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Blog 48: Titan(ic)s - Von Bernd Schmid 01.06.2010 Drucken E-Mail

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Oft sitze ich mit Lehrtrainern zusammen und lasse mir aus unseren Weiterbildungsgruppen für Professionelle und deren Organisationen erzählen. Da sind erfreulicherweise die derzeit Erleichterten und Beglückten, denen neues Arbeiten gelingt und die im Lebensgefüge vieles neu in Balance bringen. Neue Kompetenzen und Haltungen, veränderte Rollen und Funktionen ermöglichen bessere Passung, berufliche Entwicklungen, in denen Eigenarten und Passionen Platz finden.

Daneben sind Professionelle oft auch extrem belastet. Da ist der Kollege, der den ersten Seminartag braucht, um aus einer turbulenten Arbeit überhaupt im Seminar an- und zur Besinnung zu kommen. Da ist die Kollegin, deren Chef morgens um 6 Uhr privat anruft, um noch zusätzliche Anweisungen für den Tag zu geben oder sonntags per Email Aufträge erteilt, die bis Montagmorgen erledigt sein sollen. Da ist der Kollege, der sich damit konfrontiert sieht, dass wegen länger bekannter Ausfälle von mehreren Kollegen alles auf seinem Schreibtisch landet. Seine Ansage an den Chef, dass dies nicht zu machen sei, wird mit hilfloser Großzügigkeit beantwortet: Dann lassen Sie halt einige Themen weg! Für Klärungen wo und wie hat dieser leider keine Kraft. Er ist selbst heillos überlastet. Und wer wird verantwortlich gemacht, wenn dann Maschen herunterfallen?
Da ist die 35jährige, die nach Monaten der Rehabilitation wegen Burnout einen Weg ins Arbeitsleben zurück sucht. Da ist die Kollegin, deren immer wieder aufgeschobener Kinderwunsch letztlich unerfüllt bleiben wird. Da ist der Manager, dessen Fortkommen im Unternehmen fraglich wird, da er sich weigert mit Frau und Kindern nach Shanghai umzuziehen.

Heißt „außertariflich“ heute eigentlich schutzlos gegenüber Ausbeutung?

Klar! Wir müssen am Weltmarkt konkurrenzfähig sein (Um jeden Preis? Und wer eigentlich? In welchen Disziplinen? In wessen Interesse?). Aber muss soviel oft besinnungslos anmutender Druck sein? In unseren Weiterbildungen sitzen doch eh Leute, denen Leistung und Professionalität etwas bedeuten. Kann man kein Vertrauen in ihre eigenen Ansprüche haben?

Wenn krasse Schilderungen die Ausnahmen blieben, und man sich dabei über Normalität und vernünftiges Maß verständigen könnte, kein Problem. Doch Belastungen werden zum Dauerstress, Probleme zu Dilemmata.[1] Was mich betroffen macht, ist die epidemische Ausbreitung solcher Verhältnisse und dass Irrwitz schleichend zur Selbstverständlichkeit mutiert. Dass Menschen sich notgedrungen oder verführt willig an (Selbst-) Ausbeutung beteiligen, entlastet nicht von Verantwortung derer, die missbräuchliche Verhältnisse inszenieren oder dulden.

Dazu kommt, dass vieles bei näherem Hinsehen nicht wirklich zu Leistung führt!
Sollen Hektik und „heiße Luft“ oft nicht vorrangig  Angst und Selbstwertzweifel vertreiben? Jagd nach Kick und Schein, weil Wert- und Haltgebende Maßstäbe verloren gehen. Grips, Herzblut und volles Engagement der Ernsthaften werden auch tatsächlich oft Makulatur, weil es im Umfeld an strategischer Klugheit, Timing, umsichtigem Umgang mit Ressourcen und Ankoppelung an komplementäre Prozesse fehlt. Am Ende zu oft: Außer Spesen nichts gewesen! Und dann wieder: Ein neues Spiel, ein neues Glück? Weil bisherige Fehlversuche teuer waren, sollen jetzt größere Räder noch schneller gedreht werden.

Und Lernen aus Erfahrung? Sich bescheiden und vorsichtiges Experimentieren wegen Unsicherheit und Risiko? Wird das gewürdigt, ermutigt? Oder sind Nachhaltigkeit und Verantwortung für Ressourcen, auch für die Lebenskraft von Professionellen nur Schlagwörter? Will man ohne Bodenpflege ernten was geht, auch wenn der Boden schleichend verwüstet wird?

