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Blog 31: No risk, no fun? - Von Bernd Schmid 16.06.2009 Drucken E-Mail

Feuerstelle


Da war ich gestern mit einer alten Freundin zu einem langen Spaziergang unterwegs. Das tun wir seit vielen Jahren alle paar Wochen. Wir erzählen, was so im Leben geschieht und besprechen die Weltlage.

Und gestern, es zogen dazu passend Regenwolken auf, hatten wir es wieder davon, warum bei allen positiven Ansätzen und dem immer wieder neuen Engagement vieler kompetenter Menschen doch die gesellschaftliche Entwicklung so schlecht vorankommt. Da gefallen sich unsere Politiker im Lichte vieler Medien als Retter von durch Inkompetenz, Großmannssucht und Misswirtschaft in die Krise gekommenen Unternehmen. Doch man hört nichts von effektiven Anstrengungen zur Regulation der Finanzmärkte. Stattdessen Symboldebatten und Wahlkampfversprechungen und Klatsch. Interessiert uns das Dekoltee von Frau Merkel oder der Alterunterschied zwischen Herrn Müntefering und seiner Neuen wirklich so viel mehr als deren Politik, die heute und morgen Schicksale von Millionen betrifft?

Wen kann man eigentlich noch wählen? Langsam dämmert mir, warum die Italiener Herrn Berlusconi immer wieder wählen, obwohl er offenbar von vielem mehr getrieben ist, als davon, Demokratie zu stärken. Fehlen die Alternativen? Singen sie bald wieder? Mit Rohstoffen, Währungen, der Volksgesundheit und mit Grundnahrungsmitteln spekulieren tun sie offenbar wieder oder noch, ungehindert und schamlos. Was muss noch geschehen, dass wir aus Krisen lernen? Sklaverei, von der ich glaubte, sie sei ausgestorben, feiert in vielfältigem Gewande Urstände, als Lohndumping bei uns, als schonungslose Ausbeutung von Migranten überall, aber auch schlicht als Menschenraub und Zwangsarbeit und das nicht nur im Rotlichtmilieu. Und auf  Konferenzen wird geredet und geredet. Die Welt ein Kampagnen-Theater. Die Konferenz der Tiere von Kästner lässt grüßen.

Ich weiß es ja eigentlich. Schon ein Poster im Büro der Odenwald-Institut-Gründerin Mary Anne Kübel hat mich enthusiastischen jungen Mann gewarnt. Dort stand: After all, what’s said and done, it’s much more said, than done! Aber es gibt Tage, das geht es mir einfach auf den Senkel, dass überall Strohfeuer abgefackelt werden. Die geben Licht für ein bisschen Aufbruchsstimmung und für die Kameras. Kommt man dann mit dem Kochtopf, ist die Show schon zu Ende.

Ja, es ist schwer, komplexe Dinge in Bewegung zu bringen. Nachhaltigkeit ist angesagt, doch ist das Wort auch schon abgedroschen, auch wenn die Probleme mitnichten gelöst oder auch nur effektiv angegangen sind. Wir haben bekanntermaßen keinen Ideen-Notstand, sondern einen Umsetzungs-Notstand. Helden des Alltags sind gefragt. Doch tausende von bestausgebildeten Zeitgenossen scheinen mit Zocken und Schattenboxen bis zum Burnout zufrieden zu sein.

Was geschieht da Deiner Meinung nach? fragt mich meine alte Freundin. Warum kreisen die Berge und gebären Mäuschen oder schlimmer noch Missgeburten, wie z.B. die neuen Qualitätsnachweisverfahren für Altenheime, was für die Erfinder lukrativ zu sein scheint, den dort Tätigen aber Kräfte entzieht und für vernünftige Kunden irrelevant zu sein scheint?

