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Blog 4: Event und Programm -Von Bernd Schmid 02.06.2008 Drucken E-Mail

Das habe ich nun in den vielen Jahren gelernt: Es nützt nicht viel, die guten Ideen und bedeutsamen Werte, das ehrenwerte Programm zu haben oder den Ernst der Lage zu betonen. Man muss die Botschaft rüber bringen, beeindrucken,  spielerischen Umgang damit ermöglichen. Lebendige Angebote und Kundenorientierung sind berechtigte Anliegen in unserem oft zynisch abgestumpften Besserwisser-Klima: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler! 

Stimmt ja auch: Es gibt nicht gutes außer man tut es! (Kästner) 

Und wenn man es nicht alleine tun kann, muss man die anderen erreichen, bewegen, beseelen. Das heißt sie in ihrer Welt abholen und plausibel machen, wie das Angebotene ihren Interessen entspricht, Ihnen Durchblick ermöglich, sie  wirksamer sein lässt und ihnen in dem, was sie werden wollen, Sinn macht. Bloß keine Zumutungen! Das Lernen soll Spaß machen,  Richtiges unterhaltsam geboten werden. Ohne zu viel Input soll jeder schon selbst was tun können. Das fördert ja auch Lernen am meisten, wie neuerdings auch durch die Gehirnforschung unterstrichen wird.

Auf Tagungen werden,  wirklich gut gemacht, die Teilnehmer eingestimmt, auf einander bezogen, Bekannte Namen warten mit Vorträgen auf, die ihnen  sichtlich geläufig sind und bei der Effekte wohl gesetzt,  Emotionen gezielt angesprochen werden. Die Gags sitzen und es gibt was zu lachen. Ernste Themen sollen auch nicht zu schwer werden. Sonst geht es wie in dem Witz: „Habe heute in der Zeitung gelesen, wie gefährlich Rauchen ist und habe sofort damit aufgehört! Mit dem Rauchen? Nein, mit dem Zeitung lesen.“

Klar, alles richtig. Und wer hat nicht schon unter inhaltlich richtigen und ehrenwerten Darbietungen gestöhnt, weil sie trocken blieben und nicht unter die Haut gingen. Doch beschleicht mich manchmal schon auch ein Unbehagen, wenn ich nicht mehr weiß, ob ich in einer Comedy-Show sitze, in einer spiritistischen Sitzung oder in einer (small) talk-show, in der Promis halt vor sich hin erzählen, was ihnen halt so einfällt. Ich kann ja auch verstehen, dass  Vortragstourismus die Leute auf Tour selbst gelegentlich anödet und sie der Bedeutungsschwere ihrer überstrapazierten Aussagen müde geworden sind. Aber kann das durch Unterhaltung ausgeglichen werden? Müsste da nicht die Arbeit im Hintergrund erneuert werden, durch Balance zwischen selbst erleben und erarbeiten und verkünden neue Beseeltheit gefunden werden?

Da hat mich eine Aussage eines Intellektuellen und politisch Engagierten aus der Ex-DDR aufhorchen lassen. Dort wäre man nach der Wende auch den Segnungen der Eventkultur aus dem Westen ausgesetzt worden, doch wäre das nicht so gut angekommen. Man wäre mehr daran gewöhnt gewesen, wenn auch öfter etwas trocken, lange und ausführlich darzustellen und ernsthaft über die Inhalte zu diskutieren. Das programmatische Anliegen wäre im Vordergrund gestanden und  man hätte gemeinsam ernsthaft um das Programm gerungen, um das die Veranstaltung ging.

Rückständig? Oder ist doch nicht alles so schlecht gewesen im anderen Deutschland?

Siehe dazu auch Artikel "Aufgelesen 1 - Vorspiel auf dem Theater" 

 

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