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Blog 19: Das Seelenschiff - Von Bernd Schmid 18.12.2008 Drucken E-Mail
Das Seelenschiff
König Tut
 Das Seelenschiff, große Version (Pieter Sohl 2008)
 Der König (Tutanchamun) mit der Harpune

Mein diesjähriger Weihnachtsbrief ist eher ein Adventsbrief. Er erzählt von Ankunft und Aufbruch.

Es sind in diesen Tagen die ungewöhnlichen Dinge, die unsere besondere Aufmerksamkeit finden, Zusammenhänge über Zeit und Raum,
keine ursächlichen, wohl aber zum Sinnieren aufrufende.

Gestern  holten wir die kleinere Version des Seelenschiffs beim Heidelberger Künstler Pieter Sohl ab. Sie ist für das Grab unseres Sohnes Peter bestimmt. Unseren Peter haben wir am 23.11.2001 tot in unserem Garten aufgefunden.
Er war 17 Jahre alt.
 „Der Engel, der soviel Liebe in unser Leben gebracht hat, ist weiter gezogen. Wir müssen lernen ohne ihn zu Leben!“ haben wir in der Todesanzeige formuliert. Und wir haben es gelernt.

Wir haben auch 7 Jahre gebraucht, um das Grab, das bisher ein kleiner wilder Garten war, neu zu gestalten, mit zwei dramatischen Natursteinen (grün-weißer Granit aus Lappland) und einer Säule, auf der das Seelenschiff unterwegs sein wird.
Die große Version wird bei uns im Garten stehen, dort wo Peter zu seiner letzten Reise aufgebrochen ist.

Es gab über die Jahre verschiedene Entwürfe für die Grabgestaltung, doch erst jetzt war die Zeit reif. Das Motiv für das Seelenschiff geht auf eine Kunstpostkarte zurück, die seit 27 Jahren in einem goldenen Rahmen auf meinem Schreibtisch steht: Der König Tut Ench Amun starb ca. 18jährig zwischen Ende Dezember 1324 v. Chr. und Mitte Februar 1323 v. Chr.  Mich berührte  die Anmut in der Haltung auf dieser winzigen Barke, der Blick,  nicht auf ein Ziel, sondern auf  Erschauen gerichtet, die Harpune,  zwar von seiner Hand gehalten und doch aus anderen Dimensionen geführt.

Peter hatte etwas von dieser überirdischen Zartheit, etwas strahlte durch ihn hindurch. Gleichzeitig war er ein begeisterter Segler,  zwar körperlich schwach, da half ein Freund aus, aber mit wachem weitem Blick für die Winde und Strömungen und den richtigen Kurs.

Als wir den Künstler in seinem Atelier ( Kohlhof 7) besuchten, bemerkten wir, dass er in dem Haus wohnte, um das meine Frau und ich uns 1981 vergeblich beworben hatten, bevor wir uns dann für Wiesloch entschieden. Wir erfuhren, dass auch er einen Sohn verloren hat. Eine hölzerne Skulptur schwebend unter der Decke seines Ateliers,  ein Zwischending zwischen Sarkophag und Boot,lässt diesen Sohn gegenwärtig sein. 

Pieter Sohl erzählte vom eigenen Sohn und nahm unsere Geschichte wie auch das Bild vom König mit der Harpune in sich auf. Wir sprachen über Peters Liebe zum Mond und über Ägyptische Mythologie.

Schließlich ist aus all dem das Seelenschiff geworden.

Gestern (17.12.) haben wir die kleinere Bronzestatue für das Grab abgeholt. Heute schreibe ich diese Zeilen. Dafür habe ich die Karte aus dem Rahmen genommen. Ein Weihnachtsgruß von Freunden vom 17.12.1981. Da waren es noch mehr als 2 Jahre bis zur Ankunft unseres Peters in dieser Welt....


Die Anthroposophen sagen, dass am Todestag dieses Jahr sein 7. Geburtstag im Himmel zu feiern war. Uns fehlt er einfach nur.

Der Astro-Physiker Bruno Binggeli ( Primum mobile: Dantes Jenseitsreise und die moderne Kosmologie) sagt, die Beschreibungen für Engel im mittelalterlichen Weltbild entsprechen der heutigen Beschreibung von Photonen? Sie sind überall anwesend, ohne Materie, ohne Ort und ohne Zeit.

Euch/Ihnen allen eine ahnungsvolle Zeit der heiligen Nächte.

 

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