Klar weiß ich es auch nicht wirklich, doch sind mir 2 Gesichtspunkte eingefallen.
Das eine sind die Größenphantasien. Die Menschen wollen flächendeckend und großartig an die Probleme gehen, statt im Konkreten anzufangen und die Dinge über Jahre zu entwickeln. Nein, schnell muss es gehen, epochal muss es sein, weithin Aufmerksamkeit heischend. Das geht nur, wenn man entscheidende Details vernachlässigt. Vielen Anfängen wohnen weniger Zauber inne als Hokuspokus und Marktschreierei.
Das andere sind die Risiken. Gerade, wenn man mit nicht überschaubaren Projekten, mit schlecht berechenbaren Wirkkräften zu tun hat, tut man gut daran, Spielräume zu lassen, sich nicht vorzeitig und nicht zu weit aus irgendwelchen Fenstern zu lehnen oder alle Ressourcen auf eine Karte zu setzen oder ungedeckte Wechsel auszustellen. Das kann mal gut gehen und dann ist man der King. Doch als Grundprogramm? Nein Danke!

So, das musste mal raus!

No risk, no fun! Hört man oft. Als Alexis Sorbas dilettantische Förderanlage, die auf dem bitter armen Kreta so vielen hätte Brot geben können, zusammengebrochen ist, tanzt und trinkt er. Sich bloß nicht unterkriegen lassen! Fand ich auch toll damals. Heute weiß ich nicht mehr.
Ich möchte eher auf eine frühere Erinnerung zurückgreifen. Wir haben 13 -14 jährig manchmal ein Hähnchen auf einem Lagerfeuer gebraten. Zunächst wurde aufs Hähnchen gespart. Das wollten wir dann im Garten braten. Damit wir an dieser Stelle den Rasen nicht ruinieren, haben wir ihn ausgegraben, um ihn später wieder auf die Asche zu setzen. Dann war Holz machen dran, denn so ein Hähnchen braucht etliches und im Dunkeln wird es dann schwierig. Schließlich Feuer machen, ohne Brandbeschleuniger. Erst das Zündholz, dann ein Span kaum größer als das Zündholz, dann zwei, drei, jetzt schon etwas dickere, bis schließlich ein Feuerchen brannte, das wir langsam zu einem begrenzten aber Glutreichen Grillfeuer ausbauten, gerade soviel, dass es für ein Durchgaren reichen würde. Zwei, drei Stunden bis spät das Hähnchen soweit war. Bis dahin Brot, Beisammensein und Vorfreude. Erst am Ende haben wir mit dem Überschuss ein Freudenfeuer gemacht.

Nostalgisch? Ja! Geb’ ich zu! Ich will ja auch nicht Biedermeier-Romantik beschwören, aber irgendwie war es gut, dass es nicht an jeder Ecke Grillhähnchen zum Schnäppchenpreis gab. Und ich wünsche mir schon, dass die Strohfeuer-Junkies Magie und Publikum einbüßen. Sie könnten sich zu Hütern von Herdfeuern entwickeln.

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Kommentare

Frau Eva Bettina Messer

Vielen Dank für den Blog, den ich immer wieder mit Interesse lese - so lasse ich mich gern „auf andere Gedanken bringen“!

Oft drängen sich bei der Lektüre und beim Nachhängen eigene Ideen oder Bilder in mein Bewusstsein … doch meist fehlt die Zeit für eine Reaktion. Diesmal möchte ich aber doch etwas anhängen und zurückmelden:

No Risk No Fun - ich glaube manchmal, dass es gerade die Risikobereitschaft ist, die uns fehlt!

