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Blog 21: Strohfeuer? - Von Bernd Schmid 22.01.2009 Drucken E-Mail
Lagerfeuer

Da waren wir gestern in einem Vortrag von Peter Spiegel. Er stellte uns den Geist und die weltweiten Aktivitäten von Genisis http://www.genisis-institute.org/ vor.

Die unkonventionellen Ideen und Projekte von Muhammad Yunus und seinen Mitstreitern begeistern und es gibt Hoffnung, dass es dafür einen Friedensnobelpreis gab.

So vieles, was zu Wirtschaften, gesellschaftlicher Verantwortung und Bildung gesagt wurde, spricht uns aus dem Herzen. Z.B., dass wir Schluss machen müssen, mit der „Almosenmentalität“, mit der wir den „Verlierern“ unseres gegenwärtigen Weltwirtschaftssystems begegnen, sondern sie in Ihrer Würde als selbstverantwortliche Wirtschaftspartner stärken und natürlich strangulierende Bedingungen für deren eigenes Wirtschaften beseitigen müssen.

Bedenkenswert auch die Aussage, dass traditionelle Banker von der Mitwirkung an den Kleinkreditsystemen ausgeschlossen sind, weil es zu aufwendig ist, ihre gelernten  Mindsets zu verändern. Spiegel trug weitergehend sein persönliches Bekenntnis vor, dass es zu schwierig ist, traditionelle Organisationen zu verändern, sondern einfacher, erfolgreiche Parallel-Organisationen zu schaffen, deren Kraftfeld eben dann auch die Rahmenbedingungen für traditionelle verändert. Sie müssen sich bewegen oder sterben dann aus.

Damit kommen wir an eine zentrale Frage, die auch uns immer wieder bewegt: Einerseits wollen wir Entstandenes würdigen, andererseits verbrennen wir wertvolle Innovationsenergie beim Versuch, Traditionen von innen zu erneuern. Unser Engagement z.B. im forum humanum[1] oder in der Schul- und Hochschulentwicklung  z.B. in der Metropolregion Rhein/Neckar zeigt uns, wie dick die Bretter sind. Haben wir genug Kraft, hier in einem vernünftigen Zeitrahmen etwas zu bewegen? Können wir gegen die Gewohnheiten von traditionellen Bildungsinstitutionen und den darin sozialisierten Professionellen etwas ausrichten? Da wird uns zurecht Würdigung von dort tätigen Menschen und ihren Wirklichkeitsvorstellung abverlangt. Doch haben wir gleichzeitig das Gefühl, im Sumpf zu waten und Richtung gesellschaftlicher Veränderung nicht wirklich voranzukommen. Da werden wir einer bösen Ökonomisierung kultureller Einrichtungen und des Verrats an humanistischen Werten verdächtigt. So werden gerne Einwände gegen tiefer greifende Erneurungen begründet. Dabei hat der heute so idealisierte Wilhelm von Humboldt seine Schulreform innerhalb von 16 Monaten als Minister top-down (wie man heute sagen würde ) durchgezogen. Wer nicht mitzog , war draußen. Wer hat heute solche gesellschaftliche Autorisierung?

Da werden Kapitalismus und Marktwirtschaft kritisch beäugt und das zurecht[2] . Doch machen auch wir die Erfahrung, dass viele Menschen im öffentlichen Dienst so wenig an marktwirtschaftlichen und unternehmerischen Prinzipien orientiert sind, dass sie auf Segnungen von oben, bzw. deren Ausbleiben fixiert sind, dass wir immer wieder auf seltsame Einstellungen zu Leistung, Verantwortung und Umgang mit Ressourcen treffen. Eine Zusammenarbeit mit uns als einer zwar Werteorientierten aber klar marktwirtschaftlich ausgerichteten Bildungseinrichtung ist dann nicht so einfach. Sponsoring unsererseits löst diese Probleme nicht. Von daher stimmen wir der Ansicht  von Spiegel zu, dass eine unternehmerische Einstellung und entsprechende Kompetenz möglichst vieler Beteiligter notwendig ist. Allerdings müssen dafür die Bilder von Unternehmertum, von Professionalität  und marktwirtschaftlichem Handeln neu betrachtet werden.[3] : Wir alle wirtschaften und sind UnternehmerInnen.

