Startseite arrow Bernd Schmids Blog arrow Blog 6: Beweglichkeit, Boule und kleine Siege - Von Bernd Schmid 23.06.2008
Startseite
Bernd Schmids Blog
Professionelles
Fachveröffentlichungen
Literarisches
Privates
Bildbox
Blog-Abonnement
Blog 6: Beweglichkeit, Boule und kleine Siege - Von Bernd Schmid 23.06.2008 Drucken E-Mail

Gestern haben nicht nur die Spanier im Viertelfinale der
Europa-Meisterschaft einen nicht unbedingt erwarteten Triumph gefeiert,
sondern auch ich. Ich habe im Boule meinen Vereinsmeistertitel vom Vorjahr
(Triplette) verteidigen können.

Larry, Hans und Bernd

Gut, zugegeben, es ist ein kleiner Provinzverein und die öffentliche
Aufmerksamkeit war nicht überwältigend. Aber ein paar Leute haben schon
zugeschaut und sogar applaudiert. Und die Lokalzeitung wird sicher auch
berichten.

Überhaupt gehört der ehemalige Stadtbahnhof in Wiesloch, auf
dessen malerischem Gelände die Boulefreunde Wiesloch spielen, zu den
deutlich kleineren Bühnen dieser Welt. Und Corso gab es auch keinen. Aber
das könnte man ja umweltmäßig ohnehin nicht gut heißen.

Aber nun mal im Ernst: Warum bereitet mir so ein kleiner Sieg Freude? Je
älter ich werde, um so mehr relativieren sich Gewinne an sich. Wichtiger ist
das drum herum.

Ich mag die lockere Kameradschaft mit Leuten hier vor Ort aus allen Schichten und Berufen. Da ist gute Vereinskultur. Es wird wenig Alkohol
getrunken, jeder wird einbezogen, respektiert und gestützt, egal wie gut er
gerade drauf ist. Ich habe früher lieber Mann gegen Mann gespielt: Ganz bei
mir sein,  den Gegner fest im Auge. Doch spiele ich mehr und mehr gerne in
der Mannschaft. Ich bin stolz, wenn ich’s mit für die anderen richten kann
und fühle mich getragen, wenn sie es auch für mich rausreißen.

„Boule ist Golf für Jedermann!“, sage ich immer und reihe mich
gerne ein. Boule kann man überall spielen, ohne Pomp und
Landschaftsverbrauch. Mit Boule kann jeder problemlos anfangen. Boule ist
aber auch ein anspruchsvolles Spiel, voller Varianten und taktischer
Raffinessen. Und das Wichtigste: Man kann Boule nicht „beherrschen“, wenn
man sich nicht selbst findet. Wenn das aber gelingt und man mit sich und
einem eigentlich unberechenbaren Gelände ins Reine kommt, ist das ein tolles
Gefühl: Eigentlich Unmögliches wird möglich. Boule ist für mich Meditation.

Na ja, und eben auch Hirntraining. Wie Chorsingen und Tennis.  Apropos
Tennis: Klar könnte ich beim Tennis nicht gegen jeden anstinken. Doch ich
spiele mit meinem Partner nun seit ca. 20 Jahren und wir werden eigentlich
immer besser. Obwohl man mit 61 nicht mehr aus voller Jugendlichkeit
schöpfen kann, nehmen  Beweglichkeit,  Körperbeherrschung und damit
Präzision und  Spielwitz immer mehr zu. Die Funktionslust und das flüssige
Selbsterleben werden mehr. Ich glaube, dass Beweglichkeit in erster Linie im
Hirn und in den psychischen Haltungen zunimmt und damit eben auch
Koordination von Körper und was sonst noch dazu gehört, wie z.B. Überblick
und anhaltende lockere Konzentration.

Na ja, einer der Vorteile des Älterwerdens ist, dass man sich über kleine
Dinge immer mehr freuen kann. Das ist doch was. Oder?

Wenn Sie diesen Blog kommentieren möchten, dann schreiben Sie bitte eine email an: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 
< zurück   weiter >
ISB Schwäne