Sicher, zuviel Risikofreude hat „uns“ (die Banken, die Wirtschaft) in die derzeitige Situation gebracht. Klar war es gefährlich, trotz aller Warnrufe aus der Realität einfach nur immer mehr desselben zu tun (Kreditzinsen durch Aufnahme neuer Kredite zu bedienen, spekulative Investitionen durch Wetten auf andere Geschäfte „abzusichern“) und sich dabei auf offenbar untaugliche Kontrollmechanismen (Computerprogramme, Bilanzierungsmethoden, staatliche Aufsicht) zu verlassen. Aber wie sehen denn jetzt die Lösungsversuche aus? Die Banken wollen „altbewährte“ Risikoanalyseverfahren wieder auspacken und (ver)schärfen - warum sie sie so lange Zeit haben stumpf liegen lassen, damit setzen sie sich nicht auseinander. Die Regierungen greifen in die Mottenkiste staatlicher Regulierung und Kontrolle; wenn Gesetze, Verordnungen und Aufsichtsbehörden nicht reichen, setzt man sich eben gleich selbst in die Leitungsgremien der Institute hinein - was man da dann verändern wie will, bleibt offen.

Risiken scheinen mir naturgegeben; allem Anfang wohnt neben dem Zauber eben auch eine Ungewissheit inne. Aber dagegen hilft nicht, dass ich vor lauter Rettungsschirmen den Himmel nicht mehr sehe, dass ich vor lauter Sicherungsseilen nicht mehr weiterklettern kann. Oder dass ich - um im Bild des Blogs zu bleiben - mit Schaufel, Feuerlöscher und Regenschirm ausgerüstet keine Hand mehr für das Hühnchen frei habe.

Was ich vermisse ist die Bereitschaft, die alten Wege zu verlassen, alte Gewissheiten und Ausrichtungen in Frage zu stellen und eine neue Richtung einzuschlagen. Das ist natürlich riskant, denn wer könnte in der heutigen Situation schon eine „neue“ zukünftige Entwicklung in all ihrer Komplexität überblicken? Also doch: No Risk No Fun?!

Vielleicht eher: No Risk No Happiness (wenn wir schon bei amerikanischen Worten/Werten sind)! Denn ich sehe den Entwicklungsbedarf eher auf der Fun-Seite des Spruchs: Viel zu vielen ging es viel zu lange nur um Fun, nicht um Nachhaltigkeit, um bleibende Werte, um Glück und was man auf dem Weg dahin braucht. Wenn wir uns als Gemeinschaft an solchen Werten ausrichten, dann lohnt sich auch das Risiko!

Mit angeregt nachdenklichen Grüßen

Bettina Messer

 

Frau Brigitte Melzig

Lieber Bernd,

Du sprichst mit mit JEDEM Satz aus der Seele. Danke :-) Herzliche
Grüße Brigitte

 

 Frau Harry Donau

Sehr geehrter Herr Schmid!

Ich habe mit großen Interesse Ihre Aussagen zur aktuellen Krise, den Menschen und sein (unserem) Verhalten gelesen.
Ich mache es kurz, ich stimme Ihnen voll zu, genau diese Fragen stelle ich mir auch. Ich bin sicher, viele Menschen stellen sich solche Fragen, aber es ändert sich nichts, wir ändern nichts.
Was heißt eigentlich Demokratie, was ist haben wir für eine Demokratie?
Irgendwie fühle ich mich hilflos, ich bin ärgerlich.

Mit freundlichen Grüßen
Harry Donau

 

Herr Michael Loebbert 

Lieber Bernd,

Entwicklung ist ein dickes Brett und leider geht sie immer mal wieder daneben. Manchmal hilft ein wenig Trost :-) Dazu gehört auch Missstände und Personen beim Namen zu nennen, nicht nachzulassen, darauf hinzuweisen, wenn Italien mit Berlusconi folkloristische Urstände feiert und Qualitätsmanagement im Sinne preussischen Untertanengeists gehandhabt wird. Manchmal spüren wir ja die Wunden erst richtig, wenn jemand ordentlich Salz hinein streut.

Und mein Freund Heinz, evangelischer Pfarrer, hat mich neulich auf eine Unterscheidung aufmerksam gemacht, die mir weiter geholfen hat. Als ich ihm von meinen irgendwie unfruchtbaren Versuchen erzählt habe, mit so genannten Systemikern über "Verantwortung" ins Gespräch zu kommen berichtete er von der Unterscheidung von "Erbsünde" und "Tatsünde" in der evangelischen Theologie. Erbsünde als quasi systemische Verstrickung und Tatsünde als persönliche Verantwortung: Und da wir ja unsere sozialen Systeme auch gestalten können hat auch die Erbsünde die Verantwortung an ihr zu arbeiten.
Und Salz in Wunden zu reiben, ist dafür aus meiner Sicht ein hilfreicher erster Schritt. Vielen Dank.

