Das habe ich nun in den vielen Jahren gelernt: Es nützt
nicht viel, die guten Ideen und bedeutsamen Werte, das ehrenwerte Programm zu
haben oder den Ernst der Lage zu betonen. Man muss die Botschaft rüber bringen,
beeindrucken, spielerischen Umgang
damit ermöglichen. Lebendige Angebote und Kundenorientierung sind berechtigte
Anliegen in unserem oft zynisch abgestumpften Besserwisser-Klima: Der Köder
muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!
Stimmt ja auch: Es gibt nicht gutes außer man tut es!
(Kästner)
Und wenn man es nicht alleine tun kann, muss man die anderen
erreichen, bewegen, beseelen. Das heißt sie in ihrer Welt abholen und plausibel
machen, wie das Angebotene ihren Interessen entspricht, Ihnen Durchblick
ermöglich, sie wirksamer sein lässt und
ihnen in dem, was sie werden wollen, Sinn macht. Bloß keine Zumutungen! Das
Lernen soll Spaß machen, Richtiges
unterhaltsam geboten werden. Ohne zu viel Input soll jeder schon selbst was tun
können. Das fördert ja auch Lernen am meisten, wie neuerdings auch durch die
Gehirnforschung unterstrichen wird.
Auf Tagungen werden,
wirklich gut gemacht, die Teilnehmer eingestimmt, auf einander bezogen,
Bekannte Namen warten mit Vorträgen auf, die ihnen sichtlich geläufig sind und bei der Effekte wohl gesetzt, Emotionen gezielt angesprochen werden. Die
Gags sitzen und es gibt was zu lachen. Ernste Themen sollen auch nicht zu
schwer werden. Sonst geht es wie in dem Witz: „Habe heute in der Zeitung
gelesen, wie gefährlich Rauchen ist und habe sofort damit aufgehört! Mit dem
Rauchen? Nein, mit dem Zeitung lesen.“
Klar, alles richtig. Und wer hat nicht schon unter
inhaltlich richtigen und ehrenwerten Darbietungen gestöhnt, weil sie trocken
blieben und nicht unter die Haut gingen. Doch beschleicht mich manchmal schon
auch ein Unbehagen, wenn ich nicht mehr weiß, ob ich in einer Comedy-Show
sitze, in einer spiritistischen Sitzung oder in einer (small) talk-show, in der
Promis halt vor sich hin erzählen, was ihnen halt so einfällt. Ich kann ja auch
verstehen, dass Vortragstourismus die
Leute auf Tour selbst gelegentlich anödet und sie der Bedeutungsschwere ihrer
überstrapazierten Aussagen müde geworden sind. Aber kann das durch Unterhaltung
ausgeglichen werden? Müsste da nicht die Arbeit im Hintergrund erneuert werden,
durch Balance zwischen selbst erleben und erarbeiten und verkünden neue
Beseeltheit gefunden werden?
Da hat mich eine Aussage eines Intellektuellen und politisch
Engagierten aus der Ex-DDR aufhorchen lassen. Dort wäre man nach der Wende auch
den Segnungen der Eventkultur aus dem Westen ausgesetzt worden, doch wäre das
nicht so gut angekommen. Man wäre mehr daran gewöhnt gewesen, wenn auch öfter
etwas trocken, lange und ausführlich darzustellen und ernsthaft über die
Inhalte zu diskutieren. Das programmatische Anliegen wäre im Vordergrund
gestanden und man hätte gemeinsam
ernsthaft um das Programm gerungen, um das die Veranstaltung ging.
Rückständig? Oder ist doch nicht alles so schlecht gewesen
im anderen Deutschland?
Siehe dazu auch Artikel "Aufgelesen 1 - Vorspiel auf dem Theater"
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