Auch stimmen wir zu: Ökologie und Ökonomie, Leistung und Humanität sind nur in verbohrten und unverantwortlichen Weltbildern Gegensätze. Schlau erscheint uns daher das offenbar überzeugende Argument, dass über klassische Produkte und „potente“ Kunden kein vernünftiges Wachstum, vielleicht nicht einmal ein Überleben für viele Unternehmen gesichert werden kann. Die „Armen“ sind das Potential an Konsumenten und Wirtschaftspartnern, die Befriedigung Ihrer Lebensbedürfnisse sind die größte “Marktreserve“ der Gegenwart.

Natürlich müssen wir auf Übertreibungen richtiger Argumente achten, müssen unzulässige Verallgemeinerungen von Ansichten, die in begrenzten Bereichen gültig sind vermeiden. Sonst ist Nachhaltigkeit auch nicht gesichert. Und wir wollen doch nicht nur Strohfeuer entzünden, sondern Herd-Feuer, auf denen "Lebensmittel" für alle bereitet werden können.

Also kein fahrlässiges oder opportunistische Spiel mit Sehnsüchten, aber durchaus  Visionen, die weit über heutige "Selbstverständlichkeiten" hinausführen. Oh, Obama! Und wir dürfen uns auch irren. Schlimmer als die Irrtümer, die zu unserer heutigen Situation geführt haben, können unsere auch nicht sein. Und wir dürfen uns nicht fürchten, als naiv belächelt zu werden.

Also, lasst es uns angehen!

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  • Reaktion von Herrn Günther Mohr:

Hallo Bernd,

ich habe seit mehren Jahren mit der Kleinkredit-Organisation Opportunity International zu tun, weil ich deren Vorsitzenden kenne. Auch aus Indien selbst weiß ich, wie wichtig und gut das ist.

Die Anmerkungen über Ideeninnovationen und in welcher Organisationsform die eingebracht werden können, finde ich sehr interessant. Joseph Alois Schumpter hatte ja schon das schöpferische Element des Unternehmers auch in Zusammenhang mit der Notwendigkeit des Zerstörerischen genannt. Ich glaube dennoch, das die organisationstheoretische Betrachtung eine zweite Frage ist.

Die erste Frage ist jedoch: Was ist die Grundbewegung auf mentaler und auf wirtschaftlicher Ebene?

Was mir klar geworden ist in der letzten Zeit: Eine ganze Weltgesellschaft kann auf einer falschen Spur sein. Wenn bestimmte Gedankensysteme wie der der die höchstmögliche und alleinseligmachenden Renditeerzielung die Köpfe beherrscht und auch eine Zeitlang scheinbar funktioniert, will keiner die kritischen Stimmen hören. Alle laufen letztlich wie die Lemminge in eine Richtung.

Dennoch:

1. die Beschäftigung mit dem Menschen und seiner guten Einbettung in wirtschaftliche Zusammenhänge ist gut weitergedacht worden. Es hatte bisher aber noch keine wirkliche Relevanz.Die ganzen Corporate Governance Initiativen halte ich für bloße Scheinheiligkeit, wenn man die tatsächlich praktizierte Ethik in den großen Unternehmen anschaut (Siemens, VW, Post, Telekom,....). Und die ist mit Sicherheit auch die wirkliche Ethik der Unternehmenslenker gewesen trotz aller Sonntagsreden. Dass die heute von nichts gewusst haben wollen und dürfen, ist nur ein weiteres Symptom des Problems. Jeder Insider in Unternehmen weiß, das das nie stimmen kann. Aber keine wird zur Verantwortung gezogen.
Jetzt ist aber die Chance zum Umdenken, weil diese Eliten wirklich am Ende sind, und ihr hochbezahltes Versagen bemerken.