Herzlich, Michael.

 

Frau Luzia Grommes

Hallo Bernd Schmid,
 
mich interessiert auch nicht das Dekoltee von A. Merkel oder irgendwelche Privatgeschichten - nur das scheint das Fassbare für die Menschen zu sein - die Politik ist so eine "Scheinwelt", die Menschen merken, dass sie eigentlich nicht in den "Kern" kommen - nur Teilinfos, geschönte, gezielte Texte erhalten und das ermüdet ungemein. Also schaue ich doch auf das Dekoltee von, die Partnerin von  ....., da hab ich wengistens etwas greif - begreifbares. Diese Themen kennen "alle" - Ganz ursprüngliche Themen im weitesten Sinne der Fortpflanzung und Beziehung zwischen Menschen...
In Düsseldorf war letztens das japanische Feuerwerk - ein riesen Event - Strohfeuer....Schnelle und intensive Kost für den Menschen. Ein Samenkorn in die Erde zu legen, vorher das Unkraut zu jäten, den Boden zu bearbeiten, gießen und wieder Unraut jäten um evtl. keine Ernte einzubringen, das ist heute nicht mehr so gefragt - beruflich heißt es "Nachhaltigkeit", die erfordert natürlich Vertrauen ins eigene Tun, Geduld, Zufriedenheit (also keine schnelle Befriedigung), Zuversicht und die potentielle Möglichkeit des "Mißerfolges" -  nicht ernten, also nicht "ich brauche nur die richtige Strategie", nicht der Glaube an die "Allmächtigkeit" des eigenen Tuns. Und wo bleibt der ökologische Gedanke, nicht wie sie das Gras herausheben und später wieder einsetzen, als Teil des Ganzen fühlen, in der Verantwortung - nein ich suche vor allem meine Vorteile - ich glaube, da gab es z.B. in der Politik und Wirtschaft in letzter Zeit einfach zu viele "egoistische" Beispiele.
Das lernen die Kinder und Jugendliche von heute nicht mehr so viel. Sie lernen eben anderes - vielleicht erkenne ich später (oder auch nie) wofür es gut ist. Schnelle Befriedigung, einfach kaufen, wie die "Grillhähnchen". Ich lebe mit meiner Tochter den Spagat zwischen diesen Welten: Waldorfpädagogik und "morderne" schnelle Welt.
 
Bin immer wieder gespannt wie die Reise weitergeht.
 
Liebe Grüße und danke für die Anregungen 
Luzia Grommes

 

Herr Philipp Rausch 

Hallo Bernd,

ich möchte dir an dieser Stelle einfach nur mal mitteilen, wie sehr es mich jedesmal freut dein Blog zu lesen. Ausschlaggebend für diese Freude ist, dass  du an die Verantwortung des Einzelnen für das Ganze erinnerst und diese in selbstreflexktiver, intelligenter und witziger Weise nachdrücklich einforderst.
 
Bzgl. des politischen Systems ist wohl leider größtenteils so, dass es ausschließlich um den Selbsterhalt dessen geht und eben nicht um den Zweck für den es eigentlich konzipiert war - den Interessensausgleich in der Bevölkerung.
Bei dieser Kritik könnte ich es belassen und mich zunehmend zynisch aus dem ganzen Spiel heraushalten, aber die schwierige und bei weitem unter meinen Möglichkeiten erfüllte Aufgabe für mich ist es tag täglich meine Verantwortung für das Ganze (ohne Retter und Täterdynamiken) wahrzunehmen und den Spielraum auszunutzen - no matter what. Zur Bewältigung dieser Aufgabe finde ich deine Beiträge hilfreich und hoffe, dass sie es auch für andere sind.