Klar! Der Mensch ist vielleicht eben nicht das Vernunftwesen, das wir gerne in ihm sehen wollen. Dennoch sollten wir den Versuch nicht aufgeben. Vielleicht hilft ja die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Wenn gute Kräfte immer schwieriger zu finden sind und wenn diese Ansprüche an Lebensqualität bei der Arbeit erheben, dann kommen vielleicht die Organisationen zum Zug, die mit leistungs- und lebensfreundlicher Organisationskultur ernst machen.[2]

Ach ja! Warum  eigentlich Titan(ic)s?

Dieser Begriff fiel mir speziell zu jungen, begabten, engagierten Professionellen ein. Gerade sie scheinen immer häufiger und früher auszubrennen. Sie entwickeln Ohrgeräusche, Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, körperliche und psychische Symptome aller Art oder Depressionen. Potentielle Titanen, die schon mit einem Eisberg kollidiert sind oder sich auf bedenklichem Kurs befinden. Sie könnten ein eigenes Netzwerk bilden und unter Artgenossen mit unserer Unterstützung,  Balance zu finden, ihre Navigation überprüfen, sich auf eine gesündere Verwirklichung ihrer Werte und Lebensziele besinnen.

Für uns alle habe ich eine Phantasie: In jedem Büro hängt eine Tafel mit Geboten (und Verboten), die uns daran erinnert, welche Regeln im Umgang mit einander und in Führungsbeziehungen gelten sollten. Nicht dass man sich sklavisch daran halten müsste, aber damit wieder klar wird, was vernünftig und anständig ist und was nicht.

Wir würden uns über Mails freuen, in denen uns Vorschläge zu Geboten und Verboten gemacht werden. Was soll verboten sein, weil es an Kraft, Wohlbefinden und Sinnfindung zehrt? Was soll geboten sein, weil es aufbaut, entschädigt, zu sich finden lässt? Gerne dürfen dazu auch Beispiele und Begebenheiten erzählt werden. Vielleicht lässt sich das in eine Liste Do`s und Dont`s mit flatternden Schwänen darüber verarbeiten, die wir dann gerne zur Verfügung stellen.

[1]siehe hierzu auch:
Zwickmühlen und der Dilemmazirkel - Bernd Schmid 1988 (http://www.systemische-professionalitaet.de/isbweb/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=553)
Dilemmata, Ökonomie und Ökologie im Umfeld unserer Profession - Bernd Schmid 1993 (http://www.systemische-professionalitaet.de/isbweb/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=436)
Dilemma-Kulturzirkel - Bernd Schmid (http://www.systemische-professionalitaet.de/isbweb/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=486)
[2]siehe hierzu auch:
Lifespender's Value - oder: hat die Personalarbeit den Menschen aus den Augen verloren? (http://perspektive-blau.de/artikel/0809b/0809b.htm)
Personalarbeit - auf der Suche nach dem menschlichen Maß - Bernd Schmid (http://www.systemische-professionalitaet.de/isbweb/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=501)