2. Zudem: Die volkswirtschaftliche Zielsetzung und die Arbeitsethik müssen überdacht werden: Letztlich hat immer noch in vielen Teilen der Welt der, der nicht wirtschaftlich erfolgreich ist, (z.B: durch ererebetes Vermögen / durch Arbeiten), eigentlich keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Den anderen wird nur das umverteilt, was zusätztlich dazu kommt. Deshalb braucht man das Wachstum. Und dies bringt uns eine Notwendigkeit von Arbeitsplätzen, die es eigentlich gar nicht mehr gibt. So haben wir überall sehr scharfe Wettbewerbsmärkte, aufgeblähte Wirtschaftssektoren, weil die Leute beschäftigt werden müssen. Vielleicht sind auch zu viele Menschen in den Wirtschaftsprozess integriert, weil die Idee ist so, dass alle arbeiten müssen. Dieser Glauben, dass das eigentlich alle müssen, dass sie sonst fast kein Existenzrecht oder zumindest nicht auf das „normale“ Leben haben, ist immer wieder in die Gesellschaft eingeführt worden. Es war doch schon immer so, jeder muss zur Gemeinschaft beitragen so heißt es. Ob durch den Calvinismus, der die Gottgefälligkeit eines Menschen an seinem wirtschaftliche Erfolg festmacht, als auch durch die strenge deutsche Ideologie, die sich in so schlimmen Sätzen, wie dem “Arbeit macht frei“, das am KZ-Eingangstor stand, festmachte. Die ganze Nachkriegszeit war in Deutschland auch davon geprägt.

Vielleicht gibt es auch ganz andere Formen zur Gemeinschaft beizutragen. Die Mönche im Buddhismus genießen dafür hohe Anerkennung, dass sie für das Heil und den Frieden meditieren. Im Westen würde man sagen, dass sie dafür beten. Psychologisch würde man ihre Leistung darin sehen, dass sie diese Punkte in der Aufmerksamkeit halten.

Die Mentalität des etwas für die Gemeinschaft tun ist bei den jungen Leuten meines Erachtens sowieso immer in jeder Generatiom vorhanden. Nur die in den letzten Jahren einseitig herrschende wirtschaftliche Ideologie, die wir aus den einfachen volkswirtschaftlichen Modellen kennen, geht ab einem bestimmten Alter wie eine Dampftwalze über soziale Regungen hinweg.

Kritisch finde ich deine Wertung des öffentlichen Dienstes oder breiter ausgedrückt der Dienstleistungen des Staates. Ich billige Dir das als Unternehmen aus deiner Perspektive abolut zu. Aber dennoch ist diese Auffassung populistisch.

Klar sind da Verkrustungen. Aber wie sind die entstandem? Sie sind Verschlimmbesserungen. Sie sind gerade dadurch aufgetreten, als man dorthin die wirtschaftliche Logik importieren wollte und sie an die Stelle des Sorgen für das Gemeinwohl stellte. Ein Beispiel dafür sind die öffentlichen Banken sehen. Seit die nicht mehr ergänzend handeln, sondern im Grunde die privatwirtschaftlichen Banken imitieren wollen, haben sie jegliches tragfähige Geschäftsmodell verloren.

Im Grunde denke ich, Bescheidenheit jedes Menschen ist die Lösung. Die, die etwas, z.B. auch Arbeit haben oder Profi spielen können, sollen sich daran freuen und nicht aus ihrem oft selbstverursachten Leiden ableiten, dass denen mit anderer Orientierung nichts zusteht. Viele werden abgeben können müssen.

Ich zweife allerdings, dass ein solcher Prozess mit Einsicht und sanft zu erreichen ist.

Herzlich
Günther


Institut für Coaching, Training und Consulting

 

