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Blog 27: Wer glaubet, der findet - Von Bernd Schmid 15.04.2009 Drucken E-Mail

MaschineWir finden meist die Ostereier, die wir ohne es zu merken, selbst versteckt haben, sagen die Wirklichkeitskonstruktivisten.

Also zunächst muss ich bekennen, dass ich mir am Ostersonntag aufschreiben muss, was ich wo versteckt habe, wenn wir wirklich alles wieder finden sollen. Ich denke da an wochenlanges Rätseln in der Vergangenheit.

Aber es stimmt schon. Da hat die Polizei jahrelang nach der Phantom-Mörderin gefahndet und jetzt herausgefunden, dass es die Verunreinigungen der eigenen Wattestäbchen waren, die ein unberechenbares Monster produziert haben.

Und dann fällt mir der Krimi ein, bei dem 3 Sekretäre eines Mafia-Bosses, dessen Befehle aus den geheimen Besprechungen mit ihm brachten. Die Konkurrenz und die Polizei ließ die Drei ungeschoren, weil man ja an den Big-Boss ran wollte. Schließlich der Clou. Den Big Boss gab es nur als raffinierte Erfindung der 3 Sekretäre.

Doch ernsthaft: Johannes Cremerius, der verstorbene Psychoanalyse-Kritiker aus Freiburg sagte schon in den 1970er Jahren sinngemäß: Die Psychoanalyse ist Teil der Krankheit, für deren Heilung sie sich hält. Und das hat er nicht abwertend gemeint. Er wies nur darauf hin, dass wir es meist mit Glaubenssystemen zu tun haben, die man halt teilen kann oder nicht. Vieles ist von außen gesehen vielleicht nicht wahr, wird aber wirksam durch den Glauben daran.

Dazu hat mir das Leben schon als Hilfskraft am Lehrstuhl für Volkswirtschaftliches Rechnungswesen an der Uni Mannheim eine Lehre erteilt. Damals musste ich mit einer Vervielfältigungsmaschine  wöchentlich von Vorlagen hunderte von Abzüge aus einer Matrize herausleiern. Ja, wirklich! Die Vorlage war eine Folie, die mittels Schreibmaschine mit Buchstaben gelöchert und dann auf eine Farbspendende Trommel gespannt wurde. So wurde bei jeder Umdrehung die Schrift auf saugfähiges Papier übertragen. Leider verrutsche oder riss die Matrize leicht, bzw. es zog die Saugpost, wie das Papier hieß, schräg oder in kleinen Stapeln ein. Dann gab es Probleme und manchmal musste sogar eine neue Matrize geschrieben werden.

Es war mein eigenes hochschuldidaktisches Programm1 , für das ich diese Arbeit machen durfte. So war ich hoch motiviert. An der Maschine gab es 6 Tasten, deren Funktion ich nach und nach erforschte. Ich fand heraus, welche Tastenkombinationen welche Wirkungen hatten und wie sie zur Lösung von Problemen beitrugen. Schließlich wurde ich Meister darin, schon vorbeugend die richtige Tastenkombinationen zu drücken, wenn ich beim Kurbeln spürte, dass sich das eine oder andere Problem anbahnte. So wurde ich im Herstellen von Saugpostvervielfältigungen der versierteste am Lehrstuhl, und ich war nicht wenig stolz darauf. Ich hatte gelernt, die Technik zu beherrschen und konnte erklären wie.  Großzügig wie ich schon damals war,  wollte ich andere am Lehrstuhl an meinem Wissen teilhaben lassen, doch war das Interesse nicht überwältigend.

Schließlich kam der Tag, an dem der Monteur kam, der die Maschine wartete. Ich schaute ihm interessiert zu und kam nicht ganz zufällig auf die Probleme beim Herstellen größerer Auflagen zu sprechen. Ich wollte mir meine Expertise bestätigen und fragte, was die einzelnen der 6 Tasten genau bewirkten. Er schaute mich etwas verwirrt an und bemerkte beiläufig: Diese Tasten haben bei Ihrem Betrieb gar keine Funktion!

Zu meinem Glück hat sich sonst keiner am Lehrstuhl für dieses Gespräch interessiert und ich konnte fern jeder Beschämung nachdenken. Tja! Was habe ich nun eigentlich durch das Drücken der Tasten gesteuert? Denn funktioniert hat es. Da bin ich sicher.


 1 Bernd Schmid + W. Zöller: Lernfragen - Erfahrungen mit dem hochschulmethodischen Konzept der Heidelberger Arbeitsbücher. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1973

 

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