Viele Grüße,

Philipp

 

Herr Georg Hänsel 

Der Artikel hat mir gefallen, sind doch so menschliche Erwartungen zum Ausdruck gekommen und die Enttäuschungen auch.
Da ich noch etwas älter als der Autor bin, verstehe ich die Gemütslage gut.
Was tun? Rahmenbedingungen? Bei Euch habe ich viel über die Bedeutung der Rahmenbedingungen gelernt-
Viel gelernt habe ich auch über Kultur und ich habe – so hoffe ich – auch was von Akzeptanz der Situation gelernt.
  Zusätzlich bin ich zeitweilig – jedoch sehr unbedeutend – mitten im Politikbetrieb.
Es ist kaum zu beschreiben wie es menschelt.
Möglicherweise haben wir Menschen etwas in und an uns, was sich ständig wiederholt, obwohl die Hoffnung des Überwindens bleibt.
Jetzt haben wir hier 60 Jahre ohne Krieg. Also ohne traditionellen Waffengang. Ein Segen aus dieser Sicht, weil es früher so lange Perioden selten gab.
Haben sich da nicht auch die Ebenen und Reichweiten verschoben?
Gesellschaftlich arbeiten wir heute doch mit Mitteln, die ähnliche Wirkungen haben.

Na ja, für das Gute kämpfen macht auch noch Sinn.

Georg M.Hänsel

 

Herr Markus Hänsel 

Lieber Bernd,

mit Spannung und Interesse verfolge ich deine letzten Blogs - dieser bringt mich zu ein paar spontanen Ideen:
Der Begriff Strohfeuer impliziert, dass dort schnell Energie verbrannt wird mit wenig nachhaltiger Wirkung, also ineffizient und mehr an Schein als an Sein orientiert. Dann sollten wir sie wohl als überflüssige Verschwendung sein lassen oder nicht? Wenn wir die Beschreibung Strohfeuer wählen, so könnten wir aber auch in Betracht ziehen, dass Strohfeuer schon lange Zeit von Menschen zelebiert wurden - manchmal vielleicht nur um überflüssiges Stroh zu verbrennen, manchmal aber auch um eine symbolische Bedeutung zu transportieren, Übergangsrituale, Sonnenwenden etc. Dabei ist dann natürlich nicht das Feuer das einzig interessante, sondern was eine Gesellschaft damit verbindet, welches Kulturgut sie pflegt und darüber hinaus welche Wirkungskreise die symbolische Handlung zieht.  Dass dies die gut vorbereitete und lange währende Glut (eines Projekts ala Hähnchen) nicht ersetzt ist klar, die Glut leuchtet aber halt auch nicht weit in der Dunkelheit. Vielleicht ist es ja eher die Frage, wie wir das eine in das andere überführen, um beide Effekte zu erhalten.
Darüber hinaus ist es mit der Frage der Bewertung eh immer schwierig - wann sich Strohfeuer einfach schnell verbrennen, Schneebälle Lawinen auslösen, sorgfältig geplante, langfristige Projekte eine fundierte Wirkung entfalten oder einfach im Kleinklein der Bürokratie untergehen - das scheint mir dann oft von einer Mischung aus Kontextbedingungen, Kairos und schließlich den Erfolgskriterien des Beobachters abzuhängen. Ich hab's zumindest in meiner bescheidenen Berufszeit (seit meiner Zeit am ISB) schon öfters erlebt, dass lange vorbereitete, systemisch durchdeklinierte und auf etablierten Werten stehende Prozesse innerhalb kurzer Zeit vollkommen über den Haufen geworfen  werden, wenn die unvorhersehbare Dynamik der Kontexte Markt oder Vorstand zuschlagen - wie auch, dass aus scheinbar unscheinbaren Events eine nicht vorhergesehene Eigendynamik ins Rollen kommt.
Naja nichts Neues wahrscheinlich, aber vielleicht eine kurze Komplementärthese, die du meinen jungen Jahren und meiner noch nicht professionalisierten Begeisterung schulden kannst.

