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Die Deutschen seien ein ängstliches Volk. Unsere Gesellschaft sei derzeit, „von Risikofurcht und Kontrollbedürfnissen beherrscht.“ [1]
Da ist wohl was dran. Sicher trifft das nicht nur auf uns zu. Aber kehren wir ruhig erst mal vor der eigenen Tür. Denn z.B. sollen 2/3 aller steuerrechtlichen Schriften des Globus in Deutsch abgefasst sein.
Meine Erfahrungen z.B. aus verschiedenen Verbänden bestätigen: Wenn uns etwas wertvoll ist, wollen wir es in Regularien gießen und deren Einhaltung durch Kontrolle sichern. Es reicht uns nicht, das Gemeinte im Wesentlichen zu bestimmen und es dann im persönlichen Dialog und notfalls durch Streit und Konfrontation lebendig zu halten. Nein, wir wollen es kontrollieren. Und pervertieren es damit oft genug. Ich fand schon immer, dass durch Kontrolle die falschen Prozesse mit Aufmerksamkeit und die falschen Leute mit Gewichtigkeit versorgt werden.
Natürlich verheißt Kontrolle Sauberkeit, Schutz vor Fehlentwicklung und Missbrauch. Doch: Mit Kontrolle erwischt man konkret nicht die, die man meint, oder nur um den Preis einer Überwachungskultur. Dafür belastet man alle anderen mit unnötigem Kontrollaufwand und schürt eine Angst- und Absicherungskultur.
Und wer hat dann noch Lust, solche Prozesse zu steuern? Wer bleibt in solchen Gremien übrig, nachdem sich von denen, die anderes zu tun haben, die meisten verabschiedet haben? Und sind das dann die, die gerne Kontrolle und Verfahren überflüssig machen? Oder eher die, die ihre Wichtigkeit darüber sichern?
Also lieber randscharfeAbgrenzungen, Regeln, scheinbar objektive Verfahren und Gremien, aus denen heraus man legitimiert agieren kann? Vielleicht haben wir oft bloß zu wenig Mut oder Vertrauen, um auf persönliche Begegnung zu setzen. Die Kräfte sind mit Verwaltung und Kontrolle befasst. Die Sicherung des Ackers, auf den wir Anspruch erheben, ersetzt dessen Bestellung[ Dann bleibt die Ernte knapp und in den Vordergrund drängen sich Verteilungsfragen. Dabei hätte die gemeinsame Arbeit auf diesem Acker frei und froh machen und reiche Ernte bringen können.
Was stört es, wenn sich einige dazugesellen wollen, denen gegenüber Skepsis angebracht ist? Wer nicht mitmacht oder sich daneben benimmt, fühlt sich in einer lebendigen und durch persönliche Verantwortung und Begegnung geprägten Kultur nicht wohl. Entweder er entwickelt sich in die gelebte Kultur hinein oder verabschiedet sich früher oder später von selbst. Und dann bleiben die Richtigen und bringen gerne ihre Freunde mit. Und wir haben Kraft für das, was uns eigentlich wichtig ist.
Sicher gilt das so nicht überall, aber doch zu oft. Da ist noch Luft Richtung mehr Lebendigkeit, Vertrauen, persönlicher Dialog und Verbindlichkeit im Wesentlichen.
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[1] Winfried Hassemer (2008), ehem. Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts im Interview Süddeutsche Zeitung Nr. 134 S.6.
2] 104 Identität und Abgrenzung - B. Schmid 2004 (www.isb-w.de / Studienschriften)
[3] 023 Lifespender value - B. Schmid 1997 Hat die Personalarbeit den Menschen aus den Augen verloren? (www.isb-w.de / Studienschriften)
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