  • Reaktion von Frau Doris Schaaf
Lieber Bernd, wie klein ist 1 Mensch und wie groß ist doch jeder von uns (oder kann es sein)? Wie bekannt wurde Muhammad Yunus durch sein Projekt (nach wie vielen Jahren harter Arbeit?) und wie (der breiten Masse) unbekannt, sind die Tausende und Abertausende von Menschen, die irgendwo auf unserem Globus ‚etwas Positives‘ bewirken? Wir alle schauen gerne auf Einzelne, auf Menschen, die sich aus der Menge herausheben durch großartige Ideen, Taten oder Heilsversprechen. Auf Menschen wie Obama projizieren wir unsere Sehnsüchte nach ‚Weltverbesserung‘. Der arme Obama, er ist ja auch nur ein Mensch. Und all seine Berater ebenfalls. Er hat Macht, richtig, das unterscheidet ihn von den meisten Menschen des Restes der Welt. Ob er sie gut (in wessen Sinne gut?) einsetzen wird? Mein ältester Sohn sagte mir als Jugendlicher, er wolle (später) nicht so ein unbedeutendes Leben führen wie ich. Er wolle Spuren in der Welt hinterlassen, unvergesslich in die Geschichte eingehen. Damals versuchte ich ihm zu beschreiben, wodurch ich Spuren hinterlasse: indem ich ihm (und seinen Brüdern) Werte vermittle. Indem ich in dem Unternehmen, bei den Menschen mit denen ich arbeite, Werte vorlebe und mich für diese einsetze. Dadurch, dass ich als Multiplikator fungiere. Daran glaube ich auch heute noch. Und daran, dass wenn das viele tun, wir ganz konkret etwas zur Verbesserung der Welt beitragen – ohne auf einen Obama warten zu müssen. Natürlich fände auch ich es toll, wenn ich (oder irgendeiner) wie Humboldt in kürzester Zeit eine gigantische Reform durchziehen könnte. Gäbe es da nur nicht diese Komplexität, diese Interdependenzen, diese Globalisierung, diese alles-hängt-mit-allem-zusammen-Gedanken. Die schiere Größe der Themen lässt mich manchmal verzweifeln. Vielleicht habe ich (oder mein Sohn – ich würde es ihm wünschen, oder irgendeiner eben) auch nur   d i e   geniale Idee, wie man diejenigen, die (den entscheidenden) Einfluss zur Gestaltung haben (falls es morgen die Gleichen sind, wie heute und übermorgen…) überzeugen kann, dass, dann… Bis dahin arbeite ich mit meinen Klienten, meinen Geschäftspartnern, meinen beruflichen und privaten Netzwerken, meinen Nachbarn,… - und natürlich weiterhin meiner Familie. Ich lebe meine Werte (so gut ich kann) und reiche das ‚Herdfeuer‘ weiter (wo ich kann). Auch eine Art von Komplexitätsreduzierung. In diesem Sinne – jeder wie er kann! Ich grüße dich herzlich und freue mich auf deine nächste Anregung. Doris Schaaf

Management Coaching

 

  • Reaktion von Frau Nicole Zunhammer

Lieber Bernd,
soeben habe ich Deinen Blog "Strohfeuer" gelesen - selten hat mich in der letzten Zeit Geschriebenes so berührt wie diese Zeilen. Nur wenige Klicks führten auf die homepage von Genesis und das Anmeldeformular. Statt Aktionismus: "Heimat" im besten Sinne. Danke Dir dafür.
Von wegen "Strohfeuer"....
lieben Gruß
Nicole

www.Nicole-Zunhammer.de 

 

  • Reaktion von Frau Dr. Andrea Günter

Lieber Bernd,

Du plädierst in deinem Beitrag für so etwas wie die Pluralität in der Wirtschaft für die Wirtschaft. Ich teile diesen Gedanken sehr. Als feministische Philosophin habe ich anhand des Beispiels „DIE Frau gibt es nicht, es gibt nur Frauen" gelernt, Logik, Pluralität und Gesellschaftspolitik zusammenzudenken: Es gibt nicht DIE Wirtschaft – das wird in öffentlichen Äußerungen zwar gleichfalls deutlich, etwa wenn im deutschen Kontext von politischer Seite davon die Rede ist, dass mehr für den Mittelstand getan werden muss. Aber auch diese Äußerung nimmt i.d. R. nicht grundsätzlich oder gar systemisch in den Blick, dass es auch in Bezug auf die Wirtschaft die Pluralität gilt: sie ist so vielfältig wie die Menschen, ihre Haltungen, Erfindungen und Beziehungen. In unserem kleinen Büchlein  „Sinn – Grundlage von Politik“ sprechen ich und andere
deshalb davon, dass es so etwas wie eine Art „Artenschutz“ für die Wirtschaft
braucht: keine wirtschaftliche Monokultur, sondern „individuelle“, organisations- und kontextspezifische Antworten. Vermutlich passen die Ideen und Projekte von Muhammad Yunus in solche Überlegungen hinein, denn hier wird Wirtschaft anders gedacht und organisiert als es zuvor – im westlichen Wirtschaftsdenken - denkbar war und als machbar, realistisch usw. galt.