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Kommentare zum Blog

Frau Christiane Gérard

Witsum, den 3.Juni 2010

Lieber Bernd,
kennst du das weite Wattenmeer der Nordsee? Eine unendliche
Projektionsfläche für den meditativen Wanderer!
Und so erging es mir gestern bei unserem sechsstündigen Weg von Föhr nach
Amrum- 7 km über das Watt und anschließend über den breiten und 12km langen
Kniepsand bis zum Hafen der Insel. Im Kopf bewegten mich dein letzter Blog
(Titanics), mein bisher vergeblicher Versuch, einen Verlag für mein SHT-Buch
zu finden, die Absagen der Verlage zur Veröffentlichung meines
Schlafmonsters, die brotlose Kunst meines hochbegabten Malerbruders
Cornelius- dann auf der anderen Seite das Erleben der jetzigen „Lena-Manie“
und wieder auf einer anderen Seite die erfreute Verwunderung über den
vermehrten Ruf nach „Frau Käsmann for president“ und die Diskussionen über
die Kriterien für das neue Amt ( aktuell beim Schreiben erfahre ich entsetzt
gerade den Wahlvorschlag:
Herr Wulf! Mannomann!.
Und wie die kleinen Wasseräderchen im Watt zu größeren zusammenfließen, um
sich dann in einem Pril zu vereinen, so sammelten sich meine Gedanken
allmählich zu einem Mainstream von Fragen wie:
-    auf wen hört man, die Gesellschaft?
-    Wer hat Einfluss?
-    Wer oder was prägt wie Geist und Kultur?
-    Wodurch wird etwas zum Mainstream und anderes versickert?
-    Was brauchen die kunstvollen, vielsagenden Bilder meines Bruders,
was
brauchen die so stimmigen und relevanten Ideen und Gedanken eines Bernd
Schmids, damit sie in ihrer Bedeutung besser, schneller und tiefgründiger
wahrgenommen und wirksam werden können?
-    Was macht die Kraft aus, die Bedeutsamkeit transportiert?
-    Was braucht es, um Bedeutsames über längere Zeit als
gesellschaftsbestimmend zu bewahren? Gerade die letzten politischen Krisen
(z.B. Bankenkrisen) zeigen, wie rasch die Notwendigkeiten, Veränderungen zu
initiieren und durchzuführen, wieder im Sande versickern.
-    Braucht es heute andere Kräfte als früher, wenn welche?

Auch im Watt sind Prile verschwunden und an anderen Stellen wieder
aufgetaucht. Die Orientierung an alten Orten kann zu Verirrungen führen.
Muss ich mich jetzt an diesen neuen Mainstreams orientieren? Muss ich mich
angesichts der Komplexität von Ursache und Wirkungszusammenhängen der
Gezeiten und der Ströme bescheiden, immer den jeweiligen Mainstreams zu
folgen und meine individuelle Bahn nur innerhalb des mir bleibenden
Einflussgebietes zu ziehen, das nur Tropfen in dem Ganzen bleiben wird?
Im Watt ist die Antwort auf diese Frage klar: ein gröberes Abweichen vom
Hauptweg würde unweigerlich zum Ertrinken führen.

Wie sähe die von dir in deinem Blog geschilderte Situation des ausgebeuteten
Managers in meinem Wattbild aus?: Die Menschen wären durch die Wattführer
und ihre Institutionen gezwungen, immer rascher das Watt zu durchqueren,
obwohl Ebbe und Flut dies zeitlich nicht hergeben. Die Leute stünden also
immer öfter bis zum Kopf im Wasser, manche würden ertrinken, andere
fortgerissen von Strudeln und reissenden Strömen, viele wären bald sehr
erschöpft.
Würden deine Projekte etwas gegen diese Wattführer und ihre Institutionen
ausrichten können? Wenn du die Leute mit Schwimmwesten, Schwimmanzügen und
Ankern ausrüsten würdest, so dass sie gegen den Strom schwimmen oder in ihm
bestehen könnten- wäre ihnen dann geholfen, würde sich etwas an der
menschenunwürdigen und widernatürlichen Art, das Watt zu überqueren ändern?
Würde vielleicht langfristig das Überleben dieser gut ausgerüsteten und gut
versorgten Wattläufer eine neue Wattwanderkultur auslösen?

Und so weiter.. Wenn du Lust hast und das Bild für dich passt, kannst du es
weiter ausmalen – oder ausmalen lassen.....

Frau Regine Martin

Lieber Bernd,

es gibt wenig hinzuzufügen, zu dem, was Du schreibst und gut dass Du den Strauß von Themen aufgreifst, die da zusammenhängen.

Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass in der ganzen, unüberschaubar erscheinenden Komplexität unserer Welt die Sehnsucht nach Überschaubarkeit und Kontrolle einfach da ist, stärker wird und sicherlich noch weiter deutlich zunehmen wird. Die Tendenz zur Zentralisierung in vielen Unternehmen (nach jahrelang gegenläufigen Prozessen in Richtung Dezentralisierung) zeugt von dieser Sehnsucht. Die jüngsten Ereignisse in unserem politischen Umfeld zeugen ebenfalls davon. Die Dinge geraten ordentlich aus den Fugen und die Ratlosigkeit ist groß. Es gibt, passend zur Globalisierung keine global orientierten, befähigten oder beauftragten Institutionen oder Instanzen… schon gar keine demokratisch gewählten, beauftragten… alles, was passiert, scheint Zufällen, beliebigen Dynamiken, zufällig agierenden Personen überlassen. Es erscheint wie ein großes Glücksspiel, ob die richtigen Leute eventuell zum richtigen Zeitpunkt mit hilfreichen Ideen und Lösungsansätzen am richtigen Ort sitzen und die Chance haben, etwas zu bewegen… Und es ist ein Glück, wenn die andere Seite der Gambler und Zocker, derjenigen, die immer noch glauben, sie könnten sich auf Kosten des Systems bereichern und dies überleben, wenn die sich nicht durchsetzen… das erzeugt bei sehr vielen Menschen auf einer weniger bewussten Ebene sehr viel Stress und Angst.

