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Blog 5: Pferd und Reiter - Von Bernd Schmid 11.06.2008 Drucken E-Mail

Auf der Tagung  Die Kraft von Imaginationen und Visionen haben Gunther Schmidt, Verena Kast und ich auch noch einmal über das Zusammelspiel von unbewusst und bewusst gesprochen. Bei uns allen hat  dieser Unterschied eine andere Wertigkeit bekommen. Unbewusst heißt oft nur, dass noch keine Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird. Die richtige Frage macht daraus oft ganz leicht Bewusstsein. (Mara Selvini Palazzoli: “Widerstand? Das ist die Dummheit des Therapeuten!“) Auch Verena Kast nimmt Tagträume wie die der Nacht als imaginative Räume, die Berater und Klient gemeinsam betreten und umgestalten können.

Milton Erickson legte uns die Schablonen des „unconscious mind“ als instinktiv gesund und des „conscious mind“ als starr und unkreativ nahe. Dazu werden z.B. solche Stories erzählt: Ein Reiter kam in an ein Hindernis, das derzeit nicht zu passieren war. Er beschloss trotzdem nicht aufzugeben. Man fand später seine Leiche, nicht jedoch die des Pferdes.........

Gunther und ich sind uns einig, dass solche Polarisierungen keine Plausibilität mehr besitzen. Es geht heute um eine kritisches und kreatives Zusammenspiel. Mir ist ein beseelter Verstand genauso wertvoll wie beseelte Intuition.

Dazu ist mir eine Episode aus meiner Jugend eingefallen:

Ich war ca.15 Jahre alt und ein begeisterter Nachwuchs-Reiter in einem Provinz-Reit-Verein. Die Mietpferde, auf denen wir lernten, waren drittklassig. Nun sollte ich neben Dressur auch Springen lernen. Mein Reitlehrer war ein sympathischer, recht raubeiniger Ex-Kavallerist. An einem regnerischen Tag stellte er ein Cavaletti (ca. 40 cm hohes Balkenhindernis) quer über den pfützennassen Kies-Platz und hieß mich darauf zuzugaloppieren, um mich dann zum Sprung nach vorne zu neigen.

Springen über Hindernisse gehört  nicht zu den natürlichen Verhaltensweisen von Pferden, wie ich dann erfuhr, und  mein Pferd ‚ Abruzze’ konnte Springen so wenig wie ich. Es galoppierte  auf das Hindernis los und ich beugte mich, den Sprung erwartend, nach vorne. Direkt vor dem Hindernis stemmte Abruzze die Vorderbeine in den Kies, stoppte  abrupt und senkte den Kopf. Ich selbst überwand in einem hohen Bogen  das Hindernis, nur halt ohne Pferd und landete im Matsch. Beim nächsten mal stemmt ich mich nach hinten, um gegen das Stoppen gewappnet zu sein. Abruzze stoppte auch wieder kurz, sprang dann aber doch und das in einem ungestümen Bocksprung. Und schleuderte mich in einem noch höheren Bogen in den Matsch. Immerhin wir waren beide drüben. Mindestens ein Duzend Abstiege dieser Art, immer in neuen überraschenden Varianten erlebte ich in dieser Reitstunde. Doch es gelang schließlich, dass Pferd und Reiter über das Hindernis kamen und langsam ein richtiges Maß, einen richtigen Rhythmus und einen Zusammenklang fanden.

Was hätte Milton Erickson nun gesagt, zu mir, zum Pferd, zu dieser Reitstunde, zu meinem Reitlehrer und seinen Methoden?

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