liebe Grüße und vielen Dank für die Inspiration,
Markus Hänsel

PS:
Noch ein Hinweis auf ein Strohfeuer, der interessanten Art:
http://www.visionsummit.org/


Frau Elfriede Denk

Lieber Bernd,

es tut gut, Deine Zeilen zu lesen und bei mir lösen sie Wut, Hilflosigkeit und den Wunsch etwas zu ändern aus! Noch bin ich im „Tunnel neuer Überlegungen“ und noch nicht ans Licht gekommen, um die Welt ein klein wenig mitfühlender, freudvoller und achtsamer zu machen!!

Herzliche Grüße aus den Feuersbrunner Weingärten

Elfi

 

Frau Nicole Weis

...Nun zu Männertypen wie Berlusconi, ich würde hier nicht gleich 5 Schritte aufeinmal gehen und sie zu Hütern des Herdfeuers machen. Da müßten sie sich ja nicht nur mit der göttlichen weiblichen Seite, denn die Hüterin des Herdfeuers war
ja Hera (und dies würde B. noch ganz gut gelingen, glaube ich), sondern auch noch mit der, für Männer, dunklen weiblichen Seite wie Eifersucht, Besitzdenken, Herrschsucht befassen und zum Schluß sogar noch Kastraktionsgedanken zulassen. Dies würde B. sicher nicht mit seinen charismatischen (zumindest empfinden das viele Italiener so) Fähigkeiten eintauschen. Ich glaube, leichter wäre er mit einer echten Verbindung zu seiner Aphrodite oder auch Artemis auf den Weg zu bringen, da gäbe es ja Interessantes u. Angenehmes zu entdecken - nur dafür müßte er halt die richtige Zauberin finden....
 
Angenommen, Dein Risikoempfinden gegenüber nicht überschaubaren Projekten und schlecht berechenbaren Wirkkräften hätte sich
reduziert, womöglich sogar auf ein vertretbares Maß, was wäre denn dann, rein quantensystemisch, geschehen?
 
liebe Grüße
 
Nicole

 

Annette aus Bonn

Hallo Herr Schmid,

Ihr Blog vom 18.06.09 hat mich in besonderer Weise berührt und etwas traurig gestimmt.

Zum einen, weil Sie darin sehr anschaulich die Situation in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beschreiben. Zum anderen, weil ich in meinen bisherigen acht Berufsjahren feststellen musste, dass Menschen, die mit anderen mehr oder weniger komplexe Projekte umsetzen können, nicht wirklich gesucht werden und wenn, so voll gefüttert werden mit Arbeit, dass sie sich kaum noch drehen und wenden können. Beide Phänomene habe ich persönlich erlebt. Es ist bei mir sogar der Eindruck entstanden, dass Umsetzungskompetenz nicht in den vorherrschenden Kriterienkatalogen der Stellenbesetzer vor kommt – wohl schon bei den Eignungsdiagnostikern.

Persönlich bin ich ratlos im Umgang damit. Ich habe meine Konsequenzen gezogen, in dem ich nur noch Teilzeit in einem rastlosen System arbeite und damit verhindere im Hamsterrad viel Bewegung ohne Fortschreiten zu machen. Glücklich bin ich damit nicht. Viel lieber würde ich meine Talente und Begabungen einbringen an einer Stelle, wo sie Sinn machen und auch Anerkennung finden. Es ist aber der Preis den ich zahle, anstatt geistig und körperlich erschöpft zu sein und die Verantwortungslosigkeit Vorgesetzter zu kompensieren, nur weil ich Verantwortungsbewusstsein und Freude am Handeln und Lernen habe.

Dank meiner systemischen Beratungsausbildung sehe ich die Zusammenhänge deutlicher, was mich inzwischen auch handlungsfähiger macht.

Herzliche Grüße,
Annette
 

 
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