In einem solchen Kontext versucht dann eben fast jede/r das zu tun, was er als hilfreich für die jeweilige Situation oder auch nur für sich selbst einordnet. Selbst unser bisheriger Bundespräsident hat ja keine andere Möglichkeit der Lösung mehr gesehen und gefunden, als die, sich auf höchst eigenartige Weise davonzumachen. Ich glaube in einem solchen Kontext sind Ängste, Verzweiflung, Depressionen, Energieverluste, Ausgebranntheit, Dilemmata, irrationale Entscheidungen und Verhaltensweisen… Lösungsversuche, die vielleicht nicht wirklich hilfreich aber durchaus verstehbar sind. Eigentlich ist das nicht so ertaunlich, wenn auch alles andere als gut und hilfreich… Das könnte ausführlicher und umfassender diskutiert und mit zahlreichen Beispielen ergänzt werden… aber was hilft es letztlich. Wir können eben meist nur in unserem unmittelbaren Umfeld Dinge beeinflussen und bewegen.

Meine persönliche Lösung ist, mir die neueseten neuropsychologischen Forschungsergebnisse zunutze zu machen und meinem Repertoire an Methoden die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcenmodell, dem adaptiven Unbewussten, dem Rubikon Prozess, den somatischen Markern… hinzuzufügen. Das hilft mir selbst und meinen Klienten sehr bei der Arbeit an den eigenen Selbststeuerungskompetenzen. Wenn ich meine Umwelt nur bedingt oder nicht steuern und gestalten kann, dann ist es gut, mich selbst besser steuern zu können. Ich bin am Zweifeln in wieweit Regeln helfen. Ich weiß aber dass Haltungsziele und der achtsame Umgang mit somatischen Markern für die Selbststeuerung von großer Bedeutung sind.

Ich selbst habe schon vor längerer Zeit gemerkt, dass ich immer wieder in Dilemmata und "Fast-Burnouts" hinein geriet… Es ist mir Gott sei Dank bisher immer wieder gelungen, aus dem jeweilgen Dilemmazirkel auszusteigen und umzusteigen in einen Lösungszirkel oder vor dem Burnout die Notbremse zu ziehen … :-))) Ich habe selbst (und auch mit Klienten) daran gearbeitet, lange nach guten Möglichkeiten gesucht, damit lösungsorientiert umzugehen… und ich habe alle meine Möglichkeiten ausgeschöpft, um in einem guten Sinne arbeits- und leistungsfähig bleiben zu können. Seit ich mit dem ZRM arbeite, helfen mir gute Haltungsziele (und "wohladaptive neuronale Netze" im Sinne meiner  Absichten .-))) mich selbst so zu steuern, dass der letzte Anflug von Burnout Gott sei Dank schon eine Weile her ist. Eines meiner Haltungsziele: "von Katzen kann ich noch was lernen!" - und das stimmt!


Herr Daniel Schultz-Amling 

Hallo Bernd!

Bei den von Dir aufgeführten Beispielen fallen mir spontan folgende Regeln ein, die schön wären, wenn sie in solchen Firmenkulturen (wieder) Beachtung
fänden:

* "Wir respektieren die persönlichen Grenzen des Anderen."
==> Private Anrufe schon morgens um 6 Uhr oder am Wochenende mit dienstlichen Aufträgen zeugen für mich davon, dass in den Beziehungen keine Grenzen mehr respektiert werden. Auch werden die Regeln des Arbeitsvertrags (der ja u.a. eine Wochenarbeitszeit "Leistung gegen Gehalt" vereinbart) verletzt. Komischerweise wundert sich die Gesellschaft dann, wenn unsere Kinder und Jugendlichen keine Grenzen und Regeln mehr kennen bzw. beachten - sie bekommen es aus der Wirtschaft doch mit vorgelebt!

