben? Stimmt dabei das Risiko und der situativ notwendige Kraftaufwand?
Woraus besteht ein gutes Spiel bei mir?
Es baut sich auf aus 50% Einstellung, 30% Positionierung und 20% saubere Grundschläge.
Wenn ich mich richtig innerlich einstelle, äußerlich rechtzeitig aktiv werde, habe ich Zeit, mich zu positionieren und die Bewegung des Gegenüber aus den Augenwinkeln zu taxieren und dann ohne Hektik zu schlagen So sind meine Chancen, Punkte zu machen über die Zeit am größten.
Positionierung:
Ich verwende meine Aufmerksamkeit darauf, meinen Einsatzort zu identifizieren und mich rechtzeitig und in der richtigen Haltung dorthin zu bewegen. Dazu studiere ich die Bewegung des Gegenüber vor und beim Schlagen. Sie verraten mir, wie und wohin wohl der Ball kommen wird. Ich werde weniger Fehler beim Schlagen machen und danach Spielraum haben, mich gleich wieder in eine flexible Ausgangsposition für die nächsten Spielzüge zu bringen.
Solide Grundschläge:
Gerade wenn ich Spielraum habe, versuche ich noch zu oft genial zu sein, was häufig zu selbstverschuldeten Fehlern führt. Hingegen ist es erstaunlich, welche Kraft und welcher Spielwitz mit einem überschaubaren Repertoire von solid beherrschten Grundschlägen entfaltet werden kann. Besonders Anfänger versuchen es mit zu viel Eifer und Genialität.
Einstellungen:
Also Positionierung vor Genialität der Schläge. Nun weiß ich das. Doch bin ich aus Lahmheit oft zu spät dran oder verfehle eine gute Position im Übereifer. Oder ich habe mich gut positioniert, lasse mich aber hinreißen aus Übermut lässig zu schlagen, was sich schnell in Leichtsinnsfehlern oder leichtes Spiel für den Gegenüber rächt.
Gute Positionierung braucht also die richtige Einstellung. Gelassenheit im Aufspielen oder beim Erwarten des gegnerischen Aufspiels. Aufmerksamkeit, die Orientierung auf das Spiel, auf den bevorstehenden Augenblick. Bereitschaft, kraftvoll und zielgerichtet zu agieren, ohne mir was bestimmtes vorzunehmen. Es kommt ohnehin oft anders und dann brauche ich unnötig Kraft, mich wieder umzustellen. Ich habe das mal absichtsarmes Engagement genannt.
Beständigkeit in Aufmerksamkeit und Engagement. Wenn ich zwischenrein zu sehr nachlasse, verschenke ich Spielräume, wenn ich zu früh triumphiere oder resigniere, dann nehme ich mir die Kraft.
Wenn ich gewinnen muss, habe ich es schwer. Wenn ich gewinnen will und darf, bleibe ich engagiert ohne verbiestert zu werden. Und schließlich kann man nicht immer vom Ergebnis her gewinnen, bezüglich der Freude am Spiel schon eher.
Manchmal vergesse ich das alles und versuche es aus unmöglichen Positionen mit Genialität. Klappt auch mal. Dann fühle ich mich toll. Aber öfter beherrscht das Chaos eher mich.
Vielleicht bin ich auch bloß nicht genial genug.
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