Zu deinem Punkt, wie dick die Bretter oftmals sind, da halte ich persönlich die Differenzierung für notwendig, dass sie für bestimmte Dinge sehr dick sind und für andere aber auch sehr dünn. Seltsam ist für mich immer, welchen
Ideen und Projekten gegenüber sie dick sind und welchen gegenüber dünn: Kastrieren – rationalisieren, kürzen, abbauen, da wird Handlungsfähigkeit eindeutig, und diese Handlungen sind sehr viel einfacher und die „Erfolgsergebnisse“ schneller sichtbar als bei den anderen, weniger spektakulären, sorgsamen, nachhaltigen. Die Aufrechterhaltung eines erreichten Niveaus an zivilisiertem Umgang braucht alltägliche Mühe. Der Glaube wiederum, alles selbst und dabei sogar besser als die anderen zu können, stärkt Menschen zudem darin, dass sie verändern, ohne in den Blick zu nehmen, dass das Überschreiten der Konventionen zu Praekonventionalität führt, wenn keine Ethik für dieses Überschreiten entwickelt wird, damit Postkonventionalität entstehen kann. Da ich u.a. an der Hochschule tätig
bin, erlebe ich dort besonders, dass es sehr dicke Bretter gibt – aber auch sehr dünne, was die Hochschulreform der letzten 10 Jahre zeigt. Da wurde fast wie bei Humboldt von oben durchregiert, und die Bretter waren dünn, weil sich kaum einer der Hochschullehrer rechtzeitig darum kümmern wollte
(das dicke Brett: die Hochschulkultur erzeugt ehrgeizige Individualisten)
und wie üblich kamen Kritik und Widerstand erst dann, als die Weichen schon längst gestellt waren und es keinen Raum mehr für eine kritischen Begleitung gab... Es ist dabei wohl kein Zufall, dass der ehemalige Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin (zusammen mit der damaligen Kultusministerin) eine der treibenden Kräfte dafür war – er hatte das Ziel, dass die Humboldt DIE Eliteuniversität Deutschlands wird und zwar um des internationalen Renommees Willen – etwas, was die HU allerdings nicht erfüllen konnte.
Die Schäden des Bologna-Prozesses sind nicht nur in Deutschland groß. Die Zeitschrift des deutschen Hochschulverbands berichtet regelmäßig von absurden Entwicklungen. Was mich daran gerade als jemand, die nicht nur
persönlich betroffen ist, sondern auch Menschen in diesem Bereich ausbildet oder begleitet, am meisten irritiert, ist die zunehmende Macht und Ausrichtung auf die Selbstregierung – also Anpassung. Barbara Holland-Cunz hat in ihrem Buch „Die Regierung des Wissens“ (2005) eindrücklich herausgearbeitet, wie die Hochschulreform und die zunehmende Tendenz der Selbstdisziplinierung zusammenhängen und was dies mit den Menschen macht. Vielleicht auch, weil ich persönlich sehr viel für meine Hochschullaufbahn getan habe und nun gar nicht mehr weiß, wie ich selbst mich besser
„anpassen“ könnte – eine interessante Konfusion.
 

So weit meine Gedanken.
Herzliche Grüße aus Freiburg
Andrea Günter

www.andreaguenter.de


Hier finden Sie einen weiteren Text von Dr. Andrea Günter zum Thema Ökonomie und Pluralität zum Download als pdf

 


1 www.forum-humanum.eu

 

2 siehe auch Blog 15 v. 14.10. 2008 http://www.systemische-professionalitaet.de/berndschmid/bernd-schmids-blog/blog14_gerettet.html

3 siehe z.B. Unternehmen Beruf  in Bernd Schmid (3/2007): Mit Menschen für Menschen Wirtschaften! Mensch + Profession, Mensch + Organisation, Mensch + Wirtschaft S. 5  (den Text finden Sie hier )

 

 
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