* "Jeder übernimmt die Verantwortung für sich und seinen Schreibtisch - angefangen beim Vorstand."
==> Egal, wo ich hingucke, fast überall liegt in Firmen nicht wahrgenommene Verantwortung herum, die dann meist von den Leuten zuerst aufgehoben und an sich genommen wird, die dafür nicht zuständig sind. Hier braucht es nicht nur in den Firmen sondern gesamtgesellschaftlich eine Diskussion, wo welche Verantwortung hingehört und wer sie wie wahrnehmen sollte (und wer welche Verantwortung strikt ablehnt, weil sie wo anders hingehört). Wenn also wie ich es auch aus meinem Freundeskreis kenne zig (unbezahlte, natürlich) Überstunden geleistet werden, nicht nur weil Kollegen krank sind, sondern erst gar nicht eingestellt wurden/werden, nimmt das Unternehmen die Verantwortung der Arbeits- und Personalplanung nicht wahr. Und was viele Führungskräfte bis zum Vorstand gerne vergessen: sie sind persönlich haftbar, wenn sie den Mitarbeiter nicht nach spätestens 10 Stunden nach Hause schicken und hier ihre Fürsorgepflicht verletzen.

Allerdings gilt die Verantwortungssache auch für jeden persönlich: ich bin mit dafür verantwortlich, wenn ich meine Grenzen verletzen lasse oder wenn ich die Verantwortung, die an anderer Stelle nicht wahrgenommen wird stellvertretend zu mir nehme! Bis sich so ein System ändert können wir noch lange warten, aber jeder Einzelne kann im eigenen Bereich anfangen zu rütteln.

* "Wir üben uns in Lösungsorientierung."
==> Bis heute werden ja in vielen Unternehmen gerne Schuldige gesucht und in der problematischen Vergangenheit gewühlt - mit dem Ergebnis, dass a) sich nichts ändert, b) die "Schuldigen" versetzt, entlassen oder gemobbt werden und c) die andauernden "Gerichtssaalspiele" jährlich Milliarden an Produktivität verbrennen. Entsprechend verhindert genau dies eine offene Kommunikationskultur, in der Kritisches angesprochen und über Verantwortung gesprochen werden kann. Wie schön wäre es, wenn sich eine lösungs- und ressourcenorientierte Kultur noch mehr verbreiten würde, wo sehr wohl Probleme angesprochen werden, die gemeinsam angegangen werden, ohne dass die "Ansprecher" schief angeguckt werden.

Ich bin gespannt, was Du noch an Rückmeldungen erhältst.

Frau Dominique René Fara

Hallo Bernd,

vielen Dank für den immer wieder schönen Blog! Du fragtest nach Punkten, die auf einer Liste für die Büros stehen könnten

Hier der für mich wichtigste Punkt:

Es wird sehr häufig die Geschwindigkeit mit dem Ziel verwechselt.

(Soll heißen: Insbesondere in große Konzernen geht es immer darum besonders schnell und korrekt zu reagieren, es geht viel weniger darum, was das Ziel hinter der Aktion ist. Bzw. manchmal ist das Ziel einfach nur die eigene Angreifbarkeit so gering wie möglich zu halten, jedoch nicht die Optimierung des Unternehmenserfolgs.)

Meine absolute Überzeugung ist es, dass wir wesentlich weniger Stress hätten und dabei viel mehr Erfolg (Output), wenn die Ziele klar wären und jede Aufgabe daraufhin kontrolliert würde, ob das Ziel mit der Aktion verfolgt wird und ggf. ob es die beste Aktion zur Verfolgung des Ziels ist. Mit anderen Worten Effektivität und Effizienz zur Zielerreichung.

Frau Rieke Engelhardt

Lieber Bernd,
ich teile die Beobachtung.
Mein "Gegenmittel" ist die Netzwerkbildung und die Verbreitung von (er)Kenntnissen über das Wesen eines Profitbetriebes und seiner Akteure zum Aufbau und Ausbau des Selbstschutzes.

Mit den Regeln tue ich mich schwer, vielleicht, weil ich immer häufiger mit der Forderung nach Regeln im Sinne von Checklisten konfrontiert werde.
Bewusst Forderung und nicht Wunsch. Die Idee, die dahinter steckt: Wenn ich Regeln habe, weiß ich wie es geht und muss weder denken noch fühlen. Ich befolge einfach, was auf dem Papier steht und dann stimmt es. Das Erwartungsmanagement, dass dann folgt ist ein schwerer Prozess der Konfrontation, der immer wieder auch meine Professionalität in Frage stellt.
Schließlich gibt es Regeln auf dem Markt der Ratgeberbücher. Im Sinne von Hüther sind Regeln für mich "Außenskelett". Innenskelett ist Haltung.
Spüren, dass es passt, ansprechen, wenn es nicht passt. Sich nicht verbiegen oder nur gegen verhandelte Gegenleistung. Kann man das aufschreiben?
Vielleicht kann man es malen, ein Symbol finden, Bilder in die Köpfe pflanzen...


Frau Martina Onorato

Lieber Bernd (ich hoffe, das Wiesloch „Du“ ist in Ordnung und erlaubt?!),

schon zu Deinem BLOG „Vergänglichkeit“ wollte ich Dir schreiben, fand dann aber doch nicht die Muße dazu..

Genieße es sehr, im Kontrast zu all dem wachstumsorientierten Streben in meinem täglichen –wirtschaftsgeprägten- Kontext immer mal wieder Deine nachdenklichen, nach innen gekehrten Worte und Gedanken zu lesen..

Seit dem Tod meines Vaters im letzten Herbst hat mein Leben einen ganz neuen „Beigeschmack“ bekommen – ein leises „Moll“… AN vielen Stellen aber auch tiefere Bewußt-heit und Genießen-Können.

Jedenfalls: Danke Dir, mich in deinem Blog an Deinen Gedanken und Seelenbewegungen teilhaben zu lassen!

Eng damit verbunden und daraus entstanden auch meine Anregung zur geplanten „do’s & dont’s“ Liste: auch in dauerndem Getrieben-sein unterwegs frage ich mich immer wieder, manchmal mehrmals täglich: „Was ist wirklich wesentlich (für meine Ziele)? Bzw. Was gescheiht, wenn ich … NICHT tue?“

(Ein Kollege erzählte sogar neulich von dieser Frage als Intervention, innerhalb eines Coachings in enger zeitlicher Taktung wiederholt..)

Mir hilft das, wenn ich zu sehr in „Rödel-Trance“ gerate, mich wieder zu „erden“ und auf’s Wesentliche zu besinnen.. 

Herr Oliver Birükof

Lieber Bernd,

vielen Dank für Deinen letzten Blogartikel.

Mit meinen jungen 28 Jahren sehe ich in meiner Generation genau diese kritischen Situationen meiner Mitmenschen, die sich nahe der Selbstaufgabe befinden. Mich selbst muss ich auch immer wieder nach meiner Navigation, meinen Werten und meinen Zielen fragen.
Die Schwierigkeit dabei ist doch, dass wir es in unserer Gesellschaft/in unseren Organisationen nicht lernen diese Fragen zu stellen. Uns selbst diese Fragen zu stellen. Und erst recht nicht, wie wir auf die Fragen befriedigende Antworten finden können...

Deshalb möchte ich meine Anteilnahme und mein Engagement zu diesem Thema anzeigen. Sollte es eine Art Netzwerkbildung unter jungen Professionellen geben, bin ich gerne bereit eine aktive Rolle einzunehmen.
Dieses Thema brennt mir selbst unter den Nägeln und ich denke, dass die Inhalte meiner Selbstständigkeit darauf ausgerichtet sein werden, genau die von Dir angesprochenen Fragen zu stellen.

Als Do´s für Führungskräfte sehe ich:
- Wertschätzung für geleistete Arbeit.
- Einladung zu schöpferischen und sinnhaften Beitragen als Führungsaufgabe.
- Wahrnehmen von Potentialen und Einsatzmöglichkeiten jeder einzelnen Person.
- Delegation von Teilverantwortung und Teilleitung.
- Unternehmungen als Beitrag zu unserer Gesellschaft.
- Vertrauen in die Motivation des Mitarbeiters etwas zur Gesamtleistung beitragen zu wollen.
- Jede Führungskraft hat die Aufgabe eine Definition von GENUG und Zufriedenheit zu beschreiben - damit Ziele realistisch werden.
- Was ist unser Kernprozess, welchen Sinn macht unsere Aufgabe? Was können wir deshalb